Die Stadt installiert derzeit feste Zäune an der Vogelinsel. Foto: Bauer (z)

Auf der Vogelinsel wird derzeit der von der Stadt angekündigte feste Zaun gebaut. Einige Bürger sind empört und verstehen diese Maßnahme nicht, die zum Schutz der Vögel dienen soll.

Hofen - Was im vergangenen Sommer die Gemüter, insbesondere des Bezirksbeirats Mühlhausen erhitzte, wird nun weiter fortgesetzt: der Bau von Zäunen auf der Halbinsel des Max-Eyth-Sees. Darüber informierte die Stadt damals erst nachträglich im Bezirksbeirat. Zugleich kündigte sie an, dass auf der Halbinsel in diesem Jahr ein fester Zaun dauerhaft installiert werden soll. Die Baumaßnahmen haben dazu vor Kurzem begonnen. Die angekündigten Pläne werden nun umgesetzt.

Der Hintergrund war, wie berichtet, eine EU-Verordnung und die Umsetzung zusammen mit dem Amt für Umweltschutz für das Natura 2000-Gebiet und die Vogelinsel am Max-Eyth-See. Renate Kübler vom Amt für Umweltschutz hatte im Bezirksbeirat letztes Jahr über die Maßnahme berichtet, die zum Schutz der dort brütenden schützenswerten Vögel vollzogen werden soll. Der Nabu trägt die Zielsetzung mit, wie Ulrich Tammler jetzt erklärte.

Kritik hagelte es, weil die Stadt nicht vorher über die Maßnahmen informiert hatte und plötzlich im Sommer Zäune errichtete, um die Halbinsel nachts abriegeln zu können. Auch in der kommenden Saison soll nachts von Frühjahr bis Herbst der Zugang unterbunden werden. Während Bürger, Umweltamt und Nabu auf mehr Schutz für brütende Vögel sowie weniger Vandalismus und Müll hoffen, versteht nicht jeder Anwohner die derzeitigen Maßnahmen. Wie etwa der frühere Bezirksbeirat der Freien Wähler, Gerd Arnold, aus Hofen. Er sei dieser Tage erschrocken, als er die Bauarbeiten sah, sagte er.

„Zurzeit wird im Bereich der Halbinsel in Richtung Neckar ein ausgesprochen hässlicher Zaun installiert. Ich verstehe die Welt wirklich nicht mehr. Ist es wirklich das Ziel, die Spaziergänger vom gesamten Uferbereich fernzuhalten und nur noch zwischen Zäunen sich bewegen zu lassen. Sollen sich die Menschen nur noch in Kanälen um den Max-Eyth-See bewegen?“, fragt er. Ein Ziel sei es gewesen, so habe er gehört, dass man randalierende Jugendliche nun außen vorhalten wolle. Arnold erinnert sich: „Vor vielen Jahren wurde der Mühlhäuser Jugendrat auf der Halbinsel ermuntert, einen Sandstrand zu erbauen und zu beleben. Sie sollten sogar alkoholfreie Getränke servieren. Damals wollte man die Jugendlichen an den See bringen und ihnen ein Ziel geben. Und heute werden sie von der Halbinsel als Ruhestörer vertrieben“, sagt er. Er vermisse eine klare Zielsetzung am Max-Eyth-See. „Ich sehe nur einen wilden Aktionismus mit unterschiedlichen Zielrichtungen.“

Auch andere See-Besucher sehen dies. Sie haben ein gewisses Verständnis für den Schutz der Vogelwelt, doch den massiven Zaunbau verstehen sie nicht. Das habe doch all die Jahre auch ohne Zäune funktioniert, sagen sie. Karl-Heinz Sauer ist Naturfotograf und oft da, um die Vögel zu fotografieren. Dass die Vogelinsel geschützt werden soll, findet er gut. Aber die Mittel dazu – den massiven Zaun und eine Sichtschutzwand – kritisiert er. „Den Leuten wird die Natur genommen“, sagt er. Dass Vandalismus und Lärm eingeschränkt werden soll, versteht er, „aber nicht auf diese Art und Weise“, so Sauer. Es handele sich hier auch um ein Naherholungsgebiet für den Menschen. Arnold wohnt seit 1954 fast direkt am Max-Eyth-See in zweiter Reihe zur Mühlhäuser Straße und macht fast täglich seine Runde um den See. Er stellt fest: „Der See war so wunderbar naturbelassen, doch über die Jahre wird die Umgebung durch Umbauten zum Nachteil verändert. Das Gelände um den See ist sehr sauber, dank dem Einsatz der SBR. Als Anwohner vom See haben wir keine Geruchsbelästigung durch Grill-Aktivitäten am Wochenende, obwohl der Westwind über die Grillplätze zu uns weht.“ Auch stellt er fest, dass es ganz selten Lärm am Wochenende gebe. Höchstens, wenn eine Person irgendwo auf dem Gelände trommelt. „Da ist die Mühlhäuser Straße viel lauter“, so Arnold. Und zum Parken am Wochenende weiß er, dass in der Sackgasse im Möwenweg die Autofahrer, die am Wochenende hineinfahren, auch wieder herausfahren. Nicht an jedem Wochenende ist tolles Ausflugswetter für den See.“ Er wohne gerne am Max-Eyth-See, nur machten ihn die Veränderungen traurig, „die von Personen erdacht werden, die weit weg wohnen.“

Horst Bauer vom Bootsverleih schaut auf das, wie er es ausdrückt, „Industrieprojekt Vogelschutz“. Der Zaun umgibt das Gebiet von der Halbinsel bis zur kleinen Schleuse. Dort sind Sitzbänke auch wegen der Umzäunung nicht mehr benutzbar, hat ein anderer Besucher festgestellt. Ulrich Tammler vom Nabu erklärt: „Die Maßnahmen richten sich ausdrücklich nicht gegen den normalen Freizeitbetrieb. Es ist bedauerlich, wenn auch die vernünftigen Nutzer etwa der Halbinsel hier quasi in Mithaftung genommen werden für diejenigen, die über die Stränge schlagen. Es ist ebenso bedauerlich, dass hier unschöne bauliche Maßnahmen und Nutzungseinschränkungen offenbar notwendig sind.“ Es obliege der Stadt, durch Gespräche mit allen Nutzern des Sees Maßnahmen mit Augenmaß zu entwickeln und umzusetzen. Er selber erlebe leider in Bezug auf das Freizeitverhalten einzelner immer weniger Bereitschaft zur Rücksichtnahme auf die Natur, was sich nicht selten in großer verbaler Aggressivität äußere.

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