Das neue Kirchenzentrum St. Peter wurde vor einem Jahr eingeweiht. Foto: Wiehl (z) - Wiehl (z)

Die katholische Kirche Stuttgart beschließt einen Haushalt in Höhe von fast 72 Millionen Euro. Damit werden auch Projekte in Wangen und Bad Cannstatt finanziert.

NeckarvororteDer Stadtdekanatsrat der Katholischen Kirche hat den Haushalt für 2020 mit einem Volumen von 71,9 Millionen Euro verabschiedet. „Die gute konjunkturelle Situation der vergangenen Jahre hat uns Gestaltungsmöglichkeiten gegeben, die wir überlegt und gut nutzen, um als Kirche in der Stadtgesellschaft Präsenz zu zeigen“, sagt Stadtdekan Christian Hermes in seiner Haushaltsrede. Als eines dieser zukunftsweisenden und in die Stadt ausstrahlenden Projekte nannte er das Spirituelle Zentrum, das am Wochenende eröffnet worden ist. Anlass, sich zurückzulehnen und auf dem Erreichten auszuruhen, sieht der Stadtdekan aber nicht: „Wenn diese Kirche eine Zukunft haben soll, dann müssen wir erhebliche Anstrengungen unternehmen, Mängel abzustellen und uns am Evangelium orientiert neu auszurichten.“

„Wir können froh sein, dass wir in Stuttgart eine starke und solidarische Struktur aufgebaut haben und dass wir uns auf pastorale Ziele und Schwerpunkte verständigen konnten. Beides hat uns ermöglicht, Signale in die Stadt hinein zu setzen“, so Hermes. Als Bespiel nennt er unter anderem den Neubau von Kirche und Gemeindezentrum in St. Peter in Bad Cannstatt. Angesichts der krisenhaften Situation der katholischen Kirche seien klare pastorale und inhaltliche Schwerpunkte vor Ort, verbunden mit einer vorsichtigen und nachhaltigen Haushaltspolitik von größter Bedeutung. Von zentraler Bedeutung aber sei auch vor Ort die konsequente Fortsetzung aller Anstrengungen in der Prävention von Gewalt und Missbrauch.

Im Herbst 2018 habe die MHG-Studie erneut das Ausmaß an sexuellem Missbrauch durch Kleriker offenbart. „Viele Mitglieder unserer Kirche wenden sich mit Grausen ab, und sehr viele, noch einmal deutlich mehr als in den Vorjahren, treten aus“, so Hermes. Für viele Menschen sei das Maß voll, auch was die Machtstrukturen und das Machtgebaren kirchlicher Amtsträger angehe. Gleiches gelte für die Frage nach Geschlechtergerechtigkeit, Beteiligungsrechte, Sexual- und Beziehungsmoral sowie das Finanzgebaren. Umso wichtiger sei es deshalb , vor Ort eine gute Arbeit zu machen und die Präventionsmaßnahmen konsequent im Blick zu behalten. „Wir können allerdings nicht alle Punkte lösen, die unserer Kirche für viele unglaubwürdig machen. Aber wir wollen weiterhin das tun, was wir tun können, um verantwortungsvoll und in Treue zum Evangelium für die Menschen in der Stadt da zu sein.“ Studien und Umfragen belegen: Gute Erfahrungen vor Ort halten die Menschen in der Kirche.

Um die Stuttgarter auch in Zukunft erreichen zu können, hat sich die katholische Kirche in der Landeshauptstadt an vielen Orten auf den Weg gemacht und Neues angestoßen. Derzeit sind rund 20 Standortentwicklungen im Gange, die unterschiedlich weit fortgeschritten sind. Mit dem Zentrum St. Peter zum Beispiel ist ein integratives Projekt in Bad Cannstatt entstanden, bei dem Gottesdienst, Gemeindeleben mit der Kindertagesstätte und einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung verbunden sind. „Jeder kann hier sehen, wie Nächstenliebe und Gemeinschaft aus dem Geist des Evangeliums gelebt werden“, so der Stadtdekan. Mit dem Jugendpastoralen Zentrum YouCh, unter Beteiligung von jungen Menschen und der Gemeinde, entsteht nun das Konzept für eine Jugendkirche in St. Nikolaus im Stuttgarter Osten. An diesem Wochenende hat das Spirituelle Zentrum station s eröffnet, wo Menschen, die auf der Suche nach Stille und Tiefe sind, unterschiedlichste spirituelle Angebote finden. In St. Christophorus in Wangen und in St. Martin in Bad Cannstatt entstehen gemeinsam mit dem Stuttgarter Caritasverband Projekte, die eine gemeindliche und soziale Nutzung verbinden.

In den Blick nehmen wird die katholische Kirche verstärkt auch den Klimaschutz, angestoßen durch die Fridays for Future Bewegung. Stadtdekan Hermes kündigte eine Prüfung der kirchlichen Standorte nach ökologischen Kriterien an. „Wir werden verbindlich auf die Einhaltung ökologischer Standards beim Bau und Betrieb unserer Liegenschaften, aber auch im gemeindlichen Leben, achten.“ uli

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