Der Stuttgarter Flughafen ist trotz Hauptreisesaison unheimlich leer. Foto: Lichtgut/Hendrik Piechowski

Der Stuttgarter Flughafen ist leer. Nur sehr wenige Reisende und etwas mehr Mitarbeiter laufen durch die Terminals. Doch eigentlich ist momentan Hauptreisezeit. Was sich ergibt, ist ein sonderbares Bild.

Stuttgart - Die Pfingstferien stehen an und mit ihnen startet traditionell eine Hauptreisesaison am Stuttgarter Flughafen. Normalerweise. Denn wer am Freitagmorgen um halb 9 Uhr mit der S-Bahnlinie drei zur Haltestation Flughafen/Messe gefahren ist, hat beobachten können, wie von Station zu Station die Wagen leerer werden. An der Endhaltestelle angekommen, steigt nur eine Handvoll Menschen aus. Eine Frau, die auch die Bahn verlässt, gibt an, dass sie beim Flughafen arbeitet. Sie sei bereits oft mit der Linie gefahren. „Sonst ist es um diese Zeit schon proppenvoll gewesen.“

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Im Flughafengebäude präsentiert sich die Leere in ihrem vollen Ausmaß. Hier und da tröpfeln zwar Reisende in das Terminal drei, die Anzahl der herumlaufenden Mitarbeiter überwiegt aber deutlich. Abgesehen von Terminal drei sind alle anderen Eingangsbereiche geschlossen. Vorne, auf einer Bank neben der Einlasskontrolle, sitzt John Hinkel zusammen mit seiner Familie. Sie warten auf ihren Flug über Amsterdam in die USA.

„Für uns geht es vollständig zurück nach Virginia“, sagt der 52-Jährige. Sein Job in der Armee sei fertig, nun gehe es zurück ins Heimatland. Den Flug plante die Familie schon vor längerer Zeit. Verschoben wurde er nicht. „Als das Ganze mit dem Virus angefangen hat, waren wir schon einmal am Flughafen, um meine Schwiegermutter zu begleiten“, erzählt Hinkel. Da sei das Terminal eins menschenleer gewesen. „Wie in einer Apokalypse. Eigentlich erwartet man ja viele Menschen am Flughafen.“

Mitarbeiter des Flughafens als beste Kunden

Auf viele Menschen hoffen normalerweise auch die Betreiber der zahlreichen Läden im Flughafengebäude. „Das ist eine schwierige Situation. Die Geschäfte sind ja abhängig von der Flugfrequenz“, sagt Marlene Kerschbaumer, Mitarbeiterin des Modegeschäfts Hallhuber im Terminal drei. „Wenige Flüge bedeuten wenige Kunden.“ Wo am Freitag vor den Pfingstferien im vergangenen Jahr bis zu 50.000 an- und abfliegende Passagiere in den Terminals erwartet wurden, sind an diesem Freitag gerade einmal vier Maschinen abgeflogen und drei angekommen. Abgeflogen sind Flugzeuge nach Amsterdam, Berlin und zwei nach Hamburg; gelandet sind Maschinen aus Amsterdam, Berlin und Hamburg. Am Samstag gibt es zwei Fluglinien: nach Amsterdam und in das kroatische Split.

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Viele der Geschäfte im Flughafengebäude haben deshalb noch geschlossen, hoffen aber auf die kommenden Wochen. Florian Jäger, Inhaber des dortigen Edekas, gibt einen Ausblick. „Wir freuen uns ein bisschen auf die nächste Woche“, sagt er. Statt 80 Flugzeugen am Tag wie zu normalen Zeiten, würden dann zwar immer noch nur etwa acht Maschinen kommen. Das sei aber weitaus besser als das, was in den vergangenen Wochen los war. Der Edeka war einer der wenigen Läden im Flughafen, die über die ganze Zeit der Pandemie geöffnet hatten. Die meisten Kunden: Mitarbeiter des Flughafens.

Flaute im Auto- und Fahrgeschäft

Ebenfalls ständig besetzt waren die Stände zur Autovermittlung. „Wir hatten für die Leute geöffnet, die von der Bundesregierung aus den Urlaubsgebieten zurückgebracht wurden“, gibt ein Mitarbeiter an. Dabei sei aber nur etwa 15 Prozent des normalen Geschäfts herumgekommen. Seit ein paar Tagen spüre man, dass es wieder bergauf geht. „Jetzt sind wir bei etwa 20 Prozent des üblichen Geschäfts“, sagt der Mitarbeiter und kann sich ob der unglaublichen Steigerung ein Schmunzeln nicht verkneifen. Und es ist tatsächlich eine surreale, fast komische Situation in dem Flughafengebäude, eben weil sie so außerordentlich ungewöhnlich ist.

„Es ist alles tote Hose hier“, trifft es Taxifahrer Mehmet auf den Punkt. Er steht vor dem Flughafengebäude und wartet auf Kundschaft. „Wir schauen immer, wann eine Maschine erwartet wird, und kommen dann her“, erzählt er. Der 62-Jährige fährt seit mehr als 20 Jahren Taxi und habe „so etwas noch nie erlebt“. Seine Hauptkunden? Manche Urlauber, vor allem aus Amerika oder Geschäftsleute, zum Beispiel aus Berlin, sagt Mehmet. Auch heute warte er auf ein Flugzeug, das ihm erhoffte Kundschaft bringt. „Mal schauen, sonst gehe ich nachher in die Stadt“, sagt er und zuckt mit den Schultern. Ein Stück weit Ratlosigkeit.

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