Architektur der fließenden Linien und Felder: das Atrium des Leeza Soho in Peking. Foto: Hufton + Crow, Taschen

Ihre Entwürfe galten lange als unbaubar – dann wurden Zaha Hadid 2004 mit dem Pritzker-Preis die höchsten Architekten-Weihen zuteil. Eine Monografie präsentiert das revolutionäre Gesamtwerk der irakisch-britischen Architektin, die 2016 viel zu früh starb.

Stuttgart - Architekten, die den Raum neu erfinden, sind rar. Genauso rar sind jene, von denen man sagt, ihre Entwürfe seien unbaubar. Zaha Hadid hatte nur eine Handvoll realisierter Bauten vorzuweisen, als sie 2004 den Pritzker-Preis erhielt. Sie war damals die erste Frau, der diese höchsten Baumeister-Weihen zuteil wurden – eine Sensation.Als die irakisch-britische Architektin 2016 mit 65 Jahren an einem Herzinfarkt starb, hatte sie mit Bauten in Europa, China, dem Nahen Osten und den USA ihr Credo fulminant verwirklicht: „In der Architektur ist nichts unmöglich“.

Ihrem Anspruch, neben das Bestehende in der Welt etwas radikal Neues zu setzen, wurde sie schon 1993 bei ihrem ersten gebauten Projekt gerecht: der Vitra-Feuerwehrwache in Weil am Rhein mit ihren geschichteten Wand- und Deckenscheiben und pfeilspitzen Dachauskragungen. Sie sei „ein Planet in seiner eigenen Umlaufbahn“, sagte Rem Koolhaas über seine Studentin.

Wie mit einem flüssigen Medium gefüllte Felder

In den rund vierzig Jahren ihres Schaffens sollte Zaha Hadid mit bahnbrechenden Projekten wie dem Phaeno Science Center in Wolfsburg, dem Port House in Antwerpen, dem Flughafen in Peking, der Serpentine Sackler Gallery in London oder dem Opernhaus im chinesischen Guangzhou nicht weniger als die Prämissen der Architektur verschieben: weg vom Raum hin zu wie mit einem flüssigen Medium gefüllten Feldern.

Philip Jodidios gewichtige, dreisprachige Monografie „Zaha Hadid. Complete Works 1979–Today. 2020 Edition“ (Taschen Verlag, Köln. 672 Seiten, 50 Euro; www.taschen.com) versammelt nun sämtliche „raumerneuernden Explosionen“ der stets wie eine Diva auftretenden Architektin wie auch aktuelle Projekte des Londoner Büros Zaha Hadid Architects, das ihr einstiger Büropartner Patrik Schumacher in ihrem Geist weiterführt.

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