Die SWSG will die denkmalgeschützte Vatikan-Siedlung modernisieren. Die Arbeiten beginnen im September 2021 in der Nähterstraße. Foto: Mathias Kuhn

Die SWSG will die 94 Wohnungen in der denkmalgeschützten Vatikan-Siedlung von September 2021 an modernisieren. Die Mieter müssen während der Umbauzeit umziehen, was für Unruhe sorgt.

Wangen - Sie feierte vergangenes Jahr hundertjähriges Bestehen, steht natürlich unter Denkmalschutz und ist ein wichtiger Bestandteil von Wangen: die Vatikan-Siedlung. „Um die Wohnungsnot zu lindern, wurde sie von der Stadt direkt nach Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1919 als Kleinsiedlung oder Kolonie gebaut. Von den Wangenern wurde sie – vermutlich wegen der viereckigen Bauform mit Innenhof – Vatikan getauft“, berichtet Ortschronist Martin Dolde. Die Ulmer-, Nähter- und Laupheimer Straße bilden die Grenze. Aktuell besteht der Vatikan aus 94 Wohneinheiten, einem schönen Innenhof mit altem Baumbestand und elf kleinen Reihenhäusern. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Siedlung laut Dolde bei Bombenangriffen teilweise zerstört, die Schäden in aller Schnelle behoben und die Wohnungen in den Achtzigerjahren nochmals erneuert. „Im Prinzip sind die 94 Wohnungen aber in einem unsanierten Zustand“, sagt Christian End, der Leiter des Kundencenters der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG). Der städtische Eigenbetrieb mit Sitz in Obertürkheim hat sich deswegen zu einer „grundlegenden Modernisierung“ der Siedlung entschlossen. Die Sanitärtechnik und der Energiestandard – die Wohnungen werden noch durch alte Gaseinzelheizungen erwärmt – seien auf dem Stand von vor 15 Jahren oder noch älter.

Zudem sei der Zuschnitt der Wohnungen nicht mehr zeitgemäß. Kleine 41 bis 50 Quadratmeter große Zweizimmerwohnungen mit einem Mini-WC und einem Badezimmer aus, in das eine Dusche hineingezwängt worden sei, machen den Großteil der Wohneinheiten aus. Im Zuge der Modernisierung sollen die Zuschnitte geändert werden. „Wir wollen künftig einen gesunden Mix aus kleinen Wohnungen, Einzimmer-Appartements aber auch größere Drei- und Vierzimmerwohnungen – ein rundes Wohnprodukt für Menschen jedes Lebensalters“, sagt End.

Den Anfang macht der Längstrakt in der Nähterstraße 26 bis 30. In enger Absprache mit der Denkmalschutzbehörde werde die Fassade saniert, neue Fenster eingebaut, das Gebäude gedämmt, eine Zentralheizung eingebaut und auch die technischen Voraussetzungen für modernes Wohnen geschaffen. Im September kommenden Jahres sollen die Bauarbeiten beginnen. Die Handwerker benötigen etwas 1,5 Jahre für die Modernisierungsmaßnahmen im Längstrakt. Voraussetzung für eine „unbewohnte Modernisierung“ ist allerdings, dass die bisherigen Mieter ihre Wohnungen – wenigstens vorübergehend – verlassen.

Verständlicherweise sorgen sich die Bewohner des Vatikans allerdings um ihre Zukunft. Mieter befürchten, dass die Umwandlung von bisher bezahlbaren Mietwohnungen in nun geförderte Sozialwohnungen zu höheren Mietkosten führe. Dem trat End entgegen. Wegen der Corona-Pandemie konnte die SWSG keine Informationsveranstaltung für alle Bewohner anbieten, sondern ihre Mieter nur schriftlich über die Pläne informieren. Die Berater haben zudem erste Gespräche geführt. Die SWSG übernimmt die Umzugskosten. „Und wir geben den Mietern auch eine Rückzugsgarantie“, sagt End. Bisher zahlen die Mieter im Durchschnitt eine Quadratmetermonatsmiete von 7,40 Euro. Nach der Modernisierung wird der Mietpreis auf durchschnittlich 7,80 Euro steigen – allerdings nur, wenn der Mieter einen Wohnberechtigungsschein für die geförderte Mietwohnung vorweisen kann. Die SWSG werde bei der jährlich neuen Beantragung des Berechtigungsscheins helfen. Wer keinen erhalte, müsse mit der ortsüblichen Miete rechnen. Der Mietzins müsse zwar noch kalkuliert werden, dürfte aber zwischen 10 und 10,50 Euro liegen.

In weiteren Bauschritten werden die Wohnungen in der Laupheimer Straße, in der Ulmer Straße und die Reihenhäuser im Innenhof sukzessive saniert. Die Gesamtmaßnahmen sollen 2025 abgeschlossen sein. „Nach Ende der Modernisierung wird die Vatikan-Siedlung wieder im neuen Glanz erscheinen“, sagt End.

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