An der Geroksruhe geht es für die Busse der Linie 64 von der Waldebene wieder zurück in Richtung Frauenkopf Foto: Steegmüller - Steegmüller

Aussagekräftige Zahlen gibt es noch nicht, wirklich angenommen wird die Verlängerung der Buslinie 64 über die Waldebene Ost zum Buchwald jedoch nicht. Die meisten Fahrzeuge sind leer unterwegs.

Stuttgart-OstVor rund einem Jahr, pünktlich zum Frühlingsanfang, ist die Linie 64 von der Stelle über die Waldebene Ost bis zur Haltestelle Buchwald verlängert worden. Aussagekräftige Fahrgastzahlen kann die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) zwar noch nicht vorlegen – man muss jedoch kein Hellseher sein, um zu sehen, dass das Angebot nicht wirklich angenommen wird. Auch bei schönstem Frühlingswetter, wie über Ostern, drehen die Busfahrer alleine ihre Runde, nur selten steigt am Parkplatz der Spvgg Ost jemand zu. Die SSB-Sprecherin Birgit Kiefer teilt diese subjektive Wahrnehmung. Wie es wirklich um den Bus zur Waldebene steht, soll im Sommer in einer Sitzung des 20-köpfigen Aufsichtsrats thematisiert werden. Dann müssen sich der Vorsitzende, Oberbürgermeister Fritz Kuhn, und Mitglieder wie Stadtkämmerer Michael Föll entscheiden, ob sie das insgesamt eineinhalb Jahre dauernde und 200 000 Euro teure Projekt über den Fahrplanwechsel am 8. Dezember hinaus fortführen wollen.

Streckenführung größtes Problem

Zurzeit spricht wohl wenig für eine Fortsetzung, darüber ist sich auch Tatjana Strohmaier, Bezirksvorsteherin im Stuttgarter Osten, im Klaren. Sie habe kein gutes Bauchgefühl. „Der Bus wird schlecht angenommen. Meistens ist er leer unterwegs.“ Das größte Problem sieht sie in der Streckenführung. Gemeinsam mit dem Handels- und Gewerbeverein Gablenberg (HGV) habe sie sich von Anfang an dafür ausgesprochen, dass die Linie 64 nicht am Buchwald drehen, sondern weiter in den Stuttgarter Osten fahren soll. Als dann jedoch die Entscheidung getroffen worden ist, haben „wir lieber den Spatz in der Hand genommen als gar nichts.“

„Die optimale Lösung wäre es, die Linie 64 von der Waldebene bis zum Ostendplatz fahren zu lassen“, fügt Michael Harnisch vom HGV hinzu. Gleichzeitig würde er den 45er am Ostendplatz wieder in Richtung Bad Cannstatt drehen lassen. Der mehr als zehn Tonnen schwere Bus sei häufig nur mit wenigen Fahrgästen in Richtung Buchwald unterwegs, hier würde der kleinere Sprinter auch reichen. „Die Umstellung halte ich ohne große Probleme für machbar.“ Die SSB teilt diese Einschätzung jedoch nicht. Man habe alle Varianten durch deklariert, eine Verlängerung sei wirtschaftlich nicht darstellbar, heißt es von Seiten des Unternehmens in aller Kürze.

Generell kritisieren der HGV und die Bezirksvorsteherin die Zusammenarbeit mit der SSB. Bereits im vergangenen Mai habe man Anreize für die Fahrt auf die Waldebene Ost schaffen wollen. Ihre Vorstellung: Die Busse sollten mit bunter Werbung auffälliger gestaltet werden, außerdem schwebte ihnen eine Bonuskarte vor. Wer mit dem 64er auf die Waldebene fährt, solle spezielle Angebote erhalten. Beispielsweise einen ermäßigten Eintritt zur Minigolfanlage oder Nachlass bei Getränken und Snacks. Bislang konnte die Idee jedoch nicht umgesetzt werden. „Von der SSB kam über Monate einfach keine Rückmeldung“, sagt Strohmaier.“ Erst auf mehrmalige Nachfrage habe man jetzt eine vage Antwort erhalten. „Alles im Konjunktiv. Dabei hat man uns an den Subunternehmer Schlienz verwiesen.“ Die Situation sei frustrierend. „Man könnte den Eindruck bekommen, dass Kalkül dahintersteckt und die SSB nicht wirklich Interesse an dem Bus hat“, fügt Harnisch hinzu. Der Betreiber des Sammler-Ecks macht keinen Hehl daraus, dass er sich auch aus Eigennutz für den Erfolg des Busses stark macht. „Ziel war auch Kaufkraft aus dem Frauenkopf in Stuttgart-Ost zu binden.“ Dazu müsse der 64er jedoch direkt durchfahren.

Michael Dalaker vom SV Gablenberg hat Zweifel, dass dieses Vorhaben funktionieren würde. „Wer im Frauenkopf wohnt und kein Auto hat, fährt doch lieber bis zur Stelle und steigt dann in die Stadtbahn in Richtung Innenstadt oder Sillenbuch um.“ Dennoch würde er eine Verlängerung des Busses, der unter der Woche im 20-Minuten-Takt unterwegs ist, begrüßen. „Dann wäre das Angebot für unsere Spieler deutlich lukrativer.“ Derzeit würden sich ältere Spieler in Gablenberg von Trainern oder Mitspielern einfach einsammeln. „Kinder setzten zudem auf das Eltern-Taxi.“

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