Die Hölzel-Fenster haben eine neue Adresse. Foto: Lg/Achim Zweygarth - Lg/Achim Zweygarth

Mit der Modernisierung des Foyers beginnt im Landesmuseum im Alten Schloss ein neuer Abschnitt der Sanierung. Die besonderen Fenster sind künftig andernorts zu sehen.

StuttgartManche sind ein Leben lang Nachbarn, sehen sich aber nie. Im Alten Schloss trafen sich nun gleich vier benachbarte Museen des „Kulturquartiers“. Cornelia Ewigleben, Direktorin des Landesmuseums Württemberg, empfing Beate Wolf, Kommunikationschefin der Staatsgalerie, Paula Lutum-Lenger, Direktorin des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg, sowie Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart, mit der Kuratorin Eva-Marina Froitzheim. Der Grund: Der Dürnitz des Alten Schlosses, also der frühere beheizbare Speise- und Gemeinschaftsraum, wird ab 29. April zu einer Kulturlobby umgebaut. „Ein Wohlfühlort zum Verweilen“, so Ewigleben, dazu Grundrisspläne verteilend. Kunst kann da aber nicht mehr gezeigt werden. Das bedeutet für die Fenster des Künstlers Adolf Hölzel, die in den Hofmauern der Dürnitz zu sehen waren: Sie müssen weg. Fortan werden die beiden äußeren in der Staatsgalerie, das mittlere im Kunstmuseum Stuttgart gezeigt. Die Exponate der Stauffenberg-Erinnerungsstätte im Kellergeschoss des Alten Schloss gehen für eineinhalb Jahre ins Haus der Geschichte.

Hölzel’sche Farbtheorie

„15 Jahre waren die Fenster, berühmte Beispiele der Stuttgarter Avantgarde, nun bei uns, damit länger als an ihrem Ursprungsort, dem einstigen alten Rathaus Stuttgarts, wo sie ab 1928 eingebaut wurden“, so Ewigleben.

Ab 17. April werde das Fenster im Kunstmuseum präsentiert, erklärte Ulrike Groos. „Wir haben uns über die Anfrage gefreut, passt es doch bestens zu unserer umfangreichen Sammlung, in der wir allein 356 Hölzel-Werke haben.“ Eva-Marina Froitzheim ergänzte, dass man auch 17 Entwürfe besitze. „Die Entwicklung der Fenster kann so bestens nachvollzogen werden.“ Das gelte auch für den Weg Hölzels von Figuration zur Abstraktion, im mittleren Glaskunstwerk seien etwa auch figurative Elemente, unter anderem ein Mönch oder eine Kreuzigungsgruppe, zu entdecken. „In allen Fenstern ist die Hölzel’sche Farbtheorie zu finden.“

Kommunikation der Werke

Beate Wolf wiederum betonte den Einfluss des Künstlers auf seine Schüler wie Ida Kerkovius, Johannes Itten oder Oskar Schlemmer, der dessen Ideen ins Bauhaus mitnahm und daraus eigene, etwa zum Universalthema Mensch, entwickelte. „Es ist eine wunderbare Fügung, dass wir zum 100. Geburtstag des Bauhauses, zu dem wir die Schau ‚Weissenhof City‘ ab Juni zeigen, die Fenster bekommen.“ Sie sollen mit Schlemmers letztem Wandbild „Familie“ – einst im Privathaus von Dieter Keller in Stuttgart-Vaihingen – in Dialog treten.

Im Haus der Geschichte kommunizieren schließlich die Exponate der Stauffenberg-Gedenkstätte, die im Keller des Alten Schlosses residierte, mit anderen Stücken im Obergeschoss. Die Baustelle der Dürnitz erfordert einen vier Meter hohen Zaun um das Alte Schloss, also auch um den Eingang zur Gedenkstätte. Nun plant Paula Lutum-Lenger eine Präsentation zu Claus Schenk Graf von Stauffenberg, dessen Vater in Diensten des württembergischen Königs war, die Familie daher im Alten Schloss gelebt habe. Das missglückte Attentat von Stauffenberg und seinen Mitstreitern auf Adolf Hitler jährt sich am 20. Juli zum 75. Mal.

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