Andrea Ahlers (links) und Katja Wienicke zeigen wie das Spiel „Azul“ funktioniert. Foto: Gall - Gall

Die kanadisch-deutsche Brettspiele-Firma Plan B Games verkauft die Rechte an ihren Spielen von Bad Cannstatt aus in die ganze Welt. Ein Spiel sahnt dabei alle möglichen Preise ab.

Bad CannstattJeder kennt sie und hat sie gespielt: Brettspiele. Klassiker wie „Monopoly“, „Mensch ärgere dich nicht“ und „Risiko“ haben schon viele Familienabende oder ein gemütliches Beisammensein unter Freunden bereichert. Doch wie entsteht so ein Spiel, von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt? Am Beispiel der kleinen kanadisch-deutschen Spielefirma Plan B Games, die auch einen Sitz in Bad Cannstatt hat, zeichnen wir den Weg nach.

Alles beginnt mit einer Idee. Diese kommt in der Regel von frei- oder nebenberuflich tätigen Autoren. Auch Laien können interessante Spiele entwickeln. Nun gibt es drei Möglichkeiten, wie der Autor seine Idee bei einem Verlag unterbringen kann. Entweder er geht auf eine Messe und stellt dort sein Spiel vor, er kontaktiert die Verlage direkt oder der Verlag meldet sich von selbst. „Es geht vor allem darum, herauszufinden, was spielbar ist, oder was wir spielbar machen können. Man ist eigentlich von keinem Spiel sofort überzeugt“, beschreibt Andrea Ahlers, Verkaufsleiterin bei Plan B Games in Bad Cannstatt, die Auswahlphase.

Ist eine Spielidee ausgewählt, geht es an den Feinschliff. Das kleine Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Kanada, eine Redaktion in Hamburg und die Zweigstelle in Bad Cannstatt – dementsprechend muss alles abgestimmt werden. In Gesprächen wird erörtert, was das Thema des Spiels sein soll, welche Regeln es haben wird und wie die Mechanik funktioniert. Sind all diese Fragen geklärt, ist der Teil der Spielentwicklung abgeschlossen und die Produktentwicklung beginnt.

Die Idee wird ausgearbeitet

Dabei geht es nun vor allem darum, wie das Spiel aussehen soll und mit welchen Materialien gearbeitet wird. Ein Illustrator kümmert sich um Design und Layout. Zudem wird geklärt, aus welchen Werkstoffen die Spielfläche, die Figuren und Steine sein sollen. Geklärt werden muss auch, in welche Kategorie das Spiel fällt: abstrakte Spiele, Gesellschaftsspiele, Familienspiele oder Spiele für Kenner. Nach der Einordnung ist die Produktentwicklung abgeschlossen. „Bei diesem ganzen Entwicklungsprozess kann es sein, dass das Spiel am Ende ganz anders aussieht, als die erste Idee“, sagt Ahlers. Hinzu kommt die Bestellung und Fertigung des Spiels. In der Branche ist es üblich, dass man in China, Deutschland oder Osteuropa produziert. Ungefähr zehn Wochen dauert es, bis ein fertiges Spiel nach der Bestellung aus China in Deutschland eintrifft. Eine gute Gelegenheit,um neue Spiele einem breiten Publikum bekannt zu machen, sind Messen. Wie die Nürnberger Spielemesse – die weltweit größte ihrer Art. Diese ist eine reine Händlermesse. Das heißt, es sind keine Endkunden dort, sondern nur zum Beispiel Besitzer von Spielwarenläden oder Onlinehändler. Endkunden können die Spiele dann erstmals in Deutschland auf der Messe Spiel in Essen oder auf der Stuttgarter Spielemesse selbst testen und kaufen.

Andrea Ahlers und ihre zwei Mitarbeiterinnen beginnen jetzt mit der Arbeit. Für sie geht es darum, die Rechte für die Spiele in alle Herren Länder zu verkaufen. Dazu haben sie für jedes Spiel in jedem Land einen eigenen Zwischenhändler, der sich, sobald er die Rechte erworben hat, darum kümmert, dass das Spiel an das jeweilige Land individuell angepasst wird. Das bedeutet vor allem, die Sprache des Regelwerks, des Spielfeldes und der Steine anzupassen. Zusätzlich kümmert sich der Zwischenhändler darum, dass das Spiel in die Spielwarenläden kommt.

40 Länder, 30 Sprachen

Bei Plan B Games heißt das: Die Spiele werden in 40 Länder verkauft und in über 30 Sprachen übersetzt. Die gesamte Spielebranche ist seit Jahren im Aufwind. „Angefangen hat es damals mit dem Spiel ,Die Siedler von Catan’. Dadurch haben die Leute verstanden, dass Brettspiele nicht nur etwas für Kinder sind. Dieser Wandel setzt sich immer weiter durch“, so Ahlers. Letztes Jahr gewann Plan B Games mit dem Abstrakten Spiel „Azul“ den Deutschen Spielepreis. „Danach haben wir 25000 Spiele im Monat mehr verkauft.“ Auch in Frankreich, Portugal, Spanien, Holland und vielen weiteren Ländern ist es Spiel des Jahres geworden. Seit 2017 ist es auf dem Markt und soll dieses Jahr die Millionen-Marke im Verkauf knacken.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: