Foto: Pro Alt-Cannstatt - Pro Alt-Cannstatt

Der Verein Pro Alt-Cannstatt hat für das kommende Jahr einen historischen Kalender kreiert, der viel Ortsgeschichte erzählt. Er ist beim Niklasmarkt erhältlich.

Bad Cannstatt Fotos erzählen Geschichten. Das wissen auch die Aktiven von Pro Alt-Cannstatt, der Vorsitzende Olaf Schulze und Matthias Busch. Und so hat der Verein zum neunten Mal einen historischen Kalender aufgelegt, in dem er Ansichten von früher zeigt und wie sie heute sind. Das ist das Reizvolle an der Darstellung, dass der Betrachter gleich den optischen Vergleich ziehen kann auf die Veränderung, was sich in den Jahren getan hat. Da wäre beispielsweise die Wilhelmsbrücke vor der Sprengung, die gezeigt wird. Sie war am 27. September 1838, am Geburtstag des württembergischen Königs Wilhelms I., in seiner Anwesenheit der Nutzung übergeben worden. Die Brücke war von Oberbaurat Eberhard Etzel gebaut worden. Doch dann konnte die steinerne Brücke wegen der Neckarregulierung und des Baus der Ufermauern zum Hochwasserschutz nicht erhalten werden. Sie wurde 1929 gesprengt. Das historische Bild zeigt die zur Sprengung vorbereitete Brücke. 200 Schüsse waren dazu notwendig. Der Nachfolgebau wurde 1956 im Krieg gesprengt. Erst danach kam der Neubau. Auch die Reiterkaserne im Hallschlag ist im Kalender zu sehen, die früher Königs-Dragoner-Kaserne hieß. Zu sehen ist das Wirtschafts- und Stabsgebäude von einer Postkarte von 1911. Es zeigt die Mannschaftsspeiseanstalt und das Stabsgebäude der von 1908 bis 1910 erbauten Dragonerkaserne. Das Technische Hilfswerk (THW) war hier lange Jahre. Seit 2001 wird das Römerkastell in ein Wohn- und Dienstleistungszentrum umgebaut. Zuletzt wurde der Vierwegegöttinnen-Stein vor dem Altenburgplatz platziert, wie das aktuelle Bild zeigt.

Noch eine Ansicht von der Altenburger Steige erzählt die Geschichte, als dort noch 1935 eine Straßenbahn fuhr, die es dort seit 1928 gab. Es handelte sich um die Linie 12, die vom Bahnhof Cannstatt durch die Bahnhofstraße, über den Wilhelmsplatz, die Marktstraße, Wilhelmsbrücke, Brückenstraße bis zur Endhaltestelle Hallschlag-Straße vor der Reiterkaserne fuhr. 1930 gab es sogar eine zweite Linie 22, die vom Hallschlag über die Daimler- und Mercedesstraße bis zum Schlachthof nach Wangen fuhr.

Zurück ins Herz von Bad Cannstatt: Die Anna-Klinik residierte in der Wildunger Straße Höhe Karlsbader Straße, dem heutigen Liebfrauenheim. „Viele Cannstatter sind hier geboren und wissen teilweise auch noch genau das Fenster, hinter dem sie sich befanden“, erklärt Mathias Busch. Im Kalender können sie den Geburtsort nochmals anschauen, der bis 2011 das „Liebfrauenheim“ war und als Alten- und Pflegeheim genutzt wurde.

Weitere historische Leckerbissen sind die Kursaalmuschel, die eine Postkarte von 1903 zeigt. 1900 wurde der Musikpavillon in der Nähe des Kursaalrestaurants gebaut. Bis heute gibt es die denkmalgeschützte Kursaalmuschel, die für Konzerte dient, auch die Reihe der Kurpark-Konzerte, die die Vereinigung Cannstatter Vereine (VCV) dort jeden Sommer anbietet.

Das Viadukt in Bad Cannstatt gibt es auch als historische Aufnahme zu sehen. Dabei wird bereits ins kommende Jahr geblickt, wo genau vor 175 Jahren die erste Teilstrecke der Württembergischen Eisenbahn zwischen Cannstatt und Untertürkheim eröffnet wurde, am 22. Oktober 1845. Der überregionale Güterzugverkehr stieg an, berichtet Pro Alt-Cannstatt, dass der Bau einer Umgehungsbahn, der „Schusterbahn“ zwischen Untertürkheim und Kornwestheim notwendig wurde, damit nicht jeder Güterzug umständlich im Stuttgarter Kopfbahnhof gewendet werden musste. Vom 855 Meter langen „König-Wilhelm-Viadukt“ sind noch zwei markante große Pfeiler aus rötlichem Stein zu sehen, auf der Cannstatter Seite an der Hofener Straße beim Kurpark und in Münster beim Lauster-Firmengebäude.

Der Historische Kalender ist beim Niklas-Markt am Stand von Pro Alt-Cannstatt erhältlich und im Cannstatter Stadtmuseum, Marktstraße 71/1 (www.stadtmuseum-badcannstatt.de) und in der Buchhandlung Osiander in der Marktstraße 33A +B. Der Kalender kostet 18,90 Euro.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: