Dämmerung trifft auf Pendlerverkehr: Warum ausgerechnet die Winterzeit zu mehr Unfällen führt – und was Autofahrer jetzt tun müssen.
Wenn Deutschland am kommenden Sonntag, 26. Oktober, in den Wintermodus schaltet und die Uhr von 3 auf 2 Uhr zurückdreht, freut sich so mancher auf eine Stunde mehr Schlaf. Für Wildtiere hingegen bleibt alles beim Alten.
Genau das könnte nach Ansicht der Kreisjägervereinigung Waiblingen zu einem Problem werden. Diese warnt eindringlich: Die Zeitumstellung erhöht das Risiko für Wildunfälle drastisch. „Das Wild kennt keine Sommer- oder Winterzeit“, sagt die Kreisjägermeisterin Melanie Müller. „Während wir morgens wieder früher unterwegs sind, bleibt der Biorhythmus der Tiere unverändert.“ Die Folge: Dämmerung trifft Pendlerverkehr.
Zeitumstellung an diesem Sonntag
- In der Nacht auf Sonntag, 26. Oktober
- Umstellung von Sommerzeit auf Winterzeit
- Die Uhren werden um 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt
- Die Nacht ist eine Stunde länger
Dämmerung und Tempo: gefährliche Kombination für Rehe
Besonders heikel werde es in den frühen Morgenstunden und in der beginnenden Dunkelheit am Abend. Dann querten Rehe, Füchse und Wildschweine auf Nahrungssuche die Straßen – ausgerechnet zu den Stoßzeiten im Berufsverkehr. „Schon bei 60 km/h entwickelt ein Reh von 30 Kilogramm die Aufprallenergie eines Büffels“, warnt Müller. Eine Tonne Aufschlag – das ist nicht nur ein Bild, das hängen bleibt, sondern offenkundig Realität auf den Straßen rund um Waiblingen.
Wildunfälle im Rems-Murr-Kreis: Zahlen zeigen das Ausmaß
Allein im Rems-Murr-Kreis krachte es im vergangenen Jahr 1944 Mal wegen Wildwechsel, wie die Kreisjägervereinigung mitteilt. Landesweit summiert sich die Zahl der Wildunfälle auf mehr als 25.000 – mit einer Schadenshöhe von mehr als einer Milliarde Euro, so der Gesamtverband der Versicherer (GDV). Im Schnitt kostet ein Wildunfall rund 4100 Euro.
Kreisjägervereinigung Waiblingen rät: Fuß vom Gas an Wald und Feld
Die Faustregel der Jäger lautet: bremsbereit sein, Geschwindigkeit drosseln, besonders an Feldrändern und in Waldgebieten. Denn: Ein Wildunfall ist kein kleines Malheur, sondern potenziell lebensgefährlich – und das für Tier wie Mensch. Die meisten Unfälle passieren nicht bei Schnee oder Glätte, sondern in der Übergangszeit zwischen Hell und Dunkel.
Kommt es dennoch zur Kollision, ist besonnenes Verhalten gefragt: Vollbremsung, Lenkrad festhalten, nicht ausweichen. Danach: Warnblinker an, Warndreieck aufstellen, sich in Sicherheit bringen. Und: Polizei oder Jagdpächter benachrichtigen. Diese stellen auch die für die Versicherung notwendige Wildunfallbescheinigung aus.
Verhalten nach einem Wildunfall: Das ist wichtig
Was viele unterschätzen: Auch verletztes Wild bleibt gefährlich. Und es ist gesetzlich verboten, es anzufassen oder mitzunehmen. „Vermeintliche Hilfe kann dem Tier mehr Leid zufügen“, sagt Melanie Müller. „Deshalb unbedingt Abstand halten und auf professionelle Hilfe warten.“
Die Zeitumstellung bringt nicht nur dunklere Abende, sondern auch eine oft unterschätzte Gefahr. Und während der Mensch die Uhr umstellt, bleibt der Wald beim alten Takt. Wer das ignoriert, fährt womöglich direkt in die Gefahr.