Der neue Mann an der Fußballspitze: Michael Spörer. Foto: Benjamin Schieler - Benjamin Schieler

Der ehemalige Vorsitzende des Bezirkssportgerichts Stuttgart, Michael Spörer, übernimmt das Amt des zurückgetretenen Mario Krkac.

Bad CannstattDer Fußball-Bezirk Stuttgart hat einen neuen Vorsitzenden. Michael Spörer, der bisherige Chef des Bezirkssportgerichts, übernimmt die Aufgabe von Mario Krkac, der Ende 2019 nach nur eineinhalb Jahren im Amt zurückgetreten war. Im Interview spricht der seit Montagabend inthronisierte 62-jährige Spörer über Versäumnisse der jüngeren Vergangenheit und gibt Auskunft darüber, warum ihm vor allem das Thema Gewaltprävention am Herzen liegt.

Herr Spörer, wie beliebt kann man als Vorsitzender des Bezirkssportgerichts bei Spielern und Vereinen sein, die man verurteilt?
(lacht) Ich glaube, wir Sportrichter insgesamt waren nicht ganz unbeliebt. Wir haben den Vereinen immer gesagt: „Ihr könnt uns anrufen und dann reden wir über alles.“ Meinen eigenen Beliebtheitsgrad kann ich nicht beurteilen. Aber man kann nicht alle Wünsche erfüllen. Und man muss respektiert werden. Das ist wichtiger als beliebt zu sein.

Und ein Bezirksvorsitzender muss auch eine Respekts- und Autoritätsperson sein? Oder müssen Sie sich da jetzt umstellen?
Ich bin schon allein vom Typ her nicht Everybody’s Darling. Ich sehe mich eher als Stratege. Du musst als Bezirksvorsitzender führen können. Du brauchst ein funktionierendes Team, dem du die Richtung vorgibst und das du auch wertschätzt.

In der Pressemitteilung des Bezirks werden Sie mit den Worten zitiert: „Wir wollen das Bezirksschiff wieder auf Kurs bringen.“ Waren Sie also vom Kurs abgekommen?
Wir waren nicht mehr berechenbar. Die Vereine, die Staffelleiter, deine ganzen Bezirksmitarbeiter – sie alle erwarten, dass du Entscheidungen mit einer klaren Linie triffst.

Ihr Vorgänger Mario Krkac ist mit großen Zielen angetreten. Sein öffentliches Auftreten wirkte allerdings zuweilen unglücklich. Er hat seinen Abtritt damit begründet, dass er den zeitlichen Aufwand unterschätzt hätte. Das kann Ihnen nicht passieren?
Ich kenne den Aufwand nicht. Deswegen weiß ich nicht, was auf mich zukommt. Aber ich denke, dass der Job zeitlich gut bei mir aufgehoben ist – auch fachlich.

Was sind Ihre ersten Aufgaben und Ziele?
Eine der Aufgaben ist wie erwähnt die Wertschätzung. Wir werden im März das ausgefallene Jahresabschlussessen für unsere Mitarbeiter nachholen. Der zweite Punkt ist die Gewaltprävention, da lege ich Wert darauf. Das kommt aus dem Sportgericht heraus. Wir müssen potenzielle Konfliktspiele herausfiltern, Schiedsrichteransetzungen angucken und die Vereine dafür sensibilisieren, dass sie auf uns zukommen, wenn sie ein Problem haben. Manche Mannschaften treten schon mit einer Grundaggression auf. Dagegen müssen wir vorgehen. Es geht nicht darum, die Welt zu retten. Aber wenn wir nichts tun, machen wir uns mitschuldig. Ansonsten halte ich es wie Manfred Rommel. Der hat mal gesagt: „Ich verspreche nicht zu viel. Dann können die Leute hinterher auch nicht so viel einfordern.“

Die nächste satzungsgemäße Wahl findet 2021 statt. Werden Sie dann antreten?
Der Grundgedanke ist das. Ich will ja nicht nur ein Jahr im Amt bleiben. Voraussetzung ist aber, dass wir im Vorstand harmonisch und konstruktiv zusammenarbeiten.

Werden Sie Ihre Aufgaben als Sportgerichtsvorsitzender vermissen?
Klar. Mir hat das Spaß gemacht. Und es sind relativ wenige Urteile von mir aufgehoben worden. Das festigt deine Position natürlich. Als ich mein letztes Urteil geschrieben habe, war das schon ein komisches Gefühl.

Die Fragen stellte Benjamin Schieler.

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