Die Respektlotsen sind seit Anfang August im Inselbad unterwegs, sprechen Badegäste an und werben für mehr Toleranz. Foto: LHS/ Max Kovalenko

15 junge Menschen werben mit einem einzigartigen Projekt für ein faires Miteinander und Toleranz. Die Respektlotsen sprechen im Inselbad Badegäste an und geben Veranstaltungstipps.

Untertürkheim - Sie tragen ein blaues T-Shirt. Auf dem Rücken können die Gesprächspartner deren Funktion lesen: Respektlotsen. Auf Herzhöhe steht ihre Motivation „Respekt geben, Respekt teilen.“ Die Stadt Stuttgart hat etwa 15 junge Stuttgarter im Alter zwischen 18 und 30 Jahren für spezielle Einsätze geschult – wenn das Wetter nicht zu schlecht wird beispielsweise an diesem Wochenende im Untertürkheimer Inselbad. „Im vergangenen Sommer ereignete sich dort ein Vorfall. Rund 50 Badegäste haben sich dabei mit einem 13-Jährigen gegen einen Bademeister solidarisiert, der den Jungen auf ein Fehlverhalten hinwies. Die Polizei musste eingreifen“, erzählt Ayse Özbabacan von der Abteilung Integrationspolitik bei der Landeshauptstadt Stuttgart. Die Mitarbeiter haben sich aber auch in Gesprächen mit Jugendlichen überlegt, wie sie der zunehmenden Respektlosigkeit begegnen könnten. Es war die Geburtsstunde der Respektlotsen. Jugendliche waren bereit, mit Gleichaltrigen ins Gespräch zu kommen, um für ein „faires Miteinander zu werben“, sagt Özbabacan. Das von der Abteilung Integrations und der kommunalen Kriminalprävention entwickelte Gemeinschaftsprojekt fand im Gemeinschaftserlebnis Sport, der Jugendhausgesellschaft, dem Verein Sicheres und Sauberes Stuttgart und den Bäderbetrieben schnell zuverlässige Partner und mehr als ein Dutzend junge Menschen zeigten Interesse an dem Projekt. Die Gruppe ist bunt gemischt. „Wir haben eine angehenden Krankenschwester, es engagieren sich Schülerinnen und Schüler und wir haben auch zwei Stuttgarter, die sich im Verein Deutsche Jugend Russland engagieren in unseren Reihen, die früher selbst in solchen Jugendgruppen unterwegs waren“, sagt Özbabacan. Die Freiwilligen erhielten zunächst Schulungen in Konfliktmanagement und Gesprächsführung. In Rollenspielen lernten die künftigen Lotsen, wie sie mit dem Gegenüber ins Gespräch kommen können, wie sie Grenzen setzen und sich auch verbal verteidigen können.

„Wir wollten eigentlich im Mai mit Beginn der Freibadsaison starten, aber durch Corona und die Schließung der Freibäder hat sich der Projektstart verschoben“, sagt Özbabacan. Durch die Krawallnacht Ende Juni bekam das Thema zusätzliche Brisanz. Im August startete die Truppe nun ihren ersten Einsatz an einem sonnigen Wochenende im Inselbad. Meistens zu zweit gehen die Respektlotsen auf die Badegäste zu und haben auch einen Stand aufgebaut. „Die Resonanz auf die Aktion war sehr erfreulich. Etliche Badegäste besuchten unseren Stand und unsere Lotsen führten auch angeregte Gespräche mit den Badegästen, die sie ansprachen“, sagt Özbabacan.

Dabei wirkt sich das jugendliche Alter positiv aus. Die blau gewandeten Lotsen finden den richtige Ton. Sie sprechen die nicht nur die gleiche Jugendsprache, sondern sie finden auch leicht einen Zugang zu den Badegästen, da sie einen ähnlichen kulturellen Hintergrund besitzen. Der Meinungsaustausch findet auf Augenhöhe statt und oft ernten die Lotsen auch Zustimmung. Drei junge, sportliche Männer, die die Lotsen, in der Nähe vom Sprungturm angesprochen hatten, lehnten auch die Geschehnisse der Krawallnacht ab. „Gewalt gegen Polizeibeamte, Rettungsdienst oder andere Einsatzkräfte geht nicht“, ärgerte sich das Trio. Und als eine Lotsin, einen Fernfahrer aus Großbritannien fragte, der im Inselbad mit seinem Smartphone Fotos von auf der Wiese liegenden Badegästen machte, ob er sein Verhalten richtig finde, war dieser soforteinsichtig und löschte dir Fotos. Er habe sich nichts dabei gedacht, entschuldigte er sich. Ältere Stammgäste bedankten sich für die „längst notwendige Aktion.“

Die Respektlotsen sind nicht nur im Inselbad unterwegs. „Wir werden auch im Tal der Rosen auf dem Killesberg, am Max-Eyth-See oder am Feuersee unterwegs sein. Überall dort, wo sich Menschen gerne treffen und es zu Konflikten kommen könnte“, sagt Özbabacan. Die Lotsen machen auf die Maskenpflicht und Abstandsregel aufmerksam, geben Veranstaltungstipps und werben für mehr Respekt untereinander.

Das Referat Soziales und gesellschaftliche Integration sucht weiterhin interessierte junge Menschen, die Respektlotsen werden wollen. Sie erhalten zehn Euro Aufwandsentschädigung pro Stunde. Infos und Anmeldung unter Telefon 216 80397 oder kevin.gurka@stuttgart.de.

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