Bürgermeister Peter Pätzold (li.) und Jürgen Görres Foto: Uli Nagel - Uli Nagel

Um die Versorgung des neuen Quartiers mit Warmwasser zu gewährleisten, kommen zwei 13 Tonnen schwere Pufferspeicher zum Einsatz.

Bad Cannstatt Das Gelände des ehemaligen Güterbahnhof-Areals gehört zu den bedeutendsten Entwicklungsflächen der Stadt. Insgesamt 22 Baufelder stehen auf der Gesamtfläche von 22 Hektar für Wohnen und Gewerbe zur Verfügung. Mit der Durchführung eines kooperativen städtebaulichen Gutachtens, bei dem sich das Stuttgarter Architektenbüro „Pesch Partner“ durchsetzte, wurde bereits 2008 die städtebauliche Zielausrichtung entwickelt. Begleitet wurde die Planung durch zwei Modellvorhaben. Das erste betrifft das Thema „Bildung als Standortfaktor“, das zweite „LowEnergy“. Mit dem zweiten Thema betrat Stuttgart damals Neuland, den erstmals sollte unter energetischen und umweltpolitischen Zielsetzungen ein Stadtquartier entwickelt werden.

Für den künftigen Neckarpark wurde in der Folge ein Energiekonzept entwickelt, das eine umfangreiche Versorgung mit lokal vorhandenen regenerativen Energieträgern wie Solarenergie, Erdwärme oder Abwasserwärme gewährleistet. Durch erhöhten baulichen Wärmeschutz und Nutzung von Wärme aus Abwasser über ein Nahwärmenetz sowie mit Solaranlagen zur Stromerzeugung wird im Vergleich zu bestehenden Neubaustandards, der Energieverbrauch reduziert und der lokale Ausstoß von Schadstoffen vermieden.

Eigene Energiezentrale

Ein wichtiger Bestandteil des Energiekonzepts ist die eigene Energiezentrale. Sie wird in dem künftigen Quartiersparkhaus an der Benzstraße integriert. Bei der Umsetzung der Ziele kam der Stadt zugute, dass hier der riesige Abwasserhauptsammler liegt. Der wurde bereits im Zuge der Verlegung der Benzstraße im vergangenen Jahr erneuert.

Ein wichtiger Baustein der Energiezentrale wurde gestern eingebaut. Dabei handelt es sich um zwei sogenannte Pufferspeicher. „Sie speichern Warmwasser und sorgen so für Flexibilität bei der Wärmeversorgung“, sagte Baubürgermeister Peter Pätzold, der dabei von zwei Meilensteinen für das städtische Energiekonzept sprach. Die Behälter sind etwa sechs Meter hoch und wiegen zusammen mehr als 13 Tonnen. Ein Schwertransport hat sie in der Nacht nach Bad Cannstatt gebracht. Mit zwei riesigen Autokränen wurden sie dann in die künftige Energiezentrale eingehoben.

1000 gefüllte Badewannen

„Insgesamt fassen die Speicher 115 Kubikmeter Warmwasser“, sagte Jürgen Görres, Leiter Energiewirtschaft im Amt für Umweltschutz. Dies entspricht etwa 1000 gefüllten Badewannen. Der Vorteil: Wird mehr Wärme produziert als benötigt, können die Warmwasserspeicher sie aufnehmen. Die gespeicherte Wärme wird dann vorrangig verwendet, um die Zuschaltung zusätzlicher Wärmeerzeuger zu verzögern. „Das verbessert das Betriebsverhalten der Wärmeerzeuger, sie sind effektiver und länger haltbar“, so Pätzold. Übrigens: Der Wärmetauscher, der das Abwasser „verarbeitet“, ist 300 Meter lang und damit der größte in Europa.

Der Neckarpark gilt als Vorzeigeprojekt zur Umsetzung der Energiewende in der Landeshauptstadt, was sich auch in der Tatsache ausdrückt, dass Bauherren zur Nutzung von Photovoltaik und extensiver Dachbegrünung verpflichtet werden. „Das Quartier entwickelt sich“, so Pätzold. Die ersten Gebäude, die von der Münchner Dibag für die Volksbank Stuttgart errichtet wurden, sind vor den Sommerferien eingeweiht worden. Die Bank will sie in den kommenden Wochen beziehen. Da die Energiezentrale jedoch erst 2020 fertig ist und in Betrieb gehen kann, hat die Stadt für eine Interimslösung gesorgt. Kein Bankmitarbeiter wird also frieren müssen.

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