Der Bürobedarfshändler Zeile aus Böblingen verkauft an eine größere Firma. Das zeigt wieder einmal: Der Generationswechsel beim Mittelstand findet kaum noch statt. Doch das hat fatale Folgen, meint unser Autor Eddie Langner.
Der bildungsbürgerliche Ausdruck „Homo Faber“ hat im Schwäbischen eine ebenso schlichte wie treffende Übersetzung: Schaffer. Genau so heißen die Menschen, die sich – so wie das Ehepaar Schnürer – mit eigenen Händen etwas aufgebaut haben und dafür in ihrem Leben eine Menge geopfert haben.
Die von ihnen geführte Bürobedarfsfirma Zeile gehört demnächst der Vergangenheit an. Damit verschwindet ein weiteres Traditionsunternehmen von der heimischen Landkarte. Die Unternehmensaufgabe, genauer gesagt, der Unternehmensverkauf, reiht sich in eine Vielzahl weiterer solcher Fälle ein, die alleine in diesem Jahr das Lokalgeschehen geprägt haben – darunter das Aus für Schuh Kurz sowie für das Porzellanhaus Stauss in Böblingen, für die Krone-Bäckerei Binder in Holzgerlingen und die Metzgerei Stürner in Deufringen.
Jüngere Generation will diese Opfer nicht mehr bringen
Die Geschichten dahinter klingen meist sehr ähnlich: Die Elterngeneration hat die Firma jahrzehntelang geführt und dabei auf geregelte Arbeitszeiten, große Gewinne, Urlaub, freie Wochenenden und sonstige Annehmlichkeiten weitgehend verzichtet.
Verständlicherweise hat aber irgendwann auch der fleißigste Schaffer genug. Ebenso verständlich ist, dass die nachkommende Generation oft nicht mehr bereit ist, dieselben Opfer zu bringen. Allerdings ist dies eine Entwicklung mit fatalen Folgen für uns alle – weswegen wir uns genau überlegen sollten, wo wir künftig lieber unser Geld liegen lassen – beim Online-Riesen oder dem kleinen Einzelhändler vor unserer Haustüre.