Die MasterdestillateurTobias Fessler und die Künstlerin Manuela Gigliotti haben eine Whiskey-Sonderedition für die Band Sodom gemacht. Foto: privat/KS Images

Tobias Fessler verbindet seine Jugendleidenschaft mit dem Beruf: Gemeinsam mit dem Sänger der Kultband Sodom hat der Destillateur einen besonderen Whiskey entwickelt.

Tobias Fessler hat die Thrash-Metal-Band Sodom schon als Jugendlicher gehört – es sind seine ersten Berührungspunkte mit einer Musikrichtung, der er bis heute treu geblieben ist. 14 Mal war er mittlerweile auf dem Heavy-Metal-Festival Wacken Open-Air und hat Sodom immer wieder live gesehen. „Vor drei, vier Jahren habe ich den Sänger Tim Angelripper auf einem Konzert kennengelernt“, erzählt der Masterdestillateur aus Sersheim. „Ich wusste, dass er Whiskey trinkt, und so kamen wir auf die Idee, gemeinsam etwas zu machen.“

Heute verkauft er online und in der Destillerie „fesslermill1396“ einen fruchtigen, prämierten Whiskey für die Band aus Gelsenkirchen – die weltweit bekannt ist und der nachgesagt wird, die Thrash-Metal-Szene mitgeprägt zu haben.

Gemeinsame Whiskey-Entwicklung mit Tom Angelripper

Zwischen dem Ruhrgebiet und der 5800-Einwohner starken Gemeinde Sersheim im Westen des Landkreises Ludwigsburg liegen knapp 600 Kilometer. An der Entstehung der Sodom-Sonderauflage war also auch immer wieder die Post beteiligt. „Ich habe ihm unterschiedliche Proben geschickt und er hat getestet, was ihm schmeckt“, erklärt Fessler.

Viele Telefonate mit Tom Angelripper später ist ein Whiskey entstanden, den die Band auf ihrer Webseite präsentiert und Tobias Fessler deutschlandweit verkauft. „Aber es kamen auch mehr als 30 Anfragen aus den USA, Südamerika und Asien – das funktioniert nur nicht mit dem Zoll“, sagt Fessler.

Mit dem Whiskey hat er beim BrennKunstAward, der Landesprämierung für Destillate und Liköre, Gold und Silber gewonnen. „Die Urkunde haben wir Tom persönlich in Gelsenkirchen vorbeigebracht“, sagt der 35-Jährige.

Motiv für Etikett ist handgemalt

Eine Besonderheit des Whiskeys: Das Design für das Etikett hat die Künstlerin Manuela Gigliotti aus Vaihingen-Kleinglattbach mit Acryl gemalt. Ein Totenkopf, der Blut weint, neben einer Figur mit Gasmaske und Hörnern, dahinter eine brennende Stadt.

„Aber jeder kann selbst entscheiden, was er darin erkennt“, sagt Künstlerin Gigliotti. Sie habe schon immer einen Hang zu Kunst, die auch gerne mal missverstanden wird. „Wenn Leute meine Kunst sehen, sagen sie oft: ‚Schön gemalt, aber davon würde ich Albträume bekommen, wenn ich mir das aufhänge’“, erzählt sie lachend.

Der Sodom-Whiskey ist nicht die erste Kooperation – es gibt auch eine Pur-Edition Foto: privat/Simon Granville

Menschen hätten Angst, die dunkle Seite des Lebens zu sehen, aber die würde nun mal dazugehören. Wenn man sie annehme, könne man besser damit umgehen. „Das ist wie Horrorfilme schauen, es hat einen gewissen Reiz.“

Für die Band Sodom, die sie seit sie 18 Jahre ist hört, hat sie sieben Skizzen angefertigt. Dabei wusste sie noch nicht, dass der Whiskey den Titel des neuen Albums „The Arsonist“ – übersetzt der Brandstifter – trägt. „Man könnte also erkennen, dass die Figur die Stadt angezündet hat, das passt gut“, sagt die 42-Jährige. Das Original des Etiketts, eine 50 mal 50 Zentimeter große Leinwand, hat sie bereits verkauft – an einen Sodom-Fan aus Las Vegas.

VfB-, Pur- und Fools Garden-Edition

Der Whiskey wurde übrigens aus regionalem Mais und Gerstenmalz hergestellt – das Getreide wurde in der hauseigenen und über 629 Jahre alten Fessler-Mühle zerkleinert. Nach der Destillation reifte der Whisky im sogenannten Whisky-Warehouse der Destillerie für sieben Jahre in einem Bourbonfass. Nach der fertigen Reifung fügten die Fesslers heimisches Quellwasser aus Sersheim dazu.

Die Geschmacksnoten: Bourbon, Eiche, Vanille und Malz. „Ein Whiskey, der nicht brennt und der zugänglich ist für jeden“, sagt Gigliotti. Beigelegt ist jeder Flasche eine Karte – vorne das Motiv des Etiketts, hinten die Unterschrift von Tom Angelripper.

Für Tobias Fessler ist es nicht die erste Kooperation: Aus seiner Destillerie kommen unter anderem eine VfB-Edition, mehrere Auflagen für das Wacken Open Air Festival und eine Sonderedition der Band Pur. „Die Kooperationen haben immer einen Bezug – persönlich oder regional“, sagt er. Und sie hätten sich immer für jeweils beide Seiten bewährt. Viele Menschen würden darüber herausfinden, dass es auch einen Whiskey aus der Region gibt.

Ob der Sodom-Whiskey ebenfalls ein Erfolg wird, hängt wohl vor allem an der treuen Metal-Fangemeinschaft. Knapp 400 Flaschen hat Fessler abgefüllt, 60 Prozent sind bereits verkauft.

Fessler-Mühle

Destillerie
In Sersheim an der Metter am Rande des Strombergs steht seit bald 630 Jahren die Fessler-Mühle. Das Vater-Sohn-Duo Wolfgang und Tobias Fessler, beide Müllermeister und Ernährungswissenschaftler mit Brennerausbildung, hat die „fesslermill1396“-Destillerie gegründet und stellt Brände wie den fesslermill mettermalt Whisky, fesslermill Gin oder mettermalt Korn her.

Klimaneutral
Die Herstellung des Sodom-Whiskeys fand durch hauseigene Wasserkraft und Photovoltaik klimaneutral statt.