Thomas Hitzlsperger kennt den VfB Stuttgart schon lange. Foto: dpa - dpa

Thomas Hitzlsperger soll Vorstandsvorsitzender des Fußball-Zweitligisten VfB Stuttgart werden. Noch diese Woche könnte er vorgestellt werden.

StuttgartDas Rennen ist gelaufen: Sportvorstand Thomas Hitzlsperger soll Vorstandsvorsitzender der Fußball AG beim VfB Stuttgart werden. Offenbar überzeugte der 37-Jährige die Aufsichtsräte mit einer klaren Analyse zur derzeitigen Situation des Traditionsclubs. Vor allem aber mit konkreten Vorstellungen zur künftigen Unternehmensstrategie. Hitzlsperger soll noch in dieser Woche vom Aufsichtsrat als neuer Boss präsentiert werden. Ausgestattet offenbar mit einem Dreijahresvertrag. Letzte Details sind wohl noch zu klären.

Aus dem Rennen sind damit Bernhard Heusler, ehemals Präsident des FC Basel, und Robert Schäfer, der bis April dieses Jahres den Bundesligisten Fortuna Düsseldorf als Vorstandschef führte. Er musste nach Streitigkeiten um die Vertragsverlängerung von Trainer Friedhelm Funkel gehen. Offenbar hatte der VfB auch bei Frank Briel, aktuell Geschäftsführer der TSG Hoffenheim, Interesse angemeldet. Ex-VfB-Profi Jürgen Klinsmann zeigte kein Interesse mehr an dem Posten, als der Aufsichtsrat am Prozedere seiner Prüfverfahren festhielt. Alex Wehrle, ehemals in Diensten des VfB, jetzt Geschäftsführer beim 1. FC Köln, wäre eine weitere Option gewesen, er steht beim Wiederaufsteiger aber noch bis 2023 noch unter Vertrag.

Heusler überzeugte zwar durch seine Expertise und sein Auftreten, seine diversen Engagements als Unternehmensberater bei Vereinen und seine Aufsichtsratsmandate in etlichen Firmen in der Schweiz, erschienen den VfB-Kontrolleuren aber als Hemmnis. Der gelernte Jurist berät unter anderem den polnischen Erstligisten Legia Warschau, der unter anderem vom Stuttgarter Investor Quattrex finanziert wird. Die Geschäftsbeziehungen von Quattrex, dem früheren Unternehmen von Wolfgang Dietrich, hatten zuletzt immer wieder zu Irritationen und Kritik rund um den VfB Stuttgart geführt.

Mit Robert Schäfer, ebenfalls Jurist, war sich der VfB nach intensiven Gesprächen und Prüfverfahren im Sommer dieses Jahres einig geworden. Es gab Einzelgespräche der VfB-Aufsichtsräte mit Schäfer, das Kontrollorgan hatte sich einstimmig für dessen Berufung ausgesprochen. Nach den heftigen Querelen um den schließlich zurückgetretenen Vereins-Präsidenten und Aufsichtsratschef der AG Wolfgang Dietrich galt er jedoch bei Teilen der VfB-Fangemeinde als erste Wahl des ehemaligen Club-Chefs. Ein vermeintlicher Malus, der das Kontrollorgan offenbar zum Umdenken bewogen hat.

Fündig wurde es schließlich in den eigenen Reihen. Zwar fehlt dem ehemaligen VfB-Kapitän und Nationalspieler Thomas Hitzlsperger die operative Erfahrung in der Führung eines Unternehmens, das VfB-Kontrollorgan ist dem Vernehmen nach jedoch überzeugt von seiner Auffassungsgabe und Lernbereitschaft, die er in den bisherigen Positionen im Club bewiesen hat.

Hitzlsperger bekam nach dem Bundesligaabstieg 2016 einen Vertrag als sportlicher Berater, Ende 2017 wurde er mit 94,2 Prozent von den Mitgliedern ins Vereinspräsidium gewählt, im Februar 2018 stieg er zum Direktor des Nachwuchsleistungszentrums auf. Im Februar dieses Jahres, nach der Trennung von Michael Reschke, berief ihn der Aufsichtsrat der VfB Fußball AG zum neuen Sportvorstand. In dieser Funktion hatte er im Sommer dieses Jahres den zweiten Bundesliga-Abstieg nach 2016 mit zu verantworten. Mit Hitzlsperger Beförderung würde mit hoher Wahrscheinlichkeit der Aufstieg von Sven Mislintat vom Sportdirektor zum Sportvorstand der Aktiengesellschaft einher gehen. Dass der frühere Talentspäher in Diensten von Borussia Dortmund und Arsenal London dann wieder einen Sportdirektor an seine Seite holt, gilt als sicher.

Der Vorstandsvorsitz der AG mit dem Ankerinvestor Daimler (11,75 Prozent der Anteile für 41,5 Millionen Euro) ist aller Voraussicht nach abgehakt, der VfB sucht aber weiter nach einem Präsidenten. Der in der Öffentlichkeit bisher bekannteste Bewerber ist VfB-Ehrenkapitän Guido Buchwald. Er stellte sich am vergangenen Wochenende dem VfB-Freundeskreis vor. Ebenso wie der Böblinger Unternehmer Claus Vogt, der gemeinsam mit Rainer Adrion, dem früheren U-23-Coach beim VfB, vor die einflussreiche Runde trat. Am 7. November wird der Vereinsbeirat zwei Kandidaten benennen, die sich nach einer Vorstellungstour durch die Fanclubs in der Mitgliederversammlung am 15. Dezember zur Wahl stellen.

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