Foto: Edgar Rehberger - Edgar Rehberger

Anstelle des Steiggemeindehauses an der Altenburger Steige sind vier Wohngebäude entstanden. Die Carports auf der Stützmauer haben für Unmut bei einem Anwohner gesorgt, der sich bei OB Kuhn beschwerte.

Bad Cannstatt Mit dem Slogan „Funktionalität trifft Atmosphäre“ wurde für das Bauprojekt an exponierter Stelle der Altenburger Steige geworben. Wo einst die Steiggemeinde ihr Gemeindehaus hatte, sind jetzt vier Wohngebäude mit insgesamt 26 Wohnungen entstanden. Möglich wurde das Bauvorhaben, weil die Steiggemeinde ihre Standorte reduzierte und zusammenfasste. Das Vorhaben wurde an der Steigkirche realisiert. Im vergangenen Jahr wurde die sanierte und erweiterte Kirchenpiazza bestehend aus fünf Gebäuden eingeweiht. Das Gemeindehaus an der Altenburger Steige wurde verkauft und abgerissen.

Den Zuschlag für die Bebauung erhielt das Unternehmen Oswa Planen und Bauen aus Ingersheim, das sich bei einem geschlossenen Bieterverfahren durchsetzte. Das Konzept mit familienfreundlichem Wohnen in der Stadt habe überzeugt. Ursprünglich waren auf dem 5722 Quadratmeter großen Gelände 22 Doppelhaushälften vorgesehen. Der Bauantrag fand beim Stadtplanungsamt jedoch keine Zustimmung. Der Entwurf wurde überarbeitet und Anfang 2016 genehmigt. Bevor es mit dem Bau der vier Gebäude entlang der Altenburger Steige losgehen konnte, durften im März 2016 die Archäologen an die Arbeit. Und sie machten außergewöhnliche Entdeckungen: die ältesten Spuren stammten aus der Römerzeit, überlagert von einem fränkischen Reihengräberfriedhof aus dem 6. oder 7. Jahrhundert. 25 Skelette und Grabbeilagen wurden entdeckt. Etwa Eisenwaffen, Gefäße, Schnallen aus Bronze und Silber, Frauenschmuck sowie Münzen.

„Die Untere Denkmalbehörde ist uns dankbar, dass wir die Archäologen ausgiebig haben forschen lassen“, beschreibt Osma-Geschäftsführer Marcel Djafari. Bei derart hochkarätigen Funden sei dies kein Thema. Der historische Untergrund gab dem Wohnprojekt auch seinen Namen: „Römergärten“.

Mittlerweile stehen die vier Gebäude und sind bezogen. „Die Außenarbeiten werden wohl im September abgeschlossen sein“, beschreibt Djafari. Auch der Spielplatz zwischen den Carports ist noch vorgesehen. „Sonst erfolgt keine Bauabnahme.“ Denn die Carports sind von Anfang an vorgesehen gewesen. Das bestätigt auch die Stadt. „Bereits der Bauantrag aus dem Jahr 2015 sah die Carports auf der Stützmauer vor“, so Stadtsprecher Martin Thronberens. Eine Tiefgarage sei nicht möglich gewesen. „Es ist im Regelfall auch nicht möglich, einen Bauherrn zur Errichtung einer Tiefgarage zu zwingen.“ Dies gehe nur, wenn das Bauvorhaben im Geltungsbereich eines Bebauungsplanes liegt, in dem oberirdische Stellplätze und Garagen ausgeschlossen seien. „Dies ist an der Altenburger Steige aber nicht der Fall. Die Carports wurden deshalb mit den Wohngebäuden genehmigt.“

Denn ein Anwohner hat sich bei Oberbürgermeister Fritz Kuhn beschwert. Beim Bau der Fahrzeugunterstellplätze sei er aus allen Wolken gefallen. „Die Bauausführung hat mit der ursprünglichen Ausführung überhaupt nichts mehr zu tun.“ An Hässlichkeit nicht mehr zu überbieten, verschandele die Bebauung des oberen Teils der Altenburger Steige diese Gegend. Er spricht sogar von „arglistischer Täuschung“. Er wolle die Antwort von OB Kuhn abwarten und gegebenenfalls rechtlich gegen die Stadt vorgehen. Es könne nicht sein, dass Anwohnern mit groß plakatierter Werbung die „Römergärten“ als eine in die Landschaft passende Wohnanlage präsentiert werde und dann plötzlich grobschlächtige, nicht in die Landschaft passende, alles überschattende Fahrzeugunterstellplätze vordergründig hingestellt würden.

Geschäftsführer Djafari kann die Kritik nicht nachvollziehen. „Die Carports bekommen noch Lamellen aus Holz. Das sieht dann geschlossen aus.“ Und auch an der Betonmauer werde noch etwas passieren. „Die wird noch verschönert und voraussichtlich verklinkert.“ Damit würde ein einheitliches Bild entstehen.

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