Golf darf ab nächster Woche wieder gespielt werden. Foto: dpa/Uwe Anspach

Die Verein sind heiß auf den Wiederbeginn und gut vorbereitet. Freiluft-Sportarten ohne Körpertonakt sind voraussichtlich ab nächster Woche wieder möglich.

Bad Cannstatt - Aus Stillstand wird allmählich wieder Bewegung. Nach den beschlossenen Lockerungen können Freizeit- und Breitensportler wieder durchatmen, der Vereinssport darf voraussichtlich ab kommenden Montag (11. Mai) seinen Betrieb im Freien unter Einhaltung von Abstands- und Desinfektionsregeln wieder aufnehmen. „Wir beginnen nun in einem ersten Schritt mit kontaktlosen Trainings- und Übungsangeboten im Freien“, sagt Sportministerin Susanne Eisenmann und ergänzt: „Gerade bei Sportarten wie zum Beispiel Leichtathletik, Golf, Tennis, Reiten, Segeln, Klettern, Kanusport und Sportschießen auf Außenanlagen können die Regeln des Infektionsschutzes eingehalten werden.“

Wir haben uns bei einigen unserer lokalen Vereine umgehört, ob sie startklar sind und was sie zu beachten haben.

„Die Mitglieder brennen“, sagt Roland Schmid, der Vorsitzende des TV Cannstatt, vor dem Re-Start. Die Verantwortlichen oben auf dem Schnarrenberg bereiten sich schon seit mehreren Tagen auf den sportlichen Wiederbeginn vor, haben Ideen erarbeitet, wie die vielen Angebote – auch des Bewegungszentrums – im Freien stattfinden können. „Auf dem großen Rasenplatz wird ein Parcours aufgebaut, bei dem Fitness unter Einhaltung der Infektionsschutzvorgaben möglich ist“, so Schmid. Auch die neue Calisthenics-Anlage werde ins Fitnessprogramm mit einbezogen. „An den Geräten steht Desinfektionsmittel, das bei jedem Personenwechsel benutzt werden muss.“ Die Tennisplätze werden ebenfalls wieder geöffnet und auch die Baseballer freuen sich unter Auflagen „wieder ihren Sport ausüben zu können“. Doch Schmid ist nicht nur aus sportlicher Sicht froh, dass wieder Bewegung und Leben auf dem Schnarrenberg einkehrt. Sondern auch mehr Sicherheit. „Dreimal wurde während der Sportpause eingebrochen oder das Vereinsheim beschädigt.“ Unter anderem wurde das Inventar der Bogenschützen gestohlen, Pfeile und Bogen dann wieder in der Nähe der Anlage gefunden.

„Wir freuen uns sehr, dass Sporttreiben im Freien wieder möglich ist und sind darauf vorbereitet“, sagt Stefan Conzelmann, der Vorsitzende des TB Cannstatt. Natürlich unter Berücksichtigung der Abstands- und Desinfektionsregeln könne die Leichtathletikabteilung am Montag auf der Laufbahn das Training wieder aufnehmen und die Tennisabteilung die Bälle übers Netz jagen. Darüber hinaus stelle man gemeinsam mit den Übungsleitern der vielen Gesundheits- und Fitnesskurse des TBC Überlegungen an, wie „wir die Angebote raus aus unserem gesperrten Jahn-Saal auf den Rasenplatz verlagern können“. Wann jedoch die Athleten und Athletinnen der großen TBC-Schwimmabteilung wieder ins Wasser springen dürfen, weiß der Vorstand noch nicht. „Ich hoffe, dass auch für die Benutzung von Schwimmbädern und Hallen zu Trainingszwecken zeitnah eine Entscheidung fällt.“ Das würde sicherlich auch den hauptamtlichen Schwimmtrainer des TBC freuen. „Wir mussten ihn in Kurzarbeit schicken.“

An die Ruderblätter, fertig, los heißt es beim Stuttgart-Cannstatter Ruderclub. „Wir haben ein Wiederanlaufkonzept erarbeitet und können sofort wieder aufs Wasser gehen“, sagt Vorstand Peter Wolfer­ing. Seit dem 15. März wurde kein Kilometer auf dem Neckar mehr gerudert, vielmehr aber an Land. Der Verein hat seinen Wettkampfruderern Ergometer zum Trockentraining mit nach Hause gegeben, unter anderem auch „ein Online-Training für die Jugend und separat für den Breitensport mehrmals in der Woche angeboten“. Mit der Einhaltung von Abstand- und Hygieneverordnungen haben die Ruderer laut Wolfering überhaupt kein Problem. In den Bootshallen dürfe immer nur ein Boot herausgeholt oder hereingebracht werden. Auch das Zuwasserbringen der Boote sei unproblematisch, „da wir selbst, wenn wir den Einer zu zweit ins Wasser lassen wollen, aufgrund der Bootslänge von sieben bis neun Metern den Mindestabstand von 1,50 Meter immer sicherstellen können“. Auch zum intensiven Säubern der Boote – wird nach jeder Ausfahrt vollzogen – stehe genügend Platz zur Verfügung.

Beim Cannstatter Tennisclub ist Historisches passiert: „In der ersten Vorstandssitzung per Videokonferenz seit Bestehen des CTC“, sagt Präsident Helmut Bayer, „und in weiteren Gesprächen vor Ort, haben wir einen Leitfaden für unsere Mitglieder erstellt, auf was sie beim Spielen achten müssen“. Dieses Corona-Konzept wurde während dieser Woche an die Mitglieder verschickt. Der umfangreiche Maßnahmenkatalog umfasst rund 50 Handlungsanweisungen. Unter anderem, dass kein Aufenthalt auf der CTC-Anlage erlaubt ist ohne bestätigte Buchung einer Tennis- oder Trainingseinheit, Buchungen nur von zuhause beziehungsweise jedem onlinefähigen Endgerät möglich sind, Hygiene- beziehungsweise Desinfektionsregeln bei der Nutzung von Pflegegeräten wie Abziehmatten, Abziehbesen und Linienbesen zu beachten sind, die Sitzbänke extra weiter auseinandergestellt wurden und nicht verstellt werden dürfen und, und, und... „Ich denke, wir sind sehr gut auf die aktuelle Situation vorbereitet und freuen uns auf den Wiederstart“, so Bayer. Viele Mitglieder seien heiß auf die Filzkugel, ein Teil werde sicherlich trotz allem vorsichtig bleiben. Übrigens: Im Tennis ist die Verbandsspielrunde noch nicht abgesetzt. Eine Entscheidung zu diesem Thema will der Württembergische Tennisbund Ende der nächsten Woche fällen.

Bei der SportKultur Stuttgart hat man seine Hausaufgaben ebenfalls gemacht. Primär will man am Montag mit Tennis auf den Anlagen in Hedelfingen, Rohracker und Obertürkheim starten. „Wir haben uns mit den Corona-Verordnungen des Württembergischen und Deutschen Tennisbundes vertraut gemacht und können den Betrieb aufnehmen“, sagt der Vorsitzende Uli Strobel. Gleiches gelte für die Golfanlage auf dem Steinprügel. „Auch dort wurden alle Vorgaben umgesetzt, der Ball kann fliegen.“ Für weitere Sportarten wartet Strobel noch auf eine offizielle Erklärung der Stadt. Aus seiner Sicht sei nicht eindeutig geklärt, welche Sportarten nun wieder ausgeübt werden dürften. „Können wir beispielsweise unsere Lauf-, Fahrrad- beziehungsweise Mountainbike-Gruppe auch wieder starten?“, stellt er die Frage. Bei der Einstellung des Sporttreibens im März habe man per Mail klare Anweisungen von der Stadt erhalten. „Ich gehe davon aus, dass das bei der Wiederaufnahme auch noch erfolgt und wir vor Montag noch genaue Anweisungen erhalten.“ Auch bei dem Großverein aus den Oberen Neckarvororten hat und hinterlässt die Corona-Krise Spuren. „Unsere wirtschaftlichen Einbußen sind aktuell noch nicht überschaubar“, so Strobel, der dennoch durchatmet, dass „wenigstens wieder etwas Bewegung in den Sportverein kommt“.

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