Der Bebauungsplan zur Fläche neben dem jetzigen Kulissenlager wird neu aufgestellt. Foto: Stuttgart

Auf dem Zuckerfabrik-Areal soll eine Fläche, die der Stadt gehört und seit Längerem brach liegt, bebaut werden. Im Gespräch ist ein Gebäude der Staatstheater. Dazu muss der Bebauungsplan geändert werden.

Bad Cannstatt - Im Gewerbegebiet Zuckerfabrik könnte bald gebaut werden. Die Stadt besitzt ein Grundstück auf dem Gelände neben dem Kulissenlager der Staatstheater, das seit Jahren brach liegt. Es hat in den vergangenen Jahren immer wieder Interessenten gegeben, die Flächen kaufen wollten, um zu bauen – doch passiert ist bisher nichts. Zwar hatten die benachbarten Lessing-Schulen – ehemals BIL-Schulen – sowie der Recyclingpark Interesse bekundet, doch ein konkretes Nutzungskonzept wurde bisher von keinem Grundstücksinteressenten weiterverfolgt. Die Stadt will deshalb die frei stehenden Gewerbeflächen auf eine Nachverdichtung überprüfen. Als künftiger Nutzer kommen für die Verwaltung die Staatstheater in Frage. Im Rahmen der geplanten Opern-Sanierung könnten Teile der Produktions- und Werkstätten auf das Gelände verlegt werden. Für dieses Vorhaben müsse der Bebauungsplan geändert werden, sagte Brigitte Bandze vom Amt für Stadtplanung und Wohnen bei der Vorstellung der Pläne in den Bezirksbeiräten Bad Cannstatt und Münster.

In dem neuen Gebäude könnte eine Schreiner- und Schlosserwerkstatt untergebracht und Bühnenbilder aufgebaut werden. An dieser Stelle kommt der Bebauungsplan ins Spiel: Die Größe der Bühnenbilder und Kulissenelemente erfordert eine Gebäudehöhe von 15 Metern, die bisher in den Plänen so nicht vorgesehen ist.

Gebäudehöhe von 15 Metern

Ob ein neues Kulissenlager inklusive Werkstätten im Gewerbegebiet Zuckerfabrik entstehen wird, hängt jedoch nicht nur vom Bebauungsplan, sondern auch von den Beschlüssen zur Sanierung und Erweiterung der Oper und des Kulissenlagers am Hauptstandort in der Innenstadt, ab.

Recyclingpark plant Gleisanschluss

Von der Änderung des Bebauungsplans betroffen wäre auch der Recyclingpark. Denn dieser plant einen Gleisanschluss und benötigt darüber hinaus eine Logistikfläche, um das Schüttgut im Bereich der Gleise lagern zu können. Dieses wiederum würde sich auf besagtem städtischem Grundstück befinden. Für beide Vorhaben, Kulissenlager und Gleisanschluss, könnten Synergieeffekte aufgrund bereits bestehender Anlagen und Gebäude an einem Standort optimal genutzt werden. Denn vergleichbare Standorte stünden im Stadtgebiet nicht zur Verfügung. Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens sei deshalb zu prüfen, ob und wie die Vorhaben auf der zur Verfügung stehenden Flächen realisiert werden können. „Offen ist auch noch, ob die Flächen verkauft oder verpachtet werden“, so Bandze.

Bezirksbeiräte äußern Kritik

Die Bezirksbeiräte stimmten den Plänen zwar zu, äußerten aber auch Kritik: In Bad Cannstatt bemängelten die Grünen etwa, dass vom ursprünglichen Ziel eines „ökologischen Gewerbegebietes“ mit der ausdrücklichen Aufgabe, das Stadtklima zu verbessern, durch den die Durchlüftung abriegelnden Baukörper des Kulissenlagers, zukünftig auch mit angrenzender Werkstatt, nicht viel übrig bleibe, sagte Fraktionssprecher Peter Mielert. Auch aus Sicht der Freien Wähler muss die Durchlüftung im Bebauungsplan berücksichtigt werden, sagte Gerhard Veyhl. Marcel Schlatterer (SPD) regte an, bei einem Neubau auch für eine Dachbegrünung zu sorgen. Die CDU sei mit den Plänen einverstanden, sagte Christoph Kapteina und wies auf die Wichtigkeit des Gleisanschlusses hin. Kritik beim Gleisanschluss äußerte die FrAktion, da das Fraktionsbündnis nach wie vor gegen den Recyclingpark im Travertinpark sei, sagte Sigfried Deuschle.

Auch in Münster wurde die Frischluftschneise angesprochen. Dies sei noch bei der Änderung des Bebauungsplans 2005 Thema gewesen, erinnerte René Hildebrandt (Freie Wähler). „Das wird nicht kritisch gesehen“, berichtete Stadtplanerin Bandze. Im weiteren Verfahren werde es noch Untersuchungen geben. „Es sind noch viele Fragen zu klären.“ Das sei zu Beginn eines Verfahrens nicht unüblich.

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