Diese Aufkleber sorgten für Unmut in Freiberg und Mönchfeld. Foto: privat

Geschockt durch ausländerfeindliche Aufkleber und Schmierereien in Freiberg und Mönchfeld wollen zwei Frauen eine Kundgebung organisieren und informieren, was gegen Rassismus getan werden kann.

Freiberg/Mönchfeld - Der Schreck saß tief. Auf dem Weg zur Kita entdeckten zwei Mütter Aufkleber an Lichtmasten. „Mohrenköpfe sind in Deutschland leider verboten“ und „Kein Steuergeld für Wirtschaftsflüchtlinge“ war zu lesen. Nicht nur einer dieser Kleber fand sich in der Hechtstraße zwischen Freiberg und Mönchfeld. „Wir waren sprachlos“, beschreibt Graziella W. (Name geändert). Die beiden Frauen haben die Kleber entfernt und die Polizei eingeschaltet. „Es war nicht das erste Mal, dass rassistische Äußerungen hier auftauchen.“

Im Jahr 2019 wurden zahlreiche Beleidigungen, die an Wände geschrieben waren, in einer Aktion von der Stadt entfernt, die Wände gereinigt. „Doch schon zwei Tage später tauchten auf Stromkästen neue Schmierereien auf.“ Auch auf Bänken finden sich inzwischen Sprüche. „Islam tötet!“ steht an einer Wand, „White lives matter“ und „Liberate Germany“ ist auf eine Bank gemalt.

Anzeige erstattet

Als die beiden Frauen die Aufkleber entfernten, wurden sie von einem Mann per Handy gefilmt, der mit seinem Hund unterwegs war. Die Frauen riefen die Polizei und wollten Anzeige wegen Rassismus erstatten. Ein Streifenwagen rückte an, die Beamten ließen sich alles erklären. „Doch sie zeigten wenig Interesse an den Aufklebern“, fiel den Frauen auf. „Sie wollten uns auch nicht zu den Stellen begleiten.“ Stattdessen mussten sie „merkwürdige“ Fragen beantworten. „Sie wollten wissen, ob wir verheiratet seien, wo wir geboren sind und welchen Beruf wir ausüben“. Die Frauen fühlten sich nicht ernst genommen. „Die Anzeige wurde aufgenommen und an den Staatsschutz weitergeleitet“, beruhigt Polizeisprecher Stephan Widmann. „Dort werde jetzt geprüft, ob es sich um eine Straftat oder freie Meinungsäußerung handelt.“

Ansprechpartner und Unterstützer gefunden

Die Frauen wollen mehr tun und eine Kundgebung oder kleine Demonstration gegen Rassismus auf die Beine stellen. Sie haben Kontakt mit der Antidiskriminierungsstelle im Sozialministerium, dem Bündnis gegen Rassismus, „Mobil gegen rechts“ und der Black Community Foundation Stuttgart aufgenommen. „Wir wollen wissen, was wir vor Ort tun können, wie auf solche Vorfälle zu reagieren ist und die Informationen dann auch weitergeben.“ Auch zu islamischen Gruppierungen und Vereinen wird Kontakt gesucht, um gemeinsam Stellung gegen rechts zu beziehen. Denn auch diese Personengruppe sei durch die Aufkleber angegangen worden.

Kundgebung im März geplant

„Wir stehen in regem Austausch mit der Antidiskriminierungsstelle“, berichtet Graziella W., „und haben auch schon Unterstützer gefunden.“ Erste Treffen sind anberaumt, um zu klären, wer was übernehmen kann. Gedacht ist an eine Kundgebung im März oder an eine Informationsveranstaltung zum Thema Rassismus vor Ort. Je nachdem, was die Coronabedingungen zulassen. Die zwei Frauen haben herausgefunden, wo der Mann, der sie mit dem Handy gefilmt hat und die Aufkleber angebracht hat, wohnt. „Er ist wohl polizeibekannt und im Haus von den Mitbewohnern wegen seines Verhaltens und seinen Aktivitäten gefürchtet.“

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