Drei Elefanten leben hier im Zoo Karlsruhe in der Altersresidenz zusammen – ein deutschlandweit einzigartiges Projekt. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Nicht nur in der Wilhelma leben mit Pama (59) und Zella (58) zwei betagte Elefanten. In Karlsruhe gibt es sogar eine Altersresidenz für die Senioren unter den Dickhäutern. Ein Besuch.

An diesem kalten Morgen mit Minusgraden sind die Dickhäuter Jenny, Saida und Indra im Zoo Karlsruhe überwiegend drinnen im Warmen, sie kommen erst etwas später nach draußen, um sich Futter zu holen. Draußen befindet sich eine abwechslungsreiche Anlage von rund 3000 Quadratmetern mit unterschiedlichen Bereichen für Bewegung und Spiel. Sie wurde vor ein paar Jahren von 1000 auf 3000 Quadratmeter vergrößert, wie der Zoo-Sprecher Timo Deible erklärt.

Gleich auf den ersten Blick wird deutlich: Hier stehen besondere Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten für die großen, tonnenschweren und schon älteren Semester im Mittelpunkt.

Die Außenanlage der Altersresidenz im Zoo Karlsruhe. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Zoo Karlsruhe: Spiele und Bewegung für die betagten Elefanten

Irgendwo weiter hinten in der Außenanlage hängt das Schild „Altersresidenz für Asiatische Elefanten“. Die gibt es schon seit 2019. Von Alter und Senioren ist nichts zu sehen. Im Gegenteil: „Es gibt im Sommer einen Wasserfall zum Duschen“, zeigt Tiertrainerin Claudia Vollhardt. An Schaukeln und Baumstämmen hängen Autoreifen zum Spielen. Bälle liegen bereit, in die Futter versteckt wird oder auch Kanister. Neben natürlichen Bäumen, die auch im Sommer Schatten spenden. Alles bereit zum Spielen und Bewegen.

Saida, Jenny und Indra leben im Karlsruher Zoo zusammen. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Zunächst sind die drei Bewohner noch im Haus, dann kommen Jenny (43 Jahre alt), Saida (53) und Indra (30) nach draußen. Zeit, sie kennenzulernen: Jenny wird mit „J“ ausgesprochen, wie sie das von Kleinauf kennt. Sie stammt aus einem Staatszirkus der früheren DDR, lebte zuletzt in Leipzig, davor in Hamburg und ist seit November 2009 in Karlsruhe. Sie ist in Myanmar geboren. Saida, 1973 geboren, kam im Oktober 2021 aus dem Zoo Leipzig und war zuvor auch in Hamburg. Dort hat sie ihre Tochter Indra 1996 geboren.

Indra kam aus dem Zoo Hamburg nach Karlsruhe

Im Juni 2024 kam Indra ins Badische aus dem Zoo Hamburg. Jenny und Saida kannten sich quasi aus Hamburg und waren sich damals nicht grün, erzählt Deible. Eine Herausforderung, als sie sich in Karlsruhe wieder trafen. „Sie galten als unsoziale, nicht gut verträgliche Tiere.“

Tierpflegerin Mara Müller bei den Elefanten an der Außenanlage. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Die Elefanten-Seniorinnen, die nach Karlsruhe kamen, treffen hier auf neue Umgangsformen. Das Prinzip heißt „Protected Contact“, was so viel wie „geschützter Kontakt“ bedeutet. Das bedeutet, dass die Tiere keinen direkten Kontakt mehr mit den Pflegern haben. Immer ist eine Wand oder ein Gitter dazwischen. Bis 2030 müssen Zoos, die Mitglied des Europäischen Zooverbands EAZA sind, nach diesem Prinzip mit ihren Elefanten arbeiten, sagt Vollhardt.

Tiertrainerin Claudia Vollhardt im Zoo Karlsruhe: „Wir fassen die Tiere auch an“

Mit dem Ausladen von Jenny hatte diese ab sofort also keinen direkten Kontakt mehr mit den Pflegern. Im Zoo Karlsruhe bedeutet es aber nicht „Hände weglassen“, sondern „wir fassen die Tiere auch an“, erklärt die Tiertrainerin. Es gebe Körperkontakt, aber immer sei eine Barriere zwischen Tier und Pfleger oder Tier und Trainer.

Tiertrainerin Claudia Vollhardt schaut auf einen Elefantenfuß. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Die Kommunikation zwischen Mensch und Tier basiert bei diesem Konzept auf Freiwilligkeit. Dies hilft im Umgang der Tiere untereinander und im Umgang der Tiere mit den Pflegern. Bei den Elefantendamen Jenny und Saida hat es acht Monate gedauert, bevor sie zusammentrafen. Und: „Es gibt keine Garantie, dass das Zusammenleben funktioniert“, sagt Vollhardt. Am Ende möchte sie erreichen, dass die Tiere, wenn sie unter sich sind, „sich nett benehmen“, sagt Vollhardt. Und dazu gehört auch, dass sie die Pfleger wahrnehmen und beachten, wenn sie die Tiere rufen, dass sie gerne kommen.

Belohnung: Elefanten-Pellets oder Obst oder Zuckerrüben, je nach Geschmack. Foto: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Jenny sei sehr menschenbezogen gewesen, als sie kam. Wie wurde die Scheu untereinander abgebaut? Vollhardts Konzept: Wenn ein anderer Elefant in ihre Nähe kam, wurde sie belohnt. Mit dem, was sie mag, etwa Obst oder gepresstem Futter. Dabei wurden auch die unterschiedlichen Geschmäcker beachtet, je nach dem, was sie mögen: Äpfel, Karotten, Trauben, Reiswaffeln, frisches Laub, Bambus, Bananenblätter, Brei oder Zuckerrüben, ungekochte Nudeln oder Erdnüsse. „Sie bekommen die leckersten Sachen für die schwierigsten Sachen.“

Elefanten im Zoo Karlsruhe: Nettes Verhalten der Tiere wird belohnt

„Was wir sehen wollten, ist nettes Verhalten.“ Das wurde belohnt. Dabei wurden die Tiere in ihrem Umgang miteinander genau beobachtet. „Heute sind die drei Elefanten ein tolles Trio“, freut sich Vollhardt. Als Indra, Saidas Tochter, nach Karlsruhe kam, habe es nur drei Tage gebraucht, bis sie in die Gruppe integriert war. Das Rezept des Erfolgs lieferte eine wissenschaftliche Studie über die Wiedererkennung mit Geruch von Kot. So hat Vollhardt noch vor der Ankunft von Indra sich Kot von ihr liefern lassen und den Elefanten in Karlsruhe vorgelegt.

Elefanten-WG im Zoo Karlsruhe

Es hat geklappt. Als Indra kam, sei Jenny am Neugierigsten gewesen, erinnert sich Deible. Mutter und Tochter hatten sich zehn Jahre nicht gesehen. Es hat geklappt. Wichtig war Vollhardt: „Wir haben geschaut, dass keine der drei Elefanten das dritte Rad am Wagen ist.“ Nun sind die drei Dickhäuter Tag und Nacht zusammen und nur ab und zu kurz getrennt und sehen sich die meiste Zeit.

An diesem Vormittag geben sie ein friedliches, zufriedenes Bild. Gerne nehmen sie die Leckerli von Tierpflegerin Mara Müller mit ihrem Rüssel. Sie harmonieren zu dritt und schwenken ruhig und gelassen ihren Rüssel umher, sammeln das Futter ein und fixieren ihre Besucher genau. Das generationenübergreifende Trio wirkt ruhig und gelassen an diesem Morgen. Sie bilden eine Einheit. Gleich ziehen sie weiter, um erneut Futter zu suchen. Ob eines Tages auch mal Pama oder Zella aus der Stuttgarter Wilhelma dort untergebracht werden, ist noch völlig offen. Das entscheidet das EEP, das Europäische Erhaltungszuchtprogramm der EAZA (Europäische Vereinigung von Zoos und Aquarien).