Eltern helfen Eltern, das ist die Devise im Internet. Das kann sehr entlastend sein, findet unsere Kolumnistin. Foto: Welzhofer

Sie geben Buchtipps, erklären, warum Mütter sich gerade um alles kümmern, fassen den Forschungsstand zu Corona zusammen oder sind einfach nur sehr witzig: Diese Eltern-Blogger helfen unserer Kolumnistin gerade durch die Corona-Zeit.

Stuttgart - Es ist nicht alles schlecht im Internet und auf den sozialen Medien, für die man in Wir-bleiben-Zuhause-Monaten noch mehr Zeit hat. Zum Beispiel findet man dort viele tolle Mütter und Väter, die mit ihren Texten, Tipps, Bildern und einer klaren Haltung – nicht nur in Coronazeiten – das Leben erleichtern und bereichern. Manchmal, weil sie einem aus der Seele sprechen. Manchmal, weil sie einfach mehr wissen. Manchmal, weil man durch sie das eigene Lebensmodell hinterfragt. Diese Fünf kann ich sehr ans Herz legen:

Rike Drust In ihren Büchern „Muttergefühle – Gesamtausgabe“ und „Muttergefühle – Zwei“ hat Rike Drust ziemlich ehrlich, direkt, witzig und vollumfänglich erzählt, wie es ist, Mutter zu werden und dann auch zu sein. Und zwar zuerst von einem Kind, und dann von zweien. Ich habe mich mit einem Kind im ersten, und mit zwei Kindern im zweiten Buch ziemlich genau wiederentdeckt. Mittlerweile stellt Rike Drust, die in Hamburg lebt, auf ihrem Instagram-Profil „Kinstabuch“ sehr besondere Kinderbücher vor, von denen wir mittlerweile einige im Regal stehen haben und die meine Kinder arg gern lesen. „Superst!“ würde Rike Drust vielleicht sagen, die noch dazu eine der witzigsten und individuellsten Formuliererinnen ist, die ich kenne. Im Herbst wird sie ihr erstes Kinderbuch veröffentlichen. Und dann schreibt sie auch noch eine sehr lesenswerte, immer genau richtig emanzipierte Kolumne auf Pinksticks, in der sie momentan auch ihre Corona-Erfahrungen als Mutter und selbstständig Arbeitende aufschreibt.

Herbert Renz-Polster

Von seinen eigenen vier Kindern, die schon groß sind, erzählt Herbert Renz-Polster eher nicht. Auf seinem Blog „Kinder verstehen“ schreibt er aus der Warte des Kinderarztes, Erziehungsexperten und kritisch-empathischen Gesellschaftsbeobachters. Seine Hauptbotschaft: Kindliches Verhalten ist von der Evolution geformt. Wenn ein Kleinkind also nur bei den Eltern schläft, dann sucht es überlebenswichtigen Schutz. Weder das Kind noch ihr Eltern könnt etwas gegen die Evolution ausrichten – also probiert es gar nicht! Das ist so ungefähr die spontan-beruhigende Botschaft von Renz-Polster, der übrigens in Waiblingen aufgewachsen ist. In Coronazeiten studiert der Mediziner und Forscher Renz-Polster sehr genau die Fachliteratur zu Kindern und Corona und gibt auf seiner Homepage immer wieder sehr verständliche, gute Überblicke über den Stand der Forschung. Der Kern: Ja, Kinder können sich anstecken. Nein, sie sind nach allem, was man weiß, keine Treiber der Infektion. Wenn sie sich anstecken, verläuft die Krankheit in fast allen Fällen harmlos. Als ich kürzlich mit ihm für einen anderen Artikel telefoniert habe, sagte er, dass Eltern eigentlich wahnsinnig froh über diese Erkenntnisse sein sollten und ihre Kinder guten Gewissens in die Kitas und Schulen schicken könnten. „Wir sollten Kinder jetzt nicht wegsperren. Sie sind unsere Zukunft!“, sagt Renz-Polster.

Laura Fröhlich

Wenn ich Laura Fröhlichs Blogeinträge und Instagram-Posts lese, die sich zu sehr großen Teilen um die Erschöpfung der Mütter und die Gründe dafür drehen, denke ich manchmal: Irgendwie schreibt sie immer wieder dasselbe, aber ich lese es trotzdem immer wieder mit Gewinn. Laura Fröhlichs ständiges Thema ist Mental Load. Ein Begriff, der ein bisschen Karriere gemacht hat in den letzten zwei Jahren und sich mit mentale Last übersetzen lässt. Gemeint ist die Last des unbezahlten (!) Familienmanagements, das, neben der eigentlichen Kinderbetreuung, tausend kleine Dran-Denken-Dinge beinhaltet: Vom Impftermin, der ausgemacht werden will, über den Inhalt der Kita-Vesper-Box bis zu den neuen Sommersandalen. Bei Laura Fröhlich kann man nachlesen, was noch so dazu gehört, vor allem aber, warum das fast immer alles die Mütter übernehmen und wie man das als Paar ändern kann (zum Beispiel mit Methoden aus dem Projektmanagement). Das Thema ist gerade umso wichtiger, als in Coronazeiten offenbar hauptsächlich Frauen dafür zuständig sind, neben der Arbeit Kinder zu betreuen und zu beschulen. Laura Fröhlich ist nicht die einzige, die über dieses Thema schreibt, aber sie tut es vielleicht mit der größten Konsequenz. Mittlerweile gibt sie auch Webinare für Mütter in der Mental-Load-Falle und schreibt an einem Buch, das im Herbst erscheinen wird.

Christian Hanne

Den Blog „Familienbetrieb“ des Berliner Vaters Christian Hanne lese ich vor allem, um mich zu unterhalten. Hanne, der mittlerweile auch Bücher veröffentlicht hat, schreibt nämlich wahnsinnig witzig und gleichzeitig reflektiert über seine Familie mit seinen beiden Kindern, die mittlerweile Teenager sind. Außerdem sammelt er jeden Freitag – was ich sehr verdienstvoll finde – die lustigsten Tweets der Woche zum Thema Familie. Und vielleicht das Beste daran: Sie drehen sich größtenteils NICHT um Corona!

Theresa Bücker

Theresa Bücker ist für mich eine der klügsten Vertreterinnen einer politisierten Elternschaft, die mir in ihren Blogbeiträgen, in Artikeln und Kolumnen online und gedruckt immer wieder erklärt, wie Feminismus und Mutterschaft zusammenhängen, warum das Private politisch ist und welche anderen Paar- und Familien-Modelle Mütter und Väter leben könnten. Ob über eine reduzierte Arbeitszeit für Eltern kleiner Kinder bei vollen Rentenbeiträgen oder die Idee einer längeren Zwangs-Elternzeit für Väter – über viele Konzepte habe ich bei Theresa Bücker, die selbst zwei Kinder hat, zuerst gelesen.

Lesen Sie hier mehr aus der Kolumne „Mensch, Mutter“.

Lisa Welzhofer ist Autorin der Stuttgarter Nachrichten und Mutter zweier Kinder (6 und 3 Jahre alt). In ihrer Kolumne macht sie sich regelmäßig Gedanken über Familie und übers Elternsein, über Kinder, Kessel und mehr. Sie schreibt im Wechsel mit ihrem Kollegen Michael Setzer, der als „Kindskopf“ von seinem Leben zwischen Metal-Musik und Vatersein erzählt.

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