Veronika Wegner mit ihrer Katze Barney Foto: Wau.Co. - Wau.Co.

Die Katze zerkratzt die Möbel oder weckt nachts ihre Menschen durch lautes Miauen? Die Stuttgarter Katzenpsychologin Veronika Wegner nennt Lösungen für Mensch und Tier.

StuttgartAm schwersten fiel ihr der Abschied von ihren Katzen. Als Veronika Wegner sich im Jahr 2017 zu einem 18-monatigen Aufenthalt in Kanada aufmachte, flossen weder bei der Verabschiedung von Verwandten noch Freunden Tränen. „Ich wusste, mit denen kann ich telefonieren“, sagt die 38-Jährige. Doch als sie ihren Katzen Barney und Niki Lebewohl sagte, weinte sie – wohlgemerkt erst, nachdem sie die Wohnungstüre hinter sich geschlossen hatte. „Vor ihnen wollte ich ruhig bleiben, denn Katzen reagieren sehr empfindlich auf Stress.“ Wegner muss es wissen, denn sie ist Tierpsychologin mit Spezialisierung Katze. „Alle nennen mich nur noch crazy Catlady, also verrückte Katzenfrau“, sagt Wegner und lacht. „Ich muss dann immer an die verrückte Frau aus der Serie ‚The Simpsons’ denken, die mit Katzen wirft“. Freilich, mit der hat Wegner nichts gemein – obschon sie die Liebe zu ihren Tieren durchaus zu vermeintlich ungewöhnlichen Taten treibt: So skypte sie von Kanada aus mit ihren Katzen, die von den Untermietern ihrer Wohnung betreut wurden: „Sie sollten meine Stimme hören“. Auch in Kanada widmete sich Wegner ganz den Katzen – hatte sie doch gerade ihr Fernstudium an der Akademie für Tiernaturheilkunde in der Schweiz abgeschlossen, nachdem sie zuvor jahrelang im Direktmarketing gearbeitet hatte. „Für das Thema Katze interessierte ich mich zunächst nur privat“, erläutert Wegner. Als sie 30 Jahre war, rettete sie ihre zwei Katzen aus einer Notlage. „Niki war ein Kümmerling“. Wegner beschäftigte sich mit Katzenernährung und -haltung. Letztlich begann sie das Studium – und kündigte nach ihrem Abschluss ihren Job. „Es war Zeit für etwas Neues“: Für die Katzen – und auch für Kanada.

In Vancouver wurde sie zu einer zertifizierten Ersthelferin für Haustiere und arbeitete freiberuflich als Katzensitterin und Katzen-Verhaltenstherapeutin. Zusätzlich unterstützte sie ehrenamtlich die Katzenschutzorganisation Vancouver Orphan Kitten Rescue Association. „In Kanada sind die Menschen sehr an Katzenpsychologie interessiert und auch bereit, dafür Geld auszugeben“, sagt Wegner.

Ob die Deutschen das auch sind, weiß sie nicht – aber sie will es herausfinden. „Ich habe Blut geleckt und will unbedingt weitermachen“, sagt sie. Zurück in Stuttgart begeistert sie ihren Zwillingsbruder Albert Wegner für ihre Idee. Im Juni gründeten sie Catsiness. Während Albert Wegner sich um die strategische Weiterentwicklung kümmert, bietet Veronika Wegner Verhaltensberatung und Katzensitter-Service an.

„Wir wollen dazu beitragen, dass die Tiere artgerecht gehalten werden“, erläutert die Veganerin. Denn es gebe viele Missverständnisse, was Katzen anbelangt: „Ihre Körpersprache wird oft fehlgedeutet.“ Schnurren beispielsweise bedeute nicht zwangsläufig, dass die Katze sich wohlfühlt: „Manchmal schnurren sie auch, um sich selbst zu beruhigen“, gibt Wegner zu bedenken. Auch die Überzeugung vieler Katzenhalter, dass man die Tiere nicht erziehen oder ihr Verhalten beeinflussen kann, sei falsch. „Viele ertragen etwa jahrelang, dass ihre Katze sie nachts mit lautem Miauen weckt“, sagt Wegner. Wenn die Katzenbesitzer dann doch endlich bei ihr landen und sie diese dann frage, wie sie auf das Miauen reagieren, höre sie oft, dass der Katze dann Essen, Spiel- oder Schmuseeinheiten angeboten werden. „Da lernt die Katze, dass Miauen was bringt – die Halter fördern das Verhalten ihrer Tiere oft unbewusst“, sagt Wegner. Der Ausweg: Ignorieren. „Dann wird es erst einmal schlimmer, weil die Katze immer lauter auf sich aufmerksam macht. Da heißt es: eisern bleiben.“

Bei solchen oder anderen Problemen bietet Wegner ihren Kunden einen einstündigen Hausbesuch an. Der Preis: etwa 100 Euro. „Ich weiß, das hört sich erst einmal viel an“, sagt Wegner. „Aber ich erstelle danach einen individuellen Trainingsplan und begleite das Mensch-Tier-Gespann noch vier Wochen lang. In der Zeit kann sich der Halter jederzeit mit Fragen an mich wenden“.

Bärbel Scheib-Wanner, die Vorsitzende der Katzenhilfe Stuttgart, findet eine verhaltenstherapeutische Unterstützung für Katzen grundsätzlich sinnvoll. „Zu uns kommen oft Katzenbesitzer und wollen ihr Tier abgeben, weil sie Probleme mit ihm haben“. Die Katzenhilfe sei aber kein Tierheim, sondern kümmere sich um Streuner. „Wir haben es uns aber zur Aufgabe gemacht, Lösungen dafür zu finden. Eine unserer Damen hat sich in Tierpsychologie weitergebildet – und sie konnte gute Erfolge erzielen.“ Auch andere Anbieter wie die Tierarztpraxis Dr. Ursula Breuer in Ostfildern oder Kathrin Köhrer (Katzen-Fee) aus Tamm oder Nanette Leuthner (Auf dem Katzensofa) aus Köngen bieten verhaltenstherapeutische Beratungen für Katzen an. Für das Katzensitting empfiehlt Scheib-Wanner den Verein Katze und Mensch, der Katzenbetreuung auf Gegenseitigkeit bietet. „Da kostet der Jahresbeitrag 37,50 Euro“. Wegner hat das Katzensitting professionalisiert: Die Sitter, die für sie arbeiten, müssen vorweisen, dass sie über Basiswissen in Katzenkörpersprache und Erster Hilfe verfügen. „Bei Plattformen im Netz wird die Qualifikation nicht überprüft“, sagt Wegner. Ihre Sitter schauen je nach Wunsch ein- oder zweimal täglich nach der Katze, füttern und spielen mit ihr, reinigen das Klo und schicken Fotos und Berichte an die Besitzer. Man kann sie für Übernachtungen buchen, für Katzen, die es gewohnt sind, mit ihrer Bezugsperson im Bett zu schlafen, oder für Playdates, bei denen ein Sitter 20 Minuten mit der Katze spielt. Letzteres kostet 15, die Übernachtung 69 Euro.

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