So lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben zu können, wünschen sich viele Senioren. Foto: dpa - dpa

Seit November 2018 bietet die Stadt in Wangen „Präventive Hausbesuche“ bei Senioren an. Grundgedanke ist, ältere Menschen frühzeitig über Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren. Das Angebot soll sukzessive auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet werden.

Wangen Im hohen Alter selbstbestimmt in vertrauter Umgebung leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können, ist der Wunsch aller älteren Menschen. Um Seniorinnen und Senioren in den Oberen Neckarvororten dabei zu unterstützen, offeriert die Landeshauptstadt seit November 2018 ein spezielles Angebot: Bei sogenannten präventiven Hausbesuchen informiert Beate Fack vom Wangener Bürgerservice Leben im Alter des Sozialamtes ältere Menschen über Angebote zur Entlastung im Alltag oder sozialen Teilhabe im Stadtbezirk. Die Hauptintention der „Präventiven Hausbesuche“ besteht in einer frühzeitigen Beratung – also bevor konkreter Handlungsbedarf besteht. Sie könnten dazu beitragen, die Senioren bei ihrem Wunsch nach Teilhabe zu unterstützen und Versorgungslücken im Quartier zu erkennen, heißt es.

Positive Reaktionen

Über den Service rund um das Älterwerden werden Senioren ab 70 Jahren zum Beispiel über das Gratulationsschreiben des Oberbürgermeisters zu einem runden Geburtstag informiert. Und zwar neutral und unverbindlich, wie die Stadtverwaltung betont. Von Anfang November vergangenen Jahres bis Ende Mai dieses Jahres wurden 572 ältere Menschen angeschrieben, berichtet Bürgermeisterin Isabel Fezer in einer Rückschau. „Die ersten persönlichen Rückmeldungen haben gezeigt, dass die Vorgehensweise, Beratungsangebote in den Gratulationsschreiben anzubieten, positiv aufgenommen wird.“ Einige der Jubilare hätten das Angebot eines „Präventiven Hausbesuchs“ angenommen, andere sich telefonisch zurückgemeldet und mitgeteilt, dass sie sich bei Bedarf melden würden, berichtet Fezer in einer Vorlage an den Verwaltungs- und Sozialausschuss des Gemeinderates.

Anders als etwa in Ulm wird in Stuttgart in den Gratulationsbriefen kein fester Termin für einen Hausbesuch vorgegeben, vielmehr können die Jubilare selbst entscheiden, ob und wie sie reagieren wollen. Diese unverbindliche Vorgehensweise macht sich bemerkbar. Fezer stellt nüchtern fest: „Der Rücklauf der Personen, die sich daraufhin aktiv gemeldet haben, ist geringer ausgefallen als erwartet.“ Alles in allem habe man in den ersten sieben Projekt-Monaten 98 Personen erreicht und 84 (Kurz-)Beratungen geleistet.

Der Großteil der kontaktierten Personen kam nach eigenen Angaben mit der bisherigen Wohn- und Lebenssituation bisher gut zurecht. Nur vereinzelt sind laut Fezer Unterstützungs- und Beratungsbedarfe zur finanziellen Situation und zu Hilfen im Alltag benannt worden. Kritisiert wurde von den Senioren ein Mangel an Einkaufsmöglichkeiten, insbesondere für Lebensmittel, sowie an Bankfilialen im näheren Umkreis. Zudem stellen Barrieren im öffentlichen Raum für viele von ihnen belastende Einschränkungen für die persönliche Mobilität dar.

Die Umsetzung der „Präventiven Hausbesuche“ erfolgte zunächst in den Stadtbezirken Wangen und Untertürkheim und wurde in diesem Jahr stufenweise auf die Stadtbezirke Hedelfingen und Obertürkheim (seit Januar) sowie Bad Cannstatt (seit April) ausgedehnt. Alles in allem kam es in den ersten sechs Monaten zu 24 Hausbesuchen, in drei Fällen auch zu einem Folgebesuch, berichtet Fezer. Drei weitere Personen ließen sich in Facks Büro beraten. Um künftig mehr Senioren zu erreichen, will die Verwaltung im größten Stuttgarter Stadtbezirk mit neuer Strategie agieren: Für Bad Cannstatt ist geplant, den angeschriebenen Seniorinnen und Senioren einen konkreten Termin vorzuschlagen. „Damit können Erfahrungen in einem weiteren Stadtteil und mit einem anderen Verfahren hinsichtlich der Akzeptanz gemacht werden“, erläutert Fezer.

Das Angebot der „Präventiven Hausbesuche“ ist aus Sicht der Sozialverwaltung sinnvoll und vielversprechend. Es sei „davon auszugehen, dass das Angebot mit wachsendem Bekanntheitsgrad zunehmend von den Seniorinnen und Senioren angenommen wird“, ist die Bürgermeisterin überzeugt. Langfristig spricht sie sich dafür aus, den Service auf das gesamte Stadtgebiet Stuttgart auszuweiten. Als nächstes kämen aus ihrer Sicht die Stadtbezirke Mühlhausen, Münster und Mitte/Nord infrage – weil es dort laut Statistik eine hohe Anzahl von allein lebenden älteren Menschen und von Senioren mit Migrationshintergrund gibt. Gerade bei Migranten bestehe den Erfahrungen nach ein hoher Beratungsbedarf, stellt Fezer fest. Von 24 Erstbesuchen hätten allein 8 bei Vertretern dieser Zielgruppe stattgefunden.

Kontakt: Bürgerservice Leben im Alter, Beate Fack, Telefonnummer 0711/216-57197, Mail: beate.fack@stuttgart.de

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