Die Kinothek in der Asangstraße ist aufgrund der Corona-Pandemie seit dem 13. März geschlossen. Foto: Elke Hauptmann

Wann und wie die Kinothek nach der Coronokrise öffnen kann, ist völlig unklar. Für die Lichtspieltheater gibt es noch keine Lockerungspläne. Betreiber Ralf Helmreich sieht Aufklagen kritisch.

Obertürkheim - G astronomie, Fitnessstudios, Fahrschulen – nach dem Corona-Lockdown fährt Baden-Württemberg Schritt für Schritt den Alltag wieder hoch. Die Landesregierung hat in der vergangenen Woche einen Stufenplan veröffentlicht. Das Ampelsystem unterteilt Bereiche des öffentlichen Lebens von grün bis rot – je nach Corona-Infektionsgefahr. Ralf Helmreich, den Geschäftsführer der Kinothek in Obertürkheim, lässt die Planung jedoch ratlos zurück: Wann das kleine Lichtspieltheater in der Asangstraße wieder öffnen darf, ist weiterhin völlig unklar. Kinos gehören zur Kategorie rot – und für diese Hochrisiko-Orte gibt es, ebenso wie für Theater, Konzerthäuser, Diskotheken und Freibädern, noch keine Lockerungspläne. Ganz verstehen kann Helmreich nicht, warum etwa große Kaufhäuser geöffnet sind, deutlich kleinere Einrichtungen jedoch warten müssen – vermutlich bis weit nach Pfingsten.

„Die Kinos fallen bislang zwischen epidemiologischen und rein wirtschaftlichen Überlegungen durch alle Raster. Und zwar sowohl in Bezug auf finanzielle Hilfen, als auch im Hinblick auf eine Perspektive zur Wiedereröffnung“, heißt es in einem offenen Brief der Arbeitsgemeinschaft Kino-Gilde. Die Interessenvertretung der Filmkunsttheater ist überzeugt, dass eine zeitnahe Wiedereröffnung mit Hygieneregeln durchaus möglich ist. Ein entsprechender Hygieneplan sei von den Kinoverbänden erstellt und der Politik vorgelegt worden. „Wie wenige andere Kulturorte können Kinos die Einhaltung von Mindestabständen durch gezielte Maßnahmen einfach umsetzen, beispielsweise durch das gezielte Blockieren von buchbaren Plätzen bei der Sitzplatzauswahl, gesteigerten Desinfektionsmaßnahmen und einem Fokus auf das Verkaufen von Online-Tickets.“

Viele Sitzen müssen leer bleiben

Na türlich sei eine baldige Eröffnung wünschenswert. „Je früher, umso besser“, sagt Helmreich mit Blick auf acht Wochen Stillstand – seit 13. März ist das Kino geschlossen. Doch schnell geht es nicht, die Umsetzung denkbarer Hygienemaßnahmen braucht Vorlauf: Auch Kinobetreiber werden dafür sorgen müssen, dass der Zugang zu ihren Gebäuden beschränkt wird und nicht zu viele Leute gleichzeitig an den Kassen anstehen. Kritisch sieht Helmreich vor allem die Abstandsregelung. Die 1958 von seinen Eltern damals noch unter dem Namen Arkadia-Filmtheater gegründete Kinothek ist ein kleines, nostalgisches Vorstadtkino, wie es nur noch wenige gibt. 1980 wurde bei einem Umbau der große Saal (315 Plätze) geteilt und es entstanden zwei Säle mit 126 und 53 Sitzplätzen. In beiden beträgt der Sitzabstand zwischen den Reihen etwa 1,20 Meter, gefordert wird jedoch ein Mindestabstand von 1,50 Meter. Nur jeden zweiten Sitz freizulassen, reiche also bei weitem nicht aus, meint Helmreich. Doch wenn ein Saal nur zu 30 Prozent belegt werden könnte, sei das nicht nur unrentabel. „Spaß macht es auch nicht, Filme vor halb leeren Rängen vorzuführen“, sagt Helmreich, der bei fast allen der etwa 16 Vorstellungen pro Woche dabei ist und den Anspruch hat, den Cineasten vor allem kleine, feine Produktionen zu zeigen. Solle die Abstandsregelung längere Zeit Bestand haben, müsse er sich überlegen, ob er sich den ganzen Aufwand täglich antun wolle. „Oder ob aus der 7-Tage-Kinowoche eine 5-Tage-Kinowoche wird“, räumt der 59-Jährige ein. Mit vielen Besuchern rechnet er im Sommer ohnehin nicht.

Zum Glück ein Familienbetrieb

Trotz aller Unsicherheiten zeigt sich der Obertürkheimer Kinobetreiber optimistisch, die schwierige Phase stemmen zu können. Natürlich würden die Einnahmen fehlen, während die Kosten weiterliefen. Der samstägliche Verkauf von Kino-Gutscheinen sowie von Getränken und Süßigkeiten, die sonst vor den Vorstellungen angeboten werden, sei nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Unser Glück ist, dass wir ein Familienbetrieb sind.“

Die AG Kino-Gilde hingegen zeichnet in ihrem offenen Brief ein ziemlich düsteres Bild von der nahen Zukunft: Eine repräsentative Branchenumfrage habe ergeben, dass 50 Prozent aller Kinobetriebe in Deutschland bei einer Schließung von weiteren zwei Monaten von Insolvenz bedroht seien. Das entspräche etwa 600 Betrieben. Und wenn die Hälfte der Kinos durch die Corona-Krise sterbe, sterbe damit im nächsten Schritt der Großteil der deutschen Filmbranche. „Insbesondere für den kulturell anspruchsvollen Film, der nicht Algorithmen oder Profitmaximierungen folgt, könnte dies das dauerhafte Aus als Kunstform bedeuten.“ Deshalb unterstützen auch die Filmverleiher eine baldige Wiedereröffnung der Kinos. Allerdings mahnt die Branche ein einheitliches Vorgehen an. Derzeit geht jedes Bundesland seinen eigenen Weg.

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