Kunsthöfle-Vorsitzender Helge Bathelt und die Ehrenvorsitzende Irene Schmid vor einem der polykonen Werke Willy Wiedmanns. Foto: Schütze Quelle: Unbekannt

(if) - Das Kunsthöfle ist 80 Jahre alt geworden. Anlässlich dieses Jubiläums zeigt die Galerie Kunsthöfle im Rahmen einer Sonderausstellungen nun Arbeiten von drei Künstlern, die die Galerie mitgegründet haben, respektive sie über Jahre und Jahrzehnte geleitet haben. Die Gründer waren Hermann Metzger (1896 bis 1971), Hermann Geiger (1904 bis 1989) und Willy Wiedmann (1929 bis 2013). Die Sonderausstellung zeigt das künstlerische Wirken der drei Galeristen. Sie wird am 23. September um 18.30 Uhr im Amtsgericht, Badstraße 23, eröffnet und trägt den Titel „Gründungsväter - Metzger, Geiger, Wiedmann“.

Der erste Galerieleiter war von 1936 bis 1971 Hermann Metzger. Der Cannstatter hatte an der Stuttgarter Kunstakademie studiert und 1934 beim Abschluss den 1. Preis für sein Gemälde „Weinlese“ erhalten. Als Soldat geriet er in eine dreijährige russische Kriegsgefangenschaft. In der jungen Bundesrepublik arbeitete er als freischaffender Künstler. Exkursionen führten ihn nach Frankreich und Italien. 1961 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Etliche seiner Motive zeigten Bad Cannstatter Szenerien, und seine Stillleben in der Auffassung einer gegenständlichen klassischen Moderne erfreuten sich großer Beliebtheit. In der Brückenstraße hatte Metzger zudem eine Galerie, die er über viele Jahre leitete und die sein Sohn fortführte. Hier waren dann immer noch Bilder seines Vaters und anderer lokaler Künstler zu sehen. Metzger hat viele Cannstatt-Motive gemalt. Seine Werke zeigen nicht nur einen detaillierten Blick auf die Heimat, auch die Verbundenheit zum Ort. Er wurde auch als der „malende Chronist Cannstatts“ bezeichnet. Seine Bilder wurden immer wieder gezeigt, zuletzt in einer größeren Ausstellung vor ein paar Jahren beim Evangelischen Verein in einer umfassenden Retrospektive.

Hermann Geiger, elf Jahre Galerieleiter von 1971 an, hat in Stuttgart studiert und freischaffend in Bad Cannstatt gelebt. Seine Kunst wandelte sich vom Naturalismus zum Impressionismus und Expressionismus. Ausstellungen im süddeutschen Raum, aber auch in den USA, führten zu öffentlichen und privaten Ankäufen. 1984 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. In seinem Spätwerk soll er sich Experten zufolge zu einer ebenso eigenwilligen wie unabhängigen malerischen und zeichnerischen Thematisierung des menschlichen Mit- und Nebeneinanders entwickelt haben.

Willy Wiedmann hat ein vielfältiges Werk geschaffen. Im Amtsgericht sind seine polykonen Werke zu sehen. Im vergangenen Jahr ist seine Galerie wiederbelebt worden, auch in Verbindung mit der Initiative Kulturnetz Bad Cannstatt. Die Galerie Wiedmann öffnet in der Tuchmachergasse 6 nach dem Umbau einen Teil ihrer Räume begleitend zur Ausstellung im Amtsgericht ab 24. September (10 bis 16 Uhr). Dort sind weitere polykone Werke auf Papier und Leinwand zu sehen. Wiedmanns Bibelwerk ist 2015 besonders zu Tage getreten, das auch in gedruckter Form veröffentlicht wird. Im nächsten Jahr wird das Gesamtwerk mit der Deutschen Bibelgesellschaft in zwei Bänden herausgegeben und damit Wiedmanns Traum erfüllt, alle seine Bibelbilder und Texte in gedruckter Form für die Öffentlichkeit. Denn das Hauptwerk des Malers, Kirchenmalers, Bildhauers, Musikers, Komponisten und Schriftstellers ist die Wiedmann-Bibel, an der er 16 Jahre lang gearbeitet hat. Entstanden ist ein 3333 Seiten starkes und 1666 km langes Leporello, die längste Bibel der Welt, die erstmals beim Deutschen Evangelischen Kirchentag im vergangenen Jahr der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Mit der sogenannten „Polykonmalerei“ schuf er einen eigenen Stil. Für seinen Einsatz in der Kunst und Kultur erhielt er im Jahr 2002 das Bundesverdienstkreuz. Im Amtsgericht sind nun seine polykonen Werke zu sehen. Willy Wiedmann leitete die Galerie Kunsthöfle von 1983 bis 1985, bevor er sie in die Hände von Irene Schmid übergab, die Ehrenvorsitzende des Vereins ist. Seit 2010 ist Helge Bathelt der Vorsitzende des Vereins. Die Vernissage am 23. September wird musikalisch umrahmt vom Salsa Duo, Thomas Ott und Jürgen Häussler.

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