Harald Müller, Vorsitzender des Verbands-Spielausschusses, kann sich unter anderem auch vorstellen, dass die aktuelle Spielzeit und die kommende zusammengefasst werden. Insofern überhaupt weitergespielt wird. Foto: Günter E. Bergmann

Eine Verlängerung der Saison – wie in der Bundesliga – bis zum 31. Juli hält Harald Müller für denkbar. Es gibt noch andere Optionen.

Bad Cannstatt - Seit zwei Jahren ist der Untertürkheimer Harald Müller Vorsitzender des Verbands-Spielausschusses und damit für den Spielbetrieb aller Ligen in Württemberg bis zur Verbandsliga zuständig und mitverantwortlich in der Oberliga Baden-Württemberg. Zuvor war der 60-Jährige zwei Amtszeiten lang (2012 bis 2018) Vorsitzender des Fußball-Bezirks Stuttgart. Nachdem das Corona-Virus den Spielbetrieb bundesweit lahmlegte, ist zum momentanen Zeitpunkt unklar, „ob die Saison überhaupt zu Ende gespielt werden kann“, sagt Harald Müller.

Obwohl Besprechungen mit persönlicher Anwesenheit derzeit out sind, herrscht sicherlich genügend Gesprächsbedarf.

Auf jeden Fall. Obwohl der Spielbetrieb derzeit ruht, gibt es einiges zu besprechen, wird sich via Video- oder Telefonkonferenzen ausgetauscht. Langweilig wird es nicht.

Auch wenn der Ball ruht, wird der Spielbetrieb beziehungsweise wie es weitergeht, bei den Konferenzen dennoch ein Thema sein. Glauben Sie an die Fortführung der Saison 2019/2020?

Mit glauben hat das nichts zu tun. Wir müssen auf eine Freigabe der Behörden warten. Wir können nur reagieren, dazu brauchen wir aber ein genaues Datum. Wir vertrauen hier den kompetenten Krisenstäben von Bund, Land und Stadt. Je nach Datum sind mehrere Szenarien möglich.

Wenn ein Termin feststeht, dann geht es gleich wieder um Punkte.

Nein. Wir haben den Spielbetrieb bis auf Weiteres ausgesetzt und eine Vorankündigungsfrist von zwei Wochen beschlossen, sodass ein bisschen Zeit vor dem nächsten Spiel zum Training bleibt.

Können Sie sich vorstellen, wann dieser Termin sein könnte?

Bis 15. Juni sind im nicht-öffentlichen Raum Ansammlungen von jeweils mehr als fünf Personen untersagt, dies gilt ausdrücklich für Zusammenkünfte in Vereinen sowie sonstigen Sport- und Freizeiteinrichtungen.

Damit ist der eigentliche Saisonabschluss 30. Juni nicht zu halten. Der Deutsche Fußball-Bund hat seine Spielordnung so angepasst, dass die Spielzeit 2019/2020 – falls nötig – über den regulären Stichtag am 30. Juni 2020 hinaus verlängert werden könnte, was dann auch den Amateursport betreffen würde.

Das ist richtig. Die rechtlichen Grundlagen wurden geschaffen, beziehungsweise die Statuten dahingehend verändert, dass die Bundesliga bis zum 31. Juli spielen kann. Jedoch obliegt es jedem Landesverband, ob er sich dem Vorhaben anschließt.

Wenn es der DFB vorgibt, folgen in der Regel die einzelnen Landesverbände doch. Also geht die unterbrochene Saison im Fall einer Fortführung bis 31. Juli weiter.

Ja, das kann schon sein. Außerdem gibt es die Auf- und Abstiegsfrage und diese Auswirkungen ziehen sich bis in die unterste Klasse.

Wäre diese Möglichkeit aus ihrer Sicht eine akzeptable, zumal in diversen Ligen bereits rund zwei Wochen später der offizielle Beginn der Runde 2020/2021 anstünde.

In der Tat, damit habe ich so meine Probleme. Von vielen Kommunen werden wir häufig darauf hingewiesen, dass die Rasenplätze – auf denen ja immer noch von der Landesliga aufwärts überwiegend gespielt wird – eine gewisse Regenerationszeit brauchen, gerade im Sommer. Darüber hinaus stehen die Sommerferien an. Die Spielzeit 2020/2021 könnten wir sicher nicht „pünktlich“ beginnen.

Der Saisonstart könnte doch verschoben werden.

Für alle Szenarien bedarf es der Klärung rechtlicher Fragen. Unter anderem auch, wie es mit den Wechselfristen aussehen würde oder auch in Sachen Vertragsamateure. Da die Situation für alle neu ist, hat der Württembergische Fußball-Verband (wfv) ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, das wir noch in diesem Monat erwarten.

Wie könnte die Saison zu Ende gespielt werden?

Ich könnte mir vorstellen, dass die Spielzeiten 2019/2020 und 2020/2021 zusammengefasst werden zu einer Saison. Dann hätten wir, aller Wahrscheinlichkeit nach, genügend Termine, um auf das ersehnte Datum des Re-Starts reagieren zu können und die bisher erspielten Ergebnisse blieben bestehen. Es weiß keiner, ob wir in diesem Kalenderjahr noch spielen können.

Das bedeutet konkret?

Die bisherige Runde wird fortgeführt, wann es wieder Sinn macht. Beispielweisel im Oktober oder auch später und endet dann eben erst am 30. Juni 2021. So hätte man Luft, auch für den Pokal und andere Veranstaltungen wie zum Beispiel den Erdinger Meister-Cup oder andere Turniere.

Wie realistisch ist diese Möglichkeit?

Es gebe natürlich auch hierbei rechtliche Dinge zu klären. Wir warten das Rechtsgutachten ab. Abhängig sind wir vom amtlichen Termin und was die Bundesliga macht. Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit halte ich im Amateurbereich für unmöglich, auch, weil es praktisch nicht umsetzbar ist.

Was passiert beim Abbruch der Saison, wie wird gewertet?

Gute Frage, nächste Frage. Auch dafür gibt es verschiedene Szenarien: Play-offs, Wertung nach Tabelle der Vorrunde, Wertung nach aktueller Tabelle und viele mehr. Alle Möglichkeiten sind derzeit aber nur spekulativ. Und die Entscheidung, die wir irgendwann treffen müssen, wird keine einfache sein und nicht jedem gefallen.

Was raten Sie den Vereinen?

Zu Geduld und Gelassenheit! Fußball ist die schönste Nebensache der Welt und soll es auch bleiben. Aber „nur“ Nebensache, die Hauptsache ist die Gesundheit, die steht über allem. Die jetzige Situation sollte als eine Chance angesehen werden und die verordneten Maßnahmen im Sinne aller eingehalten werden.

Die Fragen stellte Torsten Streib.

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