Gedenken an die Fotografin Gerda Taro am Gerda-Taro-Platz Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V. und Die AnStifter haben zum Gerda-Taro-Platz geladen, um den 110. Geburtstag der Kriegsfotografie-Pionierin und Kämpferin gegen den Faschismus mit der Matinee „Blumen für Gerda“ zu feiern.

Stuttgart - „Heiraten? Was denkt sich der verdammte Mistkerl!“ Mit Verve lehnte Gerda Taro den Heiratsantrag von Robert Capa ab. So beschreibt es Mesut Bayraktar in seinem Theaterstück „Die Lerche von Brunete – Die Verwandlung der Gerta Pohorylle in Gerda Taro“, das 2021 am Theater Tri-Bühne uraufgeführt werden soll. Natascha Kuch verkörpert die jüdischen Fotografin, die am 1. August 1910 in Stuttgart geboren wurde und deren Aufnahmen des Spanischen Bürgerkriegs mit jenen des ungarisch-amerikanischen Fotografen Robert Capa die Kriegsfotografie sowie die Sicht auf Krieg verändern sollten.

Natascha Kuch hat die Szene, in der Taro sich über Capas Heiratspläne ärgert, weil es doch in einer gewalttätigen Welt zu handeln gelte, am Gerda-Taro-Platz zitiert. Zur Matinee „Blumen für Gerda“ hatten die Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e.V. und Die AnStifter e.V. anlässlich Taros 110. Geburtstags eingeladen: Alle sollten dort Blüten ablegen. Vor den neun Stelen sammelten sich Rosen, Lilien, Sonnenblumen und mehr, während geredet und gesungen wurde – Hörmal Vokal intonierten etwa John Lennon und Mercedes Sosa.

„Was der Krieg mit den Menschen macht“

Wie außergewöhnlich Taro war, deren Eltern von Ostgalizien nach Stuttgart gesiedelt waren, beschrieb die Exilforscherin Irme Schaber. Sie war ursprünglich über eine Notiz von Ernest Hemingway auf Taro gestoßen und recherchiert seit Anfang der 1990er-Jahre. 2013 legte sie eine Taro-Biografie vor. „Sie zeigte erstmals die Menschen im Krieg, was dieser mit ihnen macht. Zeitungsleser wurden zu Augenzeugen.“ So begleitete die engagierte Kämpferin gegen Hitlers und Francos Faschismus die republikanischen Soldaten risikobereit ins Feld. Das kostete sie das Leben: Die erste Kriegsfotografin, die im Kampfgeschehen fotografierte, wurde am 25. Juli 1937 an der Brunete-Front bei Villanueva de la Cañada von einem Panzer überrollt, starb am Tag danach im Lazarett.

„Tausende folgten dem Trauerzug, als Gerda Taro am 1. August 1937 – ihr 27. Geburtstag – auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise beigesetzt wurde“, so Schaber. Auf der Demonstration gegen den Faschismus dabei: Pablo Neruda und Louis Aragon, Alberto Giacometti schuf das Grabmal.

Von der Leidenschaft und dem Mut der Pionierin sowie Schabers Verdienst, sie wiederentdeckt zu haben, schwärmte die Kulturwissenschaftlerin Christel Köhle-Hezinger. „Taro hat ihre jüdischen Wurzeln verborgen, leider“, berichtete sie. „Frau, Jüdin und Kommunistin“ seien nicht die besten Voraussetzungen, um als Fotojournalistin ins kulturelle Gedächtnis einzugehen.

Das Gedenken jenseits üblicher Ehrentage müsse wach gehalten werden, sagte der frühere StN-Kolumnist Joe Bauer. Taro habe hier gelebt, Kinos und Jazzkonzerte im Württembergischen Kunstverein besucht; und nun säßen nicht weit davon wieder Rechte im Landtag. „Geschichte ist Gegenwart“, sagte Bauer. Auch Veronika Kienzle, die Bezirksvorsteherin von Mitte und OB-Kandidatin der Grünen, appellierte, das Gedenken lebendig zu halten.

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