Auch für Kinder gilt derzeit die Regel: Im Freien dürfen sich nur Mitglieder aus maximal zwei Haushalten treffen. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

In Berlin und Niedersachsen gilt die Zwei-Haushalte-Regel für Kinder unter zwölf Jahren nicht. Ähnliches fordern einige Politiker und Eltern nun auch für Baden-Württemberg.

Stuttgart - Während sie morgens alle zusammen in einer Klasse sitzen, dürfen sich nachmittags dieselben Kinder nur aus zwei Haushalten zum Spielen treffen. Es sind scheinbar widersprüchliche Regelungen wie diese, die die baden-württembergische Landtags-FDP im Blick hat, wenn sie fordert, die aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen für Kinder unter zwölf Jahren zu prüfen und die Corona-Verordnung dahingehend nachzubessern. Vor allem Freizeit- und Amateursport will die Oppositionspartei für Kinder und Jugendliche wieder möglich machen. Das sagte der sozialpolitische Sprecher Jochen Haußmann unserer Zeitung. Einen entsprechenden Entschließungsantrag hat die Partei im Landtag bereits gestellt.

Die Partei greift damit eine Forderung der Elterninitiative Familien in der Krise auf (FidK), die in einem Brief an alle Landtagsabgeordneten gefordert hatte, bei den Kontaktbeschränkungen zwischen Kindern unter zwölf Jahren und Jugendlichen sowie Erwachsenen zu differenzieren. Als mögliche Vorbilder nennt die FidK-Landesgruppe die Landesverordnungen in Berlin und Niedersachsen. So sind in der Bundeshauptstadt Kinder bis 12 Jahre von der Zwei-Haushalte-Regelung für den öffentlichen Raum ausgenommen, wenn sie in eine gemeinsame Betreuungs- und Unterrichtsgruppe gehen. Auch Sporttraining ist für diese Altersgruppe in festen Gruppen bis zu zehn Personen an der frischen Luft möglich.

In Niedersachsen werden Kinder nicht gezählt

In Niedersachsen werden Kinder unter 12 Jahren beim Kontaktverbot für die Höchstmenge von zehn Personen nicht als Person gezählt und dürfen auch aus mehr als zwei Haushalten kommen.

„Ich halte dies für ein berechtigtes Anliegen, weshalb ich den Sozialminister um Prüfung gebeten habe“, so Haußmann, der das Thema auch in der Landtagsdebatte an diesem Donnerstag ansprechen will. Dort soll es um das Krisenmanagement von Minister Manfred Lucha (Grüne) gehen.

Auch die SPD plädiert dafür, Angebote für Kinder von Sport- oder Musikvereinen bei einer Besserung der Infektionslage schnellstmöglich wieder zu öffnen. „Wenn es die nächste Lagebeurteilung durch Bund und Länder zulässt, auch schon vor Ende November“, sagte der familienpolitische Sprecher Andreas Kenner unserer Zeitung. Die Öffnung für Angebote im Freien sei dabei ein denkbarer Zwischenschritt. Allerdings weißt Kenner darauf hin, dass die Einhaltung von Hygieneregeln in der Schule oder Kita einfacher sei als beim freien Spielen der Kinder am Nachmittag oder Wochenende. „Trotzdem muss auch hier das Ziel sein, dass Kinder hinsichtlich der zugelassenen Gruppenkonstellationen zuerst von den Verbesserungen der Infektionslage profitieren“, so Kenner. Ab Dezember müssten die derzeitigen Regeln für Kinder „gesondert von der Lage der Erwachsenen diskutiert und entschieden werden“.

Familien radikalisieren sich

FidK-Sprecherin Zarah Abendschön-Sawall betont, dass es nicht darum gehe, die Kontaktbeschränkungen generell in Frage zu stellen, aber es müsse differenziert werden, zwischen kleinen Kindern, die nachweislich ein geringes Risiko hätten, schwer zu erkranken und nach Stand der Wissenschaft auch keine Treiber der Infektion seien, und dem Rest. „Wir müssen für Familien Regelungen finden, die auch gut umsetzbar sind. Wir beobachten, dass sich Familien sonst in ihrer Einstellung teilweise radikalisieren und an gar keine Regeln mehr halten. Das macht uns Sorgen“, so Abendschön-Sawall.

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