Das Buch der Bücher will mit buntem Aussehen und moderner Sprache bei den Jugendlichen punkten. (Archivbild) Foto: dpa/Sven Birgl

In fast 700 Sprachen ist die Bibel schon vollständig übersetzt. Bibeltexte gibt es auch für Blinde, für Gehörlose und als App. Nun will das Buch der Bücher mit moderner Sprache bei den Jugendlichen punkten.

Stuttgart - Bis zu 3000 Jahre alt sind die Texte der Bibel. Wie im Zeitraffer klingen da die 17 Jahre, die es gekostet hat, um die sogenannte Basisbibel als vollständige Ausgabe mit Altem und Neuem Testament auf den Markt zu bringen. Verständlicher soll die neue Übersetzung der hebräischen, aramäischen und griechischen Urtexte sein. Mit kurzen Sätzen, einer klaren Sprache und in auffälligem Design.

Das kleine Büchlein in peppigen Farben und mit weißem Kreuz auf dem Cover will nichts weniger sein als die Heilige Schrift für das elektronische Zeitalter, die „Bibelübersetzung für das 21. Jahrhundert“, wie es Christoph Rösel, Generalsekretär der Bibelgesellschaft, zum Verkaufsstart am Donnerstag in Stuttgart formuliert. Das 40-köpfige Übersetzerteam habe sich dennoch so eng wie möglich an den Urfassungen orientiert.

So biblisch wie nötig, so einfach wie möglich

So biblisch wie nötig, so einfach wie möglich, könnte es bei der Basisbibel auch heißen. Denn langatmige Verschachtelungen und altbackene Begriffe werden dort abgelöst von Sätzen, die in der Regel nicht länger als 16 Wörter sind. Alle Informationen eines Satzes sind klar gegliedert, Schachtelsätze sind tabu. Zentrale Begriffe der Bibel wie „Gnade“, „Messias“ und „Reich Gottes“ werden nicht umschrieben, sondern in einem kurzen Text am Seitenrand erläutert. Der Text sei außerdem für das Lesen an Bildschirm und Display konzipiert. „In keiner anderen Übersetzung wurde das bislang in dieser Art berücksichtigt“, lobt die Bibelgesellschaft, die als kirchliche Stiftung von Stuttgart aus rund 700 Bücher im Programm führt, darunter 300 Bibelausgaben.

Denn die Generation Internet liest vor allem Chats, E-Mails, Schlagzeilen und Blogbeiträge. Intensiv beschäftigen sich junge Menschen nur noch selten mit schwerer zu greifenden Texten. Ziel sei es daher, vor allem ihnen einen Zugang zur Bibel zu ermöglichen. „Wir wollen in unseren Kirchen eine verständliche Sprache sprechen. Das gilt bei aller nötigen Fremdheit auch für die Texte der Bibel“, sagt Annette Kurschus, die stellvertretende Ratsvorsitzende der EKD und Aufsichtsratsvorsitzende der Bibelgesellschaft. Die Basisbibel solle Menschen neugierig machen auf das Buch der Bücher. Die vollständig vorliegende Ausgabe sei zudem geeignet für die „Erstbegegnung mit der Bibel“, wie es der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) formuliert.

Als gedrucktes Buch, Hörbuch, kostenlos im Internet oder in der App

Als Basisbibel liegt das Neue Testament bereits seit 2010 vor, zwei Jahre später erschienen die Psalmen in der neuen Übersetzung. Bereits 200 000 Exemplare des Mammutprojekts in seinen Teilausgaben sind verkauft worden, es ist als gedrucktes Buch ebenso zu haben wie als Hörbuch, kostenlos im Internet und in einer App.

Andere Übersetzungen gehen deutlich weiter. Im Bemühen, das angestaubte Image des Buches der Bücher zu polieren und die Attraktivität der Texte für junge Menschen zu steigern, haben sich unabhängige Projekte und auch Bibelverlage mit Comics, provokanter Slangsprache und modernem Layout auf dem Markt platziert. Traditionelle Bibelleser dürften die Heilige Schrift zum Beispiel nur noch schwer wiedererkennen, wenn sie die „Volkxbibel“ in die Hand nehmen, ein offenes und durchaus gewagtes Buchprojekt, das sich seit dem Jahr 2005 immer wieder erneuert.

„Licht der Welt“ wird zu einem „ultrahellen LED-Strahler“

Da wird in der Sprache der Jugend das „Salz der Erde“ aus der Bergpredigt zu einem Vergleich mit einem Kühlschrank, ohne den die Welt vergammeln würde, das „Licht der Welt“ zu einem „ultrahellen LED-Strahler“ und der in einer Tiefgarage geborene Jesus „wird seine Leute aus dem Dreck retten, in dem sie stecken, wegen den Sachen, wo sie Mist gebaut haben“.

Entstanden ist die in mehreren Bänden erschienene Bibelversion auf Initiative des in Berlin lebenden Pädagogen und Gründers der „Jesus Freaks“, Martin Dreyer. „Wir wollen entkirchlichte junge Menschen ansprechen, die sonst nie eine Bibel in die Hand nehmen“, sagt der 55-Jährige, der sich stark aus dem Projekt zurückgezogen hat und das Feld rund zwei Dutzend jüngeren Übersetzern im Netz überlässt.

„Sprachschlüssel zu den Herzen der heutigen Jugend“

Vor allem die Kirche geht naheliegenderweise mit einem solchen Versuch hart ins Gericht. „Gotteslästerlich“ sei das, „ein ziemlich gruseliges und peinliches Elaborat“. Befürworter loben dagegen „einen unverkrampften Umgang mit der Botschaft, die Gott den Menschen nahebringen möchte“ und bezeichnen die „Volkxbibel“ als „Sprachschlüssel zu den Herzen der heutigen Jugend“. Dreyer verteidigt sein Projekt: „Will Gott, dass man ihn versteht oder will er das nicht?“.

Aber nicht nur neue Übersetzungen, sondern auch eine ansprechende Aufmachung sollen von der dauerhaften Gültigkeit der Bibelbotschaften überzeugen. Bereits in der Vergangenheit ist die Bibel in allen möglichen Varianten erschienen. Heute werden Bibeln mit Art Deco- Umschlag angeboten und mit wasserfestem Cover. Es gibt Bibelcomics, Bibelfilme, Bibelkalender und Bibelspiele für den PC. Und es gibt „Gute Nachricht“-Bibeln ­ eine ebenfalls von der Deutschen Bibelgesellschaft initiierte Übersetzung aus den 1960er Jahren - in Versionen für die Schule, die Trauung und klassisch, als Edition für Kreative, für Teens und sogar mit Abbildungen von historischen niederländischen Wandfliesen verziert.