Der frühere Diakon und Prokurist Rainer Schmidt. Foto: Iris Frey - Iris Frey

Das Projekt für Wohnungswechsel, welches der frühere Diakon Rainer Schmidt anstoßen wollte, ist gescheitert. Unter anderem sieht Schmidt ein Mietpreisproblem.

Bad CannstattDer Rentner, der früher als Diakon und Prokurist tätig war, Rainer Schmidt, hat vor einigen Monaten ein so genanntes Wohnungswechsel-Projekt gestartet. Angesichts der Wohnungsnot in der Landeshauptstadt Stuttgart hatte er sich engagiert und verschiedene Akteure von Stadt und Wohnungswirtschaft zu Runden Tischen eingeladen, um Möglichkeiten herauszufinden, wie den Wohnungssuchenden geholfen werden könnte. Seine Idee war: Senioren, die aus einer größeren Wohnung in eine kleinere ziehen möchten, sollen die Wohnung tauschen können. Dazu sollte eine Tauschbörse eingerichtet werden, bei der die Tauschwilligen sich melden können.

Aufgrund der prekären Notsituation auf dem Markt für bezahlbare Wohnungen hat sich Rainer Schmidt seit dem Frühjahr für dieses Wohnungsprojekt engagiert. Bei zwei Runden Tischen mit namhaften Fachleuten zum Thema Wohnen aus städtischen Ämtern und Stuttgarter Institutionen wurde dieses Thema erörtert. Wir haben darüber berichtet.

Durch weitere Gesprächen mit Bezirksämtern und Baugenossenschaften im Bereich Bad Cannstatt, Mühlhausen und Münster und schließlich mit dem Vorstand des Stadtseniorenrates kam Schmidt jedoch zu der Erkenntnis, dass Senioren, die in einer Mietwohnung mit zu großem Zuschnitt wohnen und gerne in eine Kleinere wechseln würden, letztlich doch von einem Umzug absehen. Diesen Überlegungen liegen mehrere Umstände zugrunde: „Zum einen ist der Wunsch, im Quartier zu wechseln, kaum realisierbar“, so Schmidt. Freunde, jahrelange Nachbarn, Geschäfte und der Hausarzt in der Nähe gingen bei einem Wechsel im Alter verloren und das wegen weniger Jahre, wenn später ein Wechsel ins Betreute Wohnen oder in ein Pflegeheim ansteht.

Außerdem gebe es nur unter der Hand Wohnungen, die kleiner seien und günstiger, so Schmidt. Wenn jemand aus einer älteren Wohnung ausziehe, seien diese Wohnungen günstiger als die neue kleinere, damit werde es schwieriger, den Wechsel zu vollziehen. Die kleineren Wohnungen seien in der Regel teurer, neuer, moderner, mit Aufzug und mit höherem Mietpreis. Es sei eine Frage des Mietpreises. Das habe die Praxis gezeigt. „Gut gemeint, reicht nicht“, sagt Schmidt.

Ein weiterer Aspekt sei, dass Wohnangebote für Senioren inzwischen durch attraktive Entwicklungen, beispielsweise 50plus, mit individuellen Begleitangeboten entwickelt worden seien und damit mehr Wahlmöglichkeiten für das altersgerechte Wohnen bestünden. Nach sechs Monaten zieht Rainer Schmidt nun das Fazit: „Mein zeitliches Engagement und die vielen Gespräche mit interessanten Menschen waren wertvoll. Mein Einblick in den nach wie vor dramatischen Notstand in Bezug auf bezahlbaren Wohnraum hat sich verschärft. Wer die Augen vor diesen Problemen nicht verschließt, kann Menschen unterstützen.“

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