Bruder Christophorus hat sich zu Wort gemeldet. Foto: /Maks Richter (z)

Für den Kabarettisten Christoph Sonntag geht ein turbulentes Jahr zu Ende. Alle gegen ihn eingeleiteten Verfahren wurden von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Zudem diktierte ihm Bruder Christophorus seine Gedanken, die als Buch erschienen sind.

Bad Cannstatt - Es war ein ganz spezielles Jahr für Christoph Sonntag. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelte gegen den Cannstatter Kabarettisten. Es ging um den Verdacht der Untreue sowie des Betrugs zulasten des Sozialministeriums, um Vorteilsgewährung und Besitz von kinderpornografischen Schriften. Alle gegen ihn eingereichten Verfahren wurden von der Staatsanwaltschaft eingestellt (wir berichteten).

„Das waren schon sehr quälende Monate, die einen schier wahnsinnig machen“, fasst Sonntag seine Eindrücke zusammen. „Denn ich wusste ja, dass ich unschuldig bin.“ Die lange Zeit sei wichtig gewesen, da sehr sorgfältig geprüft wurde, um letztlich zum Schluss zu kommen: Die Anschuldigungen treffen nicht zu. „Da bin ich schon sehr dankbar.“ Seine Erleichterung ist spürbar. „Ich kann jetzt mutig nach vorne schauen.“ Denn es ging ja auch um seine Stiphtung. Die musste in dieser Zeit ohne Spenden auskommen. „Jetzt ist wieder klar, dass man sich auf uns verlassen kann, ist der Name reingewaschen.“

Lebensverändernde Sache

Derart befreit konnte sich der Kabarettist auf neue Aufgaben konzentrieren. Denn Bruder Christophorus kam vom Himmel auf ihn zu und diktierte ihm seine Gedanken über die Welt, die jetzt als Buch erschienen sind: „Und sie dreht sich noch – Wie Ihr die Welt retten könnt. Wenn Ihr wollt“. Ein humorvoller Ratgeber für Weltretter. „Ich habe das Buch ja nur niedergeschrieben“, betont Sonntag. „Die Meinung kommt von Bruder Christophorus.“ Ein Buch aus dem Himmel diktiert zu bekommen, sei eine ganz neue, lebensverändernde Sache. Als Ideenempfänger sei er beim Schreiben immer wieder selbst überrascht gewesen.

Eigentlich überkommt ihn Bruder Christophorus einmal im Jahr im Februar zur Fastenpredigt. „Doch jetzt wollte Bruder Christophorus außer der Reihe mit den Menschen kommunizieren und hat mich als Namensvetter und operativen Arm ausgewählt, um alles niederzuschreiben.“ Ausgesucht werde nicht der Klügste, Aufrechteste oder Beste. Sondern einer, der seinen Namen trägt. Alles niederzuschreiben, sagt Sonntag, das sei nicht immer einfach gewesen, denn im Himmel gebe es ja keine Zeit. „So konnte es sein, dass er sich nachts um 3 Uhr meldet oder dann, wenn ich wirklich keine Zeit hatte. Da kannte er keine Gnade.“ Aber es sei ja etwas Schönes dabei rausgekommen. „Die Arbeit hat sich wirklich gelohnt.“

Regeln neu justieren

Besonders aufgefallen sei Sonntag der „radikale Ansatz, ihr müsst nicht, ihr dürft.“ Die Erde sei ein Geschenk, das wir so behandeln können, wie wir es wollen. Wenn wir sie kaputtmachen, sei es kein Problem. „Gott wird nicht sauer, er findet es halt nicht gut.“ Er erinnere die Menschen an die Eigenverantwortung. „Es gibt eine Lösung für alles. Man muss nur den Kopf anstrengen und darf keine Befehle erwarten.“ Der Mensch ist selbst dafür verantwortlich. „Alles, was du tust, hat Konsequenzen.“ Sei dies für einen ok, gehe es weiter. Ist es aber nicht in Ordnung, muss etwas geändert werden. Bruder Christophorus sei freundlich im Ton gewesen, „aber brutal klar in der Meinung“. Ihm sei klar geworden, dass wir ein bisschen ernster an manche Sachen rangehen, aber uns selbst dabei nicht allzu ernst nehmen sollten. „Denn es ist alles nur ein Spiel, in dem wir jetzt die Regeln neu justieren dürfen.“

45 Kapitel von A bis Z

In 45 Kapiteln von A wie Artensterben und Ausbeutung über J wie Journalismus, Q wie Querdenker bis Z wie Zum guten Schluss wird im Buch gezeigt, mal wütend und polternd, mal zum Schmunzeln und Lachen, wie sich durch das Drehen an wenigen Stellschrauben die Welt zum Guten wenden lässt. „Es ist noch nicht zu spät.“

Zu Beginn macht Bruder Christophorus deutlich: „Ihr könnt mehr, als ihr denkt. Ihr könntet Berge versetzen, stattdessen vergrabt ihr Bahnhöfe.“ Der heilige Bruder Christophorus nimmt den Leser kundig, weise und liebevoll an die Hand, erheitert ihn, stößt ihn auf eigene innere Widersprüche und schlägt in aller Freiheit vor, manche Dinge anders und somit besser zu machen. Ohne moralinsaures Gehabe, ohne Druck, ohne Besserwisserei, aber ganz klar und direkt.

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