Der Maschinenbauer Gehring in Ostfildern meldete vor einem Jahr Insolvenz an. Foto: Roberto Bulgrin/bulgrin

Insgesamt hat der deutsche Mittelstand die Coronakrise besser überstanden als befürchtet. Doch viele Maschinenbauer und Autozulieferer machten 2020 Verluste.

Frankfurt - Der mittelständische Metall-, Maschinen- und Fahrzeugbau war im Coronajahr 2020 die verlustreichste Branche nach dem Gastgewerbe. Das geht aus einer Analyse der Bilanzen von Firmenkunden der deutschen Sparkassen hervor, die deren Dachverband DSGV am Mittwoch vorstellte. Rund 300 000 Bilanzen von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von maximal 250 Millionen Euro wurden dafür ausgewertet.

13 Prozent der Maschinen- und Fahrzeugbauer schrieben rote Zahlen

Unter den mittelständischen Maschinenbauern und Autozulieferern schlitterten demnach 12,9 Prozent in die roten Zahlen. Im Gastgewerbe erlitten 14 Prozent der untersuchten Mittelständler einen Bilanzverlust. In den übrigen Branchen lag der Anteil der Unternehmen, die 2020 Verlust machten, unter zehn Prozent. Über alle 300 000 untersuchten Unternehmen hinweg lag der Schnitt bei sieben Prozent.

In den meisten Fällen reichten die Kapitalpuffer der betroffenen Betriebe aus, um die Verluste zu kompensieren. Nur bei 0,7 Prozent aller untersuchten Unternehmen überstiegen die Verluste das Eigenkapital. In rund der Hälfte dieser Fälle wurde es durch Nachschüsse aufgestockt, existenzbedrohend waren die Verluste also nur bei 0,35 Prozent aller Unternehmen. Mit einer Pleitewelle rechnet der DSGV deshalb nicht mehr, obwohl die in der Krise ausgesetzte Pflicht zur Anmeldung von Insolvenzen seit Mai wieder greift.

Einige Zulieferer sind bereits insolvent

Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht galt für Unternehmen, deren Schwierigkeiten durch die Coronakrise verursacht wurden. Die Probleme vieler Autozulieferer hängen allerdings auch oder hauptsächlich mit dem Strukturwandel in der Branche zusammen, einige meldeten deshalb trotz des Moratoriums Insolvenz an. Ein Beispiel ist die Gehring Gruppe in Ostfildern, die mittlerweile vom Nürtinger Konkurrenten Nagel übernommen wurde. Ebenfalls im vergangenen Jahr stellte der Zulieferer TQM aus Heilbronn einen Insolvenzantrag.

Ausgestanden sind die Probleme der Branche noch nicht: Erst im Juli schlitterten die bayerischen Autozulieferer A-Kaiser und Fehrer in die Pleite.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: