Nawalny war am 20. August auf einem Inlandsflug in Russland bewusstlos geworden und einige Tage später in die Charité gebracht worden. Dort wurde er inzwischen aus seinem künstlichen Koma geweckt. Foto: dpa/Pavel Golovkin

Der Kreml-Kritiker kann laut Charité inzwischen für kurze Zeit sein Krankenhausbett verlassen. Ausländische Labore bestätigen die Nowitschok-Analyse bei dem bekannten Anti-Korruptions-Aktivisten.

Berlin - Der Zustand des in der Berliner Charité behandelten russischen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny hat sich nach Angaben des m Krankenhauses verbessert. Die künstliche Beatmung von Nawalny sei eingestellt worden, der 44-Jährige könne sein Krankenbett für kurze Phasen verlassen, teilte die Charité am Montag mit. Die Bundesregierung hatte zuvor mitgeteilt, dass Speziallabore in Frankreich und Schweden die Nowitschok-Diagnose ihrer deutschen Kollegen bei Nawalny bestätigt hätten.

Nawalny war am 20. August auf einem Inlandsflug in Russland bewusstlos geworden und einige Tage später in die Charité gebracht worden. Dort wurde er inzwischen aus seinem künstlichen Koma geweckt. Ein deutsches Militärlabor stellte fest, dass er mit Nowitschok vergiftet wurde, einem Nervengift, das zu Sowjetzeiten entwickelt und 2018 auch gegen den früheren russischen Spion Sergej Skripal und dessen Tochter in Großbritannien eingesetzt wurde. Die russische Regierung beteuert, nichts mit Nawalnys mutmaßlicher Vergiftung zu tun zu haben und wirft Deutschland vor, Bitten um Zusammenarbeit bei Ermittlungen nicht nachgekommen zu sein.

Bundesregierung in Beratungen mit europäischen Partnern

Auch die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen OPCW sei dabei, Proben testen zu lassen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. Er forderte Russland erneut auf, sich in der Sache zu erklären. Die Bundesregierung berate sich mit Partnern in Europa über das weitere mögliche Vorgehen.

Genaue Angaben zu den Laboren in Frankreich und Schweden machte Seibert nicht. Die Leitung der schwedischen Behörde für Verteidigungsforschung, Asa Scott, teilte der schwedischen Nachrichtenagentur TT mit, die Behörde könne „bestätigen, dass wir die gleichen Ergebnisse wie das deutsche Labor erkennen, das heißt, dass es keinen Zweifel gibt, dass es um diese Substanzen geht“.

Frankreich sei zu den gleichen Schlüssen wie die europäischen Partner bei der mutmaßlichen Vergiftung gekommen, bestätigte der französische Präsident Emmanuel Macron laut einer Mitteilung seines Büros. Russland müsse mit einer Untersuchung eine Klarstellung abliefern. In einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin habe Macron seine „tiefe Sorge wegen des kriminellen Akts“ gegen Nawalny zum Ausdruck gebracht, teilte Macrons Büro mit.

Putin fordert Analysen zu Nawalny

Der Kreml teilte mit, dass Putin bei dem Telefonanruf „die Unangebrachtheit unbegründeter Vorwürfe gegen die russische Seite betont“ habe. Putin habe die Forderung bekräftigt, dass Deutschland die Analysen zu Nawalny und Proben russischen Experten übergebe. Er wolle eine gemeinsame Arbeit von deutschen und russischen Ärzten bei dem Fall.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts, Maria Adebahr, teilte mit, dass Nawalny zwei Tage lang in Russland behandelt worden sei. Russland habe Proben des russischen Anti-Korruptions-Aktivisten, sagte Adebahr. Russische Ärzte eines Krankenhauses in Sibirien, wo Nawalny behandelt worden war, hatten gesagt, dass es keine Beweise für eine Vergiftung gebe.

Die Charité teilte nicht mit, wie die langfristige Prognose für Nawalny aussehe. Ärzte haben gesagt, dass langfristige gesundheitliche Probleme von einer Vergiftung nicht ausgeschlossen werden könnten.

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