Weil im Mai nur etwas mehr als die Hälfte der normalen Niederschlagsmenge auf den Boden fiel, mussten viele Felder und Äcker beregnet werden. Foto: dpa/Rolf Haid

Sonnenhungrige sind in den vergangenen drei Monaten auf ihre Kosten gekommen: Das Frühjahr 2020 war das sonnigste seit sieben Jahrzehnten. Schattenseite: Die Trockenheit macht den Pflanzen zu schaffen.

Untertürkheim - Der Wonnemonat Mai erfreute Ausflügler und Spaziergänger mit überwiegend sonnigen Tagen und angenehmen Temperaturen, Gartenbesitzer und Landwirte stellt das Mai-Wetter allerdings vor Herausforderungen: 45,4 Millimeter Nässe pro Quadratmeter, die die Meteorologen auf dem Gelände der Wetterstation auf dem Schnarrenberg gemessen haben, sind entschieden zu wenig Feuchtigkeit. Die Böden sind staubtrocken, Pflanzen dürsten nach Wasser, die Regentonnen in den Hobbygärten sind vielerorts so leer wie sonst erst im Hochsommer. Landwirte müssen mit einer erhöhten Wasserrechnung kalkulieren. Auf vielen Feldern lassen sie es regnen und ersetzen damit das Wasser, das vom Himmel kommen sollte. „45,4 Millimeter bedeuten nur 54,3 Prozent der normalen Niederschlagsmenge im Monat Mai“, erklärt Andreas Pfaffenzeller vom Deutschen Wetterdienst in Stuttgart. Den Rekord als trockenster Mai hält das Jahr 1997. Damals registrierten die Wetterkundler nur 24,6 Millimeter Niederschlag.

Doch auch die 45,4 Millimeter im Mai täuschen ein wenig. „Denn fast die Hälfte der Regenmenge, nämlich 21,9 Millimeter, kamen am 11. Mai zusammen. Von 14. bis 22. Mai und von 24. bis 31. Mai blieb es dagegen auf dem Schnarrenberg trocken“, so Pfaffenzeller. Der Mai reiht sich damit in die beiden Vormonate ein. Die Meteorologen betrachten das Quartal von 1. März bis 31. Mai als Frühling. „In den drei Frühlingsmonaten kommen wir auf 102 Millimeter. Das entspricht 57,8 Prozent eines normalen Frühjahrsniederschlages“, so Pfaffenzeller. In der Tabelle der trockensten Frühjahre belegt das Frühjahr 2020 damit Rang sieben.

Den Spitzenplatz hat das Frühjahr 2020 sich aber in der Sonnenstunden-Tabelle erobert. Seit Beginn der Aufzeichnungen in Stuttgart vor fast 70 Jahren war es noch nie so sonnig. Von Anfang März bis Ende Mai strahlten die Sonne 771,2 Stunden lang auf den Schnarrenberg. Der bisherige Rekord lag bei 760,3 Stunden im Jahr 2011. Der Mai trug seinen Anteil zu diesem Frühjahrsrekord bei. Die Wetterforscher fingen an 271,3 Stunden den Sonnenschein ein. „Das entspricht 137,2 Prozent des Mittelwerts der Maimonate. Der Mai 2020 belegt damit nur Rang fünf“, so Pfaffenzeller. Den Stuttgartern war’s egal. Nach der Corona-Zwangspause in den eigenen vier Wänden genossen viele jede Minute im Freien, im Garten oder auf dem Balkon.

Übermäßig warm war es trotz der Sonneneinstrahlung im Mai allerdings nicht. Im Durchschnitt bringen es die 31 Tage auf 14,0 Grad Celsius. Das sind gerade einmal 0,7 Grad mehr als der Mittelwert der 30 Maimonate von 1961 bis 1990. Die Unterschiede sind allerdings frappierend. Während am 22. Mai das Thermometer bis auf 26 Grad Celsius kletterte, sackte es am 12. Mai nachts auf winterliche 0,0 Grad ab. „Auch am 7. Mai hatten wir Bodenfröste“, so Pfaffenzeller. Dies bekamen auch Pflanzen zu spüren. In einigen besonders empfindlichen Lagen rund um den Württemberg und in Bad Cannstatt schädigten die frostigen Temperaturen die Reben. „Allerdings sind die Schäden weniger gravierend als bei einigen unserer Kollegen im Remstal oder in Hohenlohe“, sagt Reiner Bubeck von der Weinmanufaktur Untertürkheim.

Immerhin wurden die Wengerter von starken Frostperioden im März und April verschont. Das Frühjahr bringt es auf zehn Frosttage. Normal sind 13 Frosttage. Auch das vergangene Frühjahr war zu warm. Mit durchschnittlich 11,3 Grad Celsius waren die ersten drei Monate 2,1 Grad wärmer als ein durchschnittliches Frühjahr. Es belegt damit Platz 7. Doch zumindest, was die Niederschläge betrifft, dürften die Stuttgarter in den kommenden Tagen etwas Nachschlag erhalten. Bereits in der Nacht auf Donnerstag könnten Gewitter größere Regenmengen bringen und das unbeständige Wetter wird sich vermutlich übers Wochenende halten.

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