Kurator Olaf Schulze und Museumsleiterin Christiane Sutter in der neuen Ausstellung Foto: Fotos (2): Edgar Rehberger - Fotos (2): Edgar Rehberger

Die Römer haben in Cannstatt viele Spuren hinterlassen. Diese sind jetzt in einer Sonderausstellung „Den Römern auf der Spur“ im Stadtmuseum zu sehen. Einige Originalfunde von 1894 waren noch nie zu sehen.

Bad CannstattRömer und Cannstatt gehören einfach zusammen. Haben doch die Römer bleibende Spuren hinterlassen. Allemal ein Anlass, sich mit dem Thema zu befassen. Zumal auch in diesem Jahr noch zwei besondere Termine vorliegen: Vor 125 Jahren entdeckte Ernst Kapff das Römerkastell, und sein Todestag jährt sich zum 75. Mal. Das Stadtmuseum Bad Cannstatt nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, der spannenden Geschichte der archäologischen Entdeckung des römischen Cannstatt von 1894 bis zur Gegenwart eine Sonderausstellung zu widmen.

„Uns geht es nicht um das römische Leben, sondern um die Entdeckungsgeschichte“, erläutert Christiane Sutter, seit März Leiterin des Stadtmuseums, und „seit Kindesbeinen großer Römerfan“. Erste Funde gab es bereits im 16. Jahrhundert, später dann erste systematische Ausgrabungen, zunächst von Laien, später von Archäologen. „Wir wollen die Menschen vorstellen, die die Puzzlearbeit durchgeführt haben“, so Sutter. Gezielte Grabungen, Rettungsgrabungen und Zufallsfunde lieferten ein immer umfangreicheres Bild des Kastells mit seiner Reitereinheit, der zivilen Siedlung mit ihrer Ausdehnung, dem Töpfereibezirk und dem Gräberfeld.

Zu sehen sind Leihgaben aus dem eigenen Bestand, aber auch Originalfunde der Grabungen von 1894, die bislang noch nicht in Cannstatt gezeigt wurden. „Diese hat uns das Landesmuseum Württemberg zur Verfügung gestellt.“ Unterstützt wurde die Ausstellung von Pro Alt-Cannstatt und auch von Andreas Thiel vom Landesamt für Denkmalpflege. Neueste Funde der letzten Jahre werden dann ab März in die Ausstellung mit aufgenommen.

Auch die wechselvolle Geschichte des Areals des Römerkastells, vom Bau der Dragonerkaserne 1908 bis 1910 bis zur jetzigen Nutzung, wird vorgestellt. Ebenso die Entdeckung der mittelalterlichen Altenburg beim Abbruch des Steiggemeindehauses.

Zur Ausstellung, die bei freiem Eintritt mittwochs von 14 bis 16 Uhr, samstags 14 bis 17 Uhr und sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet ist, gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm. „Einmal im Monat gibt es kostenlose 60-minütige Führungen“, sagt Sutter, die sich bei ihrer Premieren-Ausstellung im Stadtmuseum besonders auf Vorträge inklusive Kostproben zum Thema „Der Geschmack des Weltreiches“ von Michael Kuhn freut. Dabei geht es um römische Küche und römischen Wein. „Die Römer mit allen Sinnen erfahren“, erläutert die Museumsleiterin. „Damit gehen wir neue Wege.“ Termine sind am 11. Januar und am 4. April. Dafür ist eine Anmeldung erforderlich (Telefon 216-25 888).

Auch Pro Alt-Cannstatt bietet zwei Vorträge zur Ausstellung an. Einmal zum Holzbodenfund von 2012 (4. Februar), einmal zur Altenburg (21. April). Die Ausstellung endet am 17. Mai, dem Internationalen Museumstag. Da gibt es in und vor dem Museum ein Römerfest mit besonderem Programm und Angeboten.

„Seit 1920 gibt es keine Einzelpublikation über die Römer in Cannstatt an, aber viel neues Wissen seitdem“, hat Kurator Olaf Schulze, auch Vorsitzender von Pro Alt-Cannstatt, bei den Vorbereitungen der Ausstellung festgestellt und auch Anekdoten und interessante Geschichten ausgegraben. So war der vielseitig interessierte Pädagoge Kapff, der 1894 auf der Steig die Grundmauern eines römisches Wachturmes entdeckte, dem die Freilegung eines ganzen römischen Kastells folgte, auch Lehrer und Mentor von Hermann Hesse. Hesse schrieb in einem Brief von 1896 über seinen Besuch bei Kapff in Cannstatt, der ihm „sein Römerkastell“ zeigte. Besonders gefallen habe ihm die Statue eines reitenden Jupiters. Der Cannstatter Altertumsverein hatte nämlich die Mauerreste und Funde in einer archäologischen Schau präsentiert. 20 Pfennig kostete der Eintritt. Eine weitere wichtige Person und Vorläufer von Kapff war Johann Daniel Georg Memminger (1773 bis 1840), der einen bedeutenden Schritt in Richtung professionelle Archäologie unternahm. „Er entdeckte einen römischen Begräbnisplatz.“

„Den Römern auf der Spur“ – 125 Jahre Archäologie in Cannstatt. Ausstellung im Stadtmuseum, Marktstraße 71/1. Zu sehen bis 15. Mai 2020.

www.stadtmuseum-badcannstatt.de

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