Inge Zerrweck und Schützling Lorenz noch vor dem Lockdown. Foto: Kinderhelden

Das Projekt Kinderhelden bringt ehrenamtliche Mentoren und Schüler zusammen für Freizeit, Leseförderung und Lernhilfen. Eine Cannstatterin berichtet, wie viel Spaß sie dabei hat mit dem Schützling.

Bad Cannstatt - Seit einigen Jahren ist das Projekt der Kinderhelden auch in Bad Cannstatt und weiteren Neckarorten aktiv. Es vermittelt Ehrenamtliche, die an Schulen Kindern als Lern-, Lese- und Freizeitpaten zur Verfügung stehen. Oft sind es geflüchtete Kinder, die vor allem in der deutschen Sprache gefördert werden sollen.

Eine der Cannstatterinnen, die sich bei dem Projekt engagiert, ist Inge Zerrweck. Die rüstige Seniorin betreut ein achtjähriges Kind an der Martin-Luther-Schule, berichtet Andrea Klein vom Projekt Kinderhelden. Die Ehrenamtliche würde mit strahlenden Augen von dem achtjährigen Lorenz berichten, der sehr höflich und gut erzogen und vernünftig für sein Alter sei. Die beiden, die sich seit einem dreiviertel Jahr kennen, würden sich prächtig verstehen. „Es herrscht innige Verbundenheit“, berichtet Klein. Und Zerrwecks Schützling freue sich über die „beste Kinderheldin, die es gibt“.

Die gemeinnützige Organisation Kinderhelden hilft dort, wo Kinder erschwerte Startbedingungen haben. Sie bringt die Paten mit den Schülern zusammen. So hat die Cannstatterin ihrem Schützling, der syrische Wurzeln hat, den Stadtteil mit Kursaal und Wilhelma gezeigt. Dann machte die Corona-Pandemie weitere geplante persönliche Treffen unmöglich.

So konnten sich die Kinderheldin Zerrweck und ihr Schützling, wie derzeit auch, nur noch telefonisch oder per WhatsApp-Call treffen, derzeit auch. Die Förderung lief digital weiter. Bei Lorenz werde zu Hause kein Deutsch gesprochen und er warte freudig auf die wöchentlichen Anrufe von Zerrweck. Diese berichte, dass sie neben regelmäßigem Lesen, Kettenrätsel und Konzentrationsspiele mache und sich unterhalte, besonders gerne über den VfB. Sie sei VfB-Fan und ihr Schützling würde die Bayern nicht mögen, das verbinde die beiden.

Derzeit bereite sich das Tandem auf die Leseolympiade vor. Lorenz bekommt das Buch „Die Haferhorde“ geschenkt und Zerrweck das dazugehörige E-Book. Am Telefon können sie auch die Lautlesemethode anwenden. Mit ihr könne Lorenz, der keinen Leseförderbedarf habe, seine Leseflüssigkeit und sein Leseverständnis verbessern, erklärt Klein. Inge Zerrweck kommt mit den modernen Medien gut zurecht. Sie sei technisch versiert, schreibe E-Mails, nutze Skype und sei das Lesen auf dem Reader gewohnt. Besonders gerne lese die Mentorin abends in ihrem New York-Reiseführer. Die dazugehörige Reise habe sie, so Klein, von ihrem Sohn zum 80. Geburtstag bekommen.

Nach Angaben von Klein zählt das Kinderhelden-Projekt in Bad Cannstatt, momentan 25 Ehrenamtliche, die Grundschüler an einer der drei Grundschulen betreuen. Dazu kommen weitere 15 Ehrenamtliche, die als „StarkMacher“ Kinder begleiten. Diese Tandems sind an einer der drei Schulen gestartet und die Kinder gehen zwischenzeitlich in Bad Cannstatt auf eine weiterführende Schule. Also sind 40 Ehrenamtliche in Bad Cannstatt bei den Kinderhelden im Einsatz.

Neben Berufstätigen und Rentnern engagieren sich auch viele Studierende bei dem Projekt. „Pädagogische Vorkenntnisse sind nicht nötig. Es genügt die Freude daran, einem Kind Zeit zu schenken und es schulisch und persönlich zu unterstützen. Gerade jetzt ist das besonders wichtig, damit die soziale Schere nicht noch weiter aufklappt,“, sagt Klein. Für Zerrweck sei ihr Engagement eine Befriedigung, die Spaß mache. Trotz der unsicheren Zeiten steht eins fest:. Auch im neuen Jahr bleibt die Verbindung von Zerrweck und Lorenz. Ob digital oder persönlich.

Ausreichend Ideen und Tipps zur digitalen Förderung bekomme die Mentorin von Kinderhelden. Zerrweck sei es wichtig, weiter positiv zu denken und zuversichtlich zu sein, auch in der Corona-Zeit. „Das kann nicht nur Lorenz von ihr lernen, so Klein. Beide schmieden Pläne für den Sommer.“

Wer ein Kind begleiten möchte, kann sich auf www.kinderhelden.info anmelden und per Telefon 34 24 77 0 informieren. In Bad Cannstatt werden Mentoren für die Carl-Benz Schule, Altenburgschule und Martin-Luther-Schule gesucht. An der Wilhelmschule in Untertürkheim wünschen sich fünf Kinder einen Lesehelden.

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