Veranstaltungen sollen auch weiterhin in der Sängerhalle stattfinden können. Foto: Steegmüller

Seit 2006 war Josefine Vögl Pächterin der Sängerhalle Untertürkheim. Nun hat sie den Vertrag mit der Chorgemeinschaft Untertürkheim zum 31. Juli gekündigt. Im Kultur- und Kongresszentrum sollen trotzdem Veranstaltungen möglich sein – mit Caterern.

Untertürkehim - Die Sängerhalle und die Gastronomen-Familie Vögl waren untrennbar miteinander verbunden: Gisela Vögl hatte das Vereinsheim der Chorgemeinschaft Untertürkheim von 1996 bis 2006 bewirtschaftet, anschließend übernahm ihre Tochter Josefine Vögl das Kultur- und Kongresszentrum. Doch nun wird die langjährige Zusammenarbeit enden: Zum 31. Juli hat Vögl den Pachtvertrag gekündigt.

Und damit hat sie die Chorgemeinschaft, die Eigentümerin der Halle, überrascht. Die genauen Gründe für das Aus sind dem Verein nicht bekannt, räumt Stephanie Eisenhardt, die Geschäftsführerin der Sängerhalle, ein. Vermutlich habe die coronabedingte Zwangspause einen Teil dazu beigetragen – seit Mitte März fanden keinerlei Veranstaltungen mehr in den Räumen statt. „Das Restaurant selbst ist schon seit mehreren Jahren geschlossen und wurde nur bei Bedarf geöffnet“, berichtet Eisenhardt.

Sanierung lässt auf sich warten

Möglicherweise hat aber auch die Hängepartie um die dringend erforderliche Sanierung der Sängerhalle eine Rolle gespielt. Die Rahmenbedingungen für den Betrieb des zum Großteil aus dem Jahr 1905 stammenden Gebäudes sind äußerst schwierig: Heizungsanlage, Elektrik, Boden, Lüftung und Klimaanlage sind in die Jahre gekommen und müssten erneuert werden. Doch der Gemeinderat hat den erhofften Zuschuss in Höhe von 1,9 Millionen Euro nicht im Doppelhaushalt 2020/2021 berücksichtigt. Die Folge: „Die Sanierung der Sängerhalle wird in der aktuellen Situation auf das Allernötigste reduziert“, so Eisenhardt. „Natürlich mussten wir die Prioritäten verschieben.“

Hoffen auf Investitionszuschuss

Standen zu Beginn noch die Heizungsanlage und eine Vollsanierung der Küche im Vordergrund, müsse nun zum Weiterbetrieb die Küchenelektrik saniert und den aktuell geltenden Sicherheitsvorschriften angepasst, in der Küche neue Wand- und Bodenbeläge angebracht und im Saal das Parkett ausgetauscht werden, berichtet die Geschäftsführerin. „Dann wären wir in der Lage, die Küche als Vorbereitungsküche für Caterer herzurichten und im Saal könnten zu den bisherigen Veranstaltungen auch Schulungen stattfinden.“

Als Veranstaltungsort gefragt

Die rund 200 Mitglieder zählende Chorgemeinschaft hat laut Eisenhardt die Hoffnung, dass ein bereits 2017 zugesagter Zuschuss der Stadt über 125 000 Euro für eine neue Kücheneinrichtung umgewidmet werden kann. Sie hofft darauf, die Gemeinderatsfraktionen und die Verwaltung davon überzeugen zu können, 270 000 Euro als außergewöhnlichen Investitionskostenzuschuss zu bewilligen. „Damit die Sängerhalle auch weiterhin die Funktion einer Stadthalle erfüllen kann“, betont Eisenhardt. „Mehr als 40 kulturelle Veranstaltungen und ebenso viele private Veranstaltungen wie Hochzeiten – so viele waren es 2019 – haben sonst keine Stätte mehr.“ Aus eigener Kraft kann die Chorgemeinschaft die finanzielle Belastung kaum stemmen. Noch immer zahlt der Verein Kredite für in den vergangenen Jahren erfolgte Umbau- und Reparaturarbeiten ab. Nun entfällt auch noch die Pachteinnahme und der Verein muss zudem Kosten übernehmen, die der Pächter bislang trug, zum Beispiel Strom für die Halle und Öl für die Heizung.

Weiterhin für Veranstaltungen buchbar

Die Chorgemeinschaft Untertürkheim will zwar einen neuen Pächter suchen. „Allerdings wird dies coronabedingt nahezu unmöglich, da die Branche gerade am Ausbluten ist“, meint Eisenhardt. In der Zwischenzeit, „vermutlich die nächsten drei bis fünf Jahre“, will sie die Sängerhalle nach dem Modell des Kursaales Bad Cannstatt betreiben: Veranstalter buchen die Halle direkt beim Chor, Caterer kümmern sich um den Rest. Bereits ab 1. August wird so verfahren, kündigt die Geschäftsführerin an. „Es werden weiterhin Veranstaltungen in der Sängerhalle stattfinden können, sobald die Kontaktbeschränkungen und das Veranstaltungsverbot zurückgenommen worden sind. Derzeit sind wir auf der Suche nach Caterern, die bei Feierlichkeiten für das leibliche Wohl sorgen.“

Wann wieder Chorproben möglich sein werden, ist übrigens noch offen. „Es gibt inzwischen Hygienekonzepte, die aber in der Umsetzung sehr aufwendig sind“, sagt Eisenhardt. „So ist der Mindestabstand zwischen den Sängern auf drei Meter festgelegt. Alle Einrichtungsgegenstände müssen vor und nach Gebrauch desinfiziert werden, alle 15 Minuten muss gelüftet werden.“ Auch eine Anwesenheitsliste sei Pflicht – samt Notiz, wer neben wem gesessen habe. Und die Stimmen, die gerade Pause hätten, müssten Mundschutz tragen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: