Das Beste aus Cannstatt.
Unbegrenzt lesen mit CZ Plus.
Das Beste aus Cannstatt. Mit CZ Plus unbegrenzt Inhalte der Cannstatter Zeitung lesen.

Anzeige

Fachgeschäfte

Untertürkheim: Neue Chance für den Einzelhandel?

Der Leonhard-Schmidt-Platz soll sich verändern und mit einer neuen Fußgängerzone mehr Flair in den Ortskern bringen, auch ein Aldi-Markt mit weiteren Läden und ein Ärztehaus soll entstehen.

Untertürkheim: Neue Chance für den Einzelhandel?

Könnte hier die ersehnte neue Ortsmitte mit Aufenthaltsqualität, Marktgeschehen und Außengastronomie entstehen? Fotos: Jürgen Brand

Der Leonhard-Schmidt-Platz ist so ziemlich das erste, was man sieht, wenn man Untertürkheim per S-Bahn erreicht. Der Platz rund um den Storchenmarkt besitzt viel Potenzial, könnte eine attraktive Pforte für den Stadtbezirk sein. Darum bemüht sich der Industrie-, Handels- und Gewerbeverein (IHGV) Untertürkheim schon lange. Dafür müsste er optisch aufgewertet werden. Darin sind sich die IHGV-Mitglieder einig. 

Nun gibt es neue Planungen der Stadt Stuttgart: Diese sehen vor, den Bereich rund um das ehemalige Postgebäude, die Augsburger Straße und den historischen Bahnhof zu verschönern. Im Zuge dessen soll auch eine neue Fußgängerzone entstehen. Dass sich etwas tut auf dem Leonhard-Schmidt-Platz, begrüßt die Vorsitzende des IHGV, Stefanie Schwarz, zwar. „Aber von einer neuen Fußgängerzone war nie die Rede.“ Untertürkheim fehle eine Ortsmitte, ein Platz mit Aufenthaltsqualität und Wohlfühlatmosphäre. „Für Marktgeschehen, Veranstaltungen, Außengastronomie, Bürgertreffen und öffentliches Leben. Durch eine Umgestaltung des Platzes kann wichtiger Freiraum in dem sonst so eng bebauten Ort geschaffen werden“, hofft Schwarz. „Gemeinsam mit dem Bahnhof und dem Postareal bietet sich ein enormes Potenzial, um unseren Stadtbezirk stark zu verändern und vor allem aufzuwerten.“ Das sei ihre Meinung als Privatperson, aber auch als IHGV-Vorsitzende. Der Leonhard-Schmidt-Platz ist schließlich nicht das einzige Bauprojekt, das Untertürkheim in den nächsten Jahren bevorsteht: Auf dem ehemaligen Postareal soll laut Plänen ein Aldi-Markt mit weiteren Läden und einem Ärztehaus entstehen. Zwar werden diese Pläne nicht so bald umgesetzt. „Mit der Umgestaltung des Postareals steht Untertürkheim ein riesiges Projekt bevor. Für Gewerbe, Handel, Anlieger, Anwohner und alle Einwohner werden hier auf eine Belastungsprobe gestellt. Ein kluger Umgang hinsichtlich der Erreichbarkeit des Ortszentrums und der Läden ist dann gefragt“, so die IHGV-Chefin. Dasselbe gilt nun auch für den Leonhard-Schmidt-Platz. „Ich wünsche mir für den Planungsprozess das Einbeziehen aller Akteure und Instanzen: Bezirksbeirat, Anlieger, Ladeninhaber, Anwohner oder IHGV. Es ist existenziell, dass sich die Entwicklung und Ausgestaltung des Platzes und der beiden angrenzenden Straßen über die nächsten Jahre an die Gegebenheiten im Ort anpassen.“ 

Eine Fußgängerzone hat Untertürkheim schon: die Widdersteinstraße. Die neue Haltestelle der Buslinie 60 könnte ein Frequenzbringer für den ansässigen Einzelhandel sein.
Eine Fußgängerzone hat Untertürkheim schon: die Widdersteinstraße. Die neue Haltestelle der Buslinie 60 könnte ein Frequenzbringer für den ansässigen Einzelhandel sein.

Die Fußgängerzone, die nun angedacht wird, soll sich in einem Teil der Arlbergstraße vor dem Bahnhof bis über den gesamten Leonhard-Schmidt-Platz bis zur Widdersteinstraße erstrecken. So soll außerdem ein barrierefreier Zugang zum Bahnhof entstehen. Mit einem Aufzug könnte die Treppe zum Durchgang zum Karl-Benz-Platz umgangen werden. Die Idee des Amts für Stadtplanung sieht außerdem vor, dass der Lieferverkehr für die Geschäfte vor Ort nicht beeinträchtigt wird und alle privaten Parkplätze angefahren werden können. Auch der Durchgangsverkehr kann wie gewohnt fließen. Die neue Fußgängerzone könne dem Ortskern eine grüne Mitte und „das Flair einer echten Einkaufsstraße“ bringen, so das Amt für Stadtplanung. „Aber es gibt ja schon eine Fußgängerzone in unserem kleinen Ortskern in Untertürkheim – nämlich die Widdersteinstraße.“ Für Eberhard Bauer, Inhaber vom Modehaus Zaiss, mache „die neu angedachte Fußgängerzone nicht viel Sinn“. Das Risiko, dass noch weniger Menschen in die Widdersteinstraße kommen könnten, sei für ihn größer als die potenzielle Chance, die eine neue Fußgängerzone bringen würde. Die Buslinie 60, die in Zukunft direkt durch den Ortskern fahren soll, „könnte mit einer stündlichen Taktung ein Frequenzbringer sein“. Eine Haltestelle ist direkt vor dem ehemaligen Postgebäude angedacht. Jedoch würde sich Bauer wünschen, dass die Straßen im Zuge der neuen Verkehrsführung nicht zu stark befahren werden sollten. 

Einheitliche Gestaltung

„Ein Tempolimit von 10 oder 20 km/h würde für eine Verkehrsberuhigung sorgen.“ Für den Leonhard-Schmidt-Platz wünsche er sich eine einheitliche Gestaltung. Die Busverbindung könnte Kunden direkt in den Ortskern bringen, aber die Busse müssen nach dem Halt am Postareal weiter über die Augsburger Straße bis zur Einmündung zur Strümpfelbacher Straße fahren – dafür müssten viele Parkplätze weichen. Und auch im Ortskern selbst würden 20 öffentliche Stellplätze wegfallen. Bis zum Umbau des Post-Areals kann man auf dem Parkdeck hinter dem Gebäude parken. Während der Bauzeit soll als „Überbrückungshilfe“ in den Planungen eine gewisse Flexibilität für die Phasen der Umgestaltung des Ortskerns berücksichtigt werden. „Je nachdem, was jeweils benötigt wird“, so Stefanie Schwarz. Nach dem Umbau sollen dann 140 Parkplätze in der Tiefgarage genutzt werden können. 

Ausreichend Parkplätze

„Für den IHGV ist der Vorschlag der Stadtverwaltung ein guter Kompromiss: Den Leonhard-Schmidt-Platz mitsamt Bahnhofsvorplatz zur Fußgängerzone zu gestalten, ist ein Modell, das den Ort in die Richtung entwickelt, die wir anstreben.“ So die Meinung von IHGV-Mitglied Klaus Warth. Dass die Widdersteinstraße „unbedingt in das Konzept integriert werden sollte, da auch die Belebung braucht“, darin stimmt er mit Eberhard Bauer überein. Weiter würde sich Warth wünschen, „dass der Fußgängerüberweg, ähnlich wie in der Königstraße, auf der kompletten Breite der Fußgängerzone wäre. „Die Bushaltestelle am Leonhard-Schmidt-Platz ist eine charmante Idee. Aber die Konsequenzen der Linienführung in der oberen Augsburgerstraße halte ich für bedenklich. Dort würden jede Menge Parkplätze wegfallen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir nicht vorstellen, dass dies für den Ort einen Mehrwert bringen könnte.“ Aber: „Alles in allem begrüße ich die Planungen zur Umgestaltung. Und wir sind sehr bemüht, dass auch während der Bauphase Untertürkheim gut erreichbar bleibt, mit ausreichend Parkplätzen.“ Nathalie Kauder

WER WAR LEONHARD SCHMIDT?

Über den Leonhard-Schmidt-Platz in Untertürkheim wird zurzeit viel diskutiert. Aber warum heißt der Platz überhaupt so? Wer war Leonhard Schmidt? Der „Maler vom Roten Berg“ ging als Vertreter der Neuen Sachlichkeit in die Kunstgeschichte ein. Schmidt wurde 1892 in Backnang geboren und wohnte zwischen 1938 und 1978 bei Charlotte und Lore Scheef in Untertürkheim. Sein Markenzeichen war die adrette Fliege um den Hals. Gut gekleidet und freundlich, beliebt und geachtet – so erinnern sich viele noch an ihn. Daher erhielt der Platz im Jahr 2000 seinen Namen. Sein Studium absolvierte Leonhard Schmidt nach Ende des Ersten Weltkrieges in Stuttgart. Seine Zeichnungen, Pastell- und Ölbilder haben eine ganz eigene Bildsprache: Die Stuttgarter Staatsgalerie, die Nationalgalerie in Berlin, Museen im Ausland und renommierte Kunstsammler erwarben seine Gemälde. Doch dann wurde sein Stil von den Nazis als „Entartete Kunst“ eingestuft. Seine Bilder wurden aus den Museen entfernt. Bei Fliegerangriffen wurden dann sein Atelier und seine Wohnung in der Innenstadt zerstört. Er fand Zuflucht im Haus der Scheefs und lebte dort bis zu seinem Tod 1978. red

Neue Artikel
cannstatter-zeitung.de wurde gerade aktualisiert. Wollen Sie die Seite neu laden?