Am Büfett des Wagenburg-Gymnasiums stimmen die Hygieneabstände. Foto: Lichtgut/Kovalenko

Der Kioskverkauf in Zeiten der Pandemie ist noch nicht an allen Stuttgarter Schulen organisiert. Das bringt Bäckern Einbußen und Organisationsteams an ihre Grenzen.

Stuttgart - Nach den Sommerferien sind die Schließungen von Mensen und Kiosken an Schulen zurückgenommen worden. Die Einbußen seien trotzdem noch spürbar.

Am Wagenburg-Gymnasium zum Beispiel hat ein Küchenteam von Frida, einem Cateringbetrieb des Sozialunternehmens Neue Arbeit, den Kioskbetrieb und den Kantinenbetrieb übernommen. Unter der Anleitung einer fest angestellten Hauswirtschafterin versorgt Frida die hungrigen Schüler. „Wir mussten mit Beginn des Lockdowns schließen, der Verlust wird sich auf eine Summe circa im mittleren fünfstelligen Bereich belaufen“, sagt Martin Tertelmann, der Pressesprecher der Neuen Arbeit.

Ein anderes Beispiel: Am Gottlieb-Daimler-Gymnasium in Bad Cannstatt betreibt der Schulförderverein mit Eltern und einer hauptamtlichen Kraft die Cafeteria und gibt an drei Tagen pro Woche eine warme Mahlzeit aus. „Vor dem Lockdown gingen rund 160 bis 260 Essen über den Tresen, jetzt wird das Angebot sehr zurückhaltend wahrgenommen, und wir verkaufen nur noch 60 bis 70 Essen“, sagt Ulrich Cronmüller, der Vorstand des Fördervereins. „Das bedeutet für uns erhebliche Einnahmeverluste.“

Bäcker stehen in den Startlöchern

An vielen Schulen müssen die Kinder trotz der Freigabe des Kiosk-Verkaufs auf ihre Brezel in der großen Pause verzichten. „Etliche Schulen haben noch kein Konzept für den Pausenverkauf“, sagt der Stuttgarter Bäcker Jürgen Frank. Normalerweise beliefert er fünf Schulen, zurzeit nur die Kaufmännische Schule. „Dort steht unser Personal im Verkaufsraum, es gibt eine Einbahnstraßenregelung, und es dürfen immer nur zwei Personen gleichzeitig am Tresen stehen“, sagt Frank. Eine zweite Schule wolle sich künftig morgens beliefern lassen und eigene Mitarbeiter einsetzen, um die Brezeln und Brötchen einzutüten und auszugeben. An einer dritten Schule haben bisher die Abschlussklassen den Backwarenverkauf zugunsten ihrer Reisekasse organisiert. Dafür sucht man noch eine Ersatzlösung.

Das Personal ist lang im Einsatz

Für Bäcker Frank ist das alles nicht nur eine Frage des Waren-, sondern auch des Personaleinsatzes. „Der Verkauf dauerte früher eine halbe Stunde, jetzt stehen wir schon mal zweieinhalb Stunden da, weil die Schülerströme ja entzerrt werden müssen.“ Er und die Bäckerinnung stünden trotzdem in den Startlöchern, „am besten wäre es, wenn die Schule die Waren am Vortag bestellen würde, wir pro Klasse einen Korb liefern und jemand an der Schule die Verteilung übernimmt.“

Bleibt die Frage offen, wer. Auch Frida von der Neuen Arbeit habe bei gleichem Personaleinsatz weniger Umsatz, aber mehr Arbeit, nicht allein wegen der Desinfektion: „Um den Kontakt mit Bargeld zu vermeiden, bekommen die Essensgäste Getränke- und Essensmarken, die wir mit erheblichem Mehraufwand monatlich mit den Eltern abrechnen müssen“, sagt Martin Tertelmann.

Schulleiterin Petra Wagner vom Wagenburg-Gymnasium bedauert den Umstand, „aber unsere Internet-Leitungen geben einen digitalen Markenverkauf nicht her“. Deshalb würde das Küchenteam Zehner- und Zwanzigerbündel in Umschläge stecken, die dann an die Kinder verteilt würden. Bedauerlich auch, dass aus hygienischen Gründen kein Schulobst mehr verteilt werden könne und auch das Essen für die Sechstklässler ohne Nachmittagsunterricht gestrichen sei. „Ich kann die ja nicht unter die anderen Klassenstufen mischen, da kommen wir einfach an unsere Grenzen“, sagt Schulleiterin Petra Wagner.

Während der Schließung auf Pacht verzichtet

Die Stadt hat bisher ihr Möglichstes getan, um die Belastungen zu minimieren: Mitte Mai hatte der Gemeinderat beschlossen, dass Pächter der Schulkioske und Pausenverkäufe für die Dauer der Corona-bedingten Schulschließungen keine Pacht und Nebenkosten bezahlen müssen. Ferner seien alle Caterer an städtischen Ganztagsgrundschulen und Schülerhäusern von der Stadt mit Ausnahme der Wareneinsatzkosten und des Kurzarbeitergeldes auch während der Zeit der Schulschließung vergütet worden, teilt der Leiter des Schulverwaltungsamts, Andreas Hein, mit.

Gleichwohl räumt er ein: „Es ist – wie übrigens der gesamte Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen – auch für unsere Caterer und das pädagogische Personal eine Herausforderung, das Schulmittagessen unter den besonderen Bedingungen zu gewährleisten.“

So organisiert die Stadt das Mittagessen:

Die Stadt ist als Schulträgerin für die Mittagessensversorgung an zwölf Grundschulen mit Schülerhäusern und an 45 Ganztagsschulen verantwortlich. An allen 57 Standorten sind Caterer für die Zubereitung, die Anlieferung, die Ausgabe der Mahlzeiten, für Reinigung und den Entgelteinzug von Eltern zuständig. Der Essenspreis beträgt 3,50 Euro, Bonuscard-Inhaber essen kostenfrei. Die Differenz zum eigentlichen Gesamtpreis pro Essen stellt der Caterer dem Schulverwaltungsamt in Rechnung.

An städtischen Halbtagsgrundschulen mit Verlässlicher Grundschule ist die Stadt nicht in der Verantwortung, ein warmes Mittagessen bereitzustellen. Meist organisieren Schule und Betreuungskräfte das Mittagessen ohne städtische Subvention.

An weiterführenden Schulen mit Ganztagsschulbetrieb werden ebenfalls Caterer eingesetzt. An den meisten Gymnasien sowie einzelnen anderen weiterführenden Schulen gibt es einen Kochbetrieb in Eigenregie. An Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren sind ausschließlich Caterer eingesetzt.

An beruflichen Schulen kümmern sich Betreiber von Pausenverkäufen, Schulkiosken/Cafeterien um die Verpflegung, pachten, von der Stadt Flächen oder Räume und betreiben den Verkauf eigenwirtschaftlich.