Die aktuelle Rektorin Damaris Scholler (links) und ihre Vorgängerin Renate Schlüter, die mit großem Engagement den Stein der Gemeinschaftsschule ins Rollen gebracht hat. Foto: Edgar Rehberger - Edgar Rehberger

Die Elise-von-König-Schule in Münster war die erste Gemeinschaftsschule in Stuttgart. Jetzt verlassen die ersten 24 Absolventen die Schule mit dem Realschulabschluss.

Münster Der Weg war steinig und nicht unumstritten, doch die damalige Rektorin der Elise-von-König-Schule, Renate Schlüter Feuer und Flamme für die Gemeinschaftsschule. Ihr Engagement steckte alle an, die Gesamtlehrerkonferenz beschloss im Frühjahr 2011 den Weg einzuschlagen. 2013 startete die Elise-von-König-Schule als erste Gemeinschaftsschule in Stuttgart. Jetzt verlassen 24 Schülerinnen und Schüler als erste Absolventen die Gemeinschaftsschule mit dem Realschulabschluss. Der Notendurchschnitt beträgt 2,2, neun Zehntklässler haben einen Schnitt besser als 2,0, drei haben mit 1,5 abgeschlossen. „Einige davon werden an berufliche Gymnasien wechseln“, berichtet Damaris Scholler, die im Februar 2016 die Schulleitung übernahm. Sie sei unheimlich stolz auf die Schule und bedankte sich bei der Wegbereiterin Renate Schlüter und dem damaligen Konrektor Mike Emeling, die „den Stein Gemeinschaftsschule ins Rollen gebracht haben und der jetzt zum Juwel geworden ist“.

Das wurde gestern im Bürgersaal entsprechend gefeiert. Die SchülerInnenband unter der Leitung von Heinz Böttcher spielte auf, ein Stück aus dem selbst verfassten Tanzmusical „Schau nicht weg“ wurde ebenso gezeigt wie der Film „Elise ist 5“ und das Musikvideo der Klasse 10. Reden durften auch nicht fehlen. Ministerialdirigent Vittorio Lazaridis vertrat Kultusministerin Susanne Eisenmann. Inzwischen gebe es 306 Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg, die „zu einem vielfältigen Bildungsangebot im Land beitragen“. Es sei ein lebendiger Lernort, der Räume eröffne, die „mit Neugier und Fleiß Freude am Lernen vermitteln“. Engagement und Verantwortung seien wichtige Bausteine in der Gemeinschaftsschule. Es sei die jüngste Schulart in Baden-Württemberg. „Diese zu etablieren, geht aber nicht auf Knopfdruck.“

Statt Noten gibt es ab Klasse 5 interdisziplinären Werkstattunterricht, Workshops in der Fremdsprache, Lerntagebücher, Lernbüros und selbstständiges, individuelles und freiwilliges Lernen. „Über die Jahre wurde vieles geändert, verbessert, verworfen, neu gedacht und angepasst“, berichten Scholler und Konrektorin Katja Ibrahim. „Unsere Schule ist eine Schulform in Bewegung und wir wachsen an der Herausforderung.“

Eine bauliche Erweiterung ist geplant, das Raumprogramm erstellt. „Das Vorhaben ist förderfähig“, so Lazaridis. Schulbürgermeisterin Isabel Fezer nahm den Ball auf. „Der Antrag ist in Vorbereitung.“ Laufe alles optimal, soll der Neubau im ersten Halbjahr 2022 fertig sein, dann gehe es an die Umstrukturierung des Bestandsgebäudes. Ein wichtiges Thema sei auch die Sekundarstufe II. Denn an einer Gemeinschaftsschule soll auch das Abitur möglich sein. Dies könne nicht an jeder einzelnen Gemeinschaftsschule ermöglicht werden. Tief beeindruckt war Fezer von der Kollegialität unter den Schulleitern der acht Gemeinschaftsschulen in Stuttgart. Sie ziehen an einem Strang und sind bereit, ihre Absolventen nach Klasse 10 an eine ausgewählte Schule in Stuttgart zu schicken, die Sekundarstufe II anbietet. Die Schulbürgermeisterin ist froh, dass sich die Elise-von-König-Schule auf den Weg zur Gemeinschaftsschule gemacht hat. „Die Schule ist ein gutes Beispiel, das zeigt, dass es funktioniert.“ Es sei die richtige Schulform für viele Schüler. Sie tue mehr für die Inklusion und sei sehr engagiert bei der Integration. „Ich ziehe den Hut.“ Passend zum Jubiläum erhielt die Schule gestern auch die Urkunde „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“.

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