Maren Profke (links) und Anna Breitenbach lassen sich während der Frauenwochen mit ihren „Frauen. Bilder. Verrückungen.“ für vier Tage in der Villa Nagel nieder. Foto: Weiß

Im Rahmen der Frauenwochen haben die Lyrikerin Anna Breitenbach und die Zeichnerin Maren Profke ein Programm ausgearbeitet, bei dem sich Worte und Bilder vermischen.

EsslingenSie zogen beim „Stadt der Frauen“-Spektakel Gedichte lesend und Bilder zeichnend mit dem Handwagen durch die Innenstadt: Die Lyrikerin Anna Breitenbach und die Zeichnerin Maren Profke. Mit Wort und Bild wollten die beiden Esslingerinnen deutlich machen: „So sind wir! Das können wir! Das machen wir! Zeigt euch, Frauen!“ Diese Gedanken entwickeln sie nun weiter im Rahmen der Frauenwochen und in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei mit einer viertägigen Veranstaltung mit Ausstellung, Lesung, Konzert und Performance in der Villa Nagel: „Frauen. Bilder. Verrückungen.“

Einst fand die Zeichnerin Maren Profke einige Gedichte der Poetin Anna Breitenbach auf dem Innenstadt-Pflaster, die bei einem Kulturfest vom Dach der WLB abgeworfen wurden, um Poesie in die Stadt zu bringen. Als sich die beiden Künstlerinnen kurz darauf persönlich kennenlernten, entschieden sie schnell, auch mal gemeinsame Sache zu machen, von Anna Breitenbach vorsichtig formuliert: „Wir gucken, ob da zusammen etwas geht.“ Und wie das geht mit den beiden: Dem ersten gemeinschaftlich gestalteten Küchenkalender, mittlerweile in der dritten Auflage und ganz und gar nicht nur für die Küche gedacht, folgte ein zweiter, und für ein Fanzine drehten sie zeichnend und dichtend das Thema „Haus“ durch die Mangel. Mal schickt die Dichterin Gedichte, die die Malerin zu Zeichnungen inspirieren, ein andermal ist es umgekehrt: „Maren zeichnet, und ich gucke: Habe ich ein Gedicht, das dazu passt, oder schreibe ich eines dazu?“, erzählt Anna Breitenbach.

Ganz ohne Oberflächlichkeit

Jede hat ihren ganz speziellen Blick aufs Leben: Anna Breitenbach nimmt die Sprache einfach und wörtlich. Maren Profke zeichnet und malt, ein bisschen unperfekt, kantig und verschroben. Beide haben einen Hang zum Ironischen, Skurrilen, Schrägen und zum subtilen Witz. Beide lieben das Hintergründige und Doppelbödige. Beide können ganz schnell drauflos arbeiten und mit großen Augen staunen, was dabei herauskommt, aber sie können sich auch beide intensiv in künstlerischen Serien an einem Thema abarbeiten. Beiden ist Oberflächlichkeit fremd. Beide können in lichte Höhen hinaufsteigen, aber auch in dunkle Abgründe hinabtauchen. „Immer wieder flackern bei beiden sehr existenzielle Themen auf“, betont Renate Luxemburger von der Stadtbücherei. Ihr ist es ein Anliegen, in der Schau in der Villa Nagel gerade die Zusammenarbeit dieser beiden Künstlerinnen sichtbar zu machen: „Es gibt keinen Moment, wo die eine die andere nur illustriert, das wäre für mich langweilig. Man merkt diese Reibung zwischen den beiden, und dass sie irgendwann auch einen Konsens finden, oder manchmal auch nicht. Die eine gibt der anderen eine neue Tiefe.“

Dabei wollen Breitenbach und Profke die Open-Air-Aktivitäten vom Straßenfest keinesfalls fixieren, auch in der Villa Nagel soll es performativ, lebendig und bewegt zugehen. Maren Profke wird live zeichnen: „Viele meiner Arbeiten sind schnell, direkt und skizzenhaft. Sie leben davon, dass man sich eben nicht so viele Gedanken macht, sondern stark in der Intuition bleibt.“ Anna Breitenbach wird gemeinsam mit dem Publikum die Villa lesend und erzählend erkunden. Zeichnungen werden an den Wänden und von den Decken hängen, Breitenbachs poetische Objekte werden Raum erhalten, und die dynamischen Frauen-Figuren vom Straßenfest werden kurzfristig sesshaft werden. Auf Flyern können Texte und Bilder mit nach Hause genommen werden: „Die sind als Kassiber gedacht, die Frauen stärken und irritieren. Das wollen wir unters Volk bringen, damit es wirken kann“, erläutert Anna Breitenbach.

Die beiden hoffen auf viel Kommunikation mit den Besucherinnen und Besuchern: „Es gibt sie, diese Haltung einiger etablierter Künstler, die sehr empört sind, wenn jemand wagt, sie zu fragen, warum sie etwas genau so gemalt haben. Ich habe aber, gerade bei diesen Frauenbildern, einen sehr starken feministischen Anspruch, den ich gerne erkläre“, sagt Maren Profke, die im Gespräch zu ihren Arbeiten Stellung nehmen wird.

Anna Breitenbach und Maren Profke schätzen und provozieren die direkte Begegnung mit dem Publikum. Sie wollen locken, anregen und verführen – zum Gucken, Zuhören, Mit- und Weiterdenken. Denn auf den ersten Blick und beim ersten Hinhören zeigt sich niemals alles, was in den Worten, Gedichten und Geschichten Anna Breitenbachs und in den Zeichnungen, Formen, Farben und Figuren Maren Profkes verborgen ist.

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