Der März verwöhnte die Stuttgarter mit viel Sonnenschein, aber auch mit Nachtfröst, der die Obstblüte unterhalb der Grabkapelle gefährdete Foto: Mathias Kuhn

Der März 2020 hat die Stuttgarter mit Sonnenschein verwöhnt. Allerdings war es – vor allem in den vergangenen Tagen – auch ziemlich frostig. Eine Gefahr für manche Pflanze und deren Blüten.

Untertürkheim - Eigentlich ist es der April, der macht, was er will. Doch bereits die vergangenen 31 Märztage haben fast die gesamte Palette der Wetterkapriolen gebracht. „Vor allem die Sonne hat die Stuttgarter mächtig verwöhnt“, sagt Andreas Pfaffenzeller von Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart. Die Meteorologen auf dem Schnarrenberg registrierten 199,1 Sonnenstunden. Der diesjährige März belegt damit Rang vier seit es die Wetteraufzeichnungen gibt. Spitzenreiter ist der März 1953. Mit 221 Sonnenstunden scheint er uneinholbar. Der 24. und 25. März dieses Jahres führen die Temperatur-Hitliste für den jeweiligen Tag an. Die Sonne schien an beiden Tagen von ihrem Auf- bis zum Untergang fast ununterbrochen von einem nahezu wolkenlosen Himmel. Mehr Kraft der Sonne geht kaum.

Erstaunlicherweise wirkten sich die wärmenden Sonnenstrahlen nur gering auf die Temperaturen aus. „Die über alle Tage berechnete Durchschnittstemperatur liegt bei 6,8 Grad Celsius. Dies liegt 1,5 Grad Celsius über dem aus den Jahren 1961 bis 1991 ermitteltem Mittelwert“, sagt Pfaffenzeller. Beim Blick auf die Jahreswerte rangiert der März 2020 im vorderen Mittelfeld. Den Monatsrekord hält der März 1989 mit 9,4 Grad Celsius. Einen Spitzenreiter kann der März 2020 dennoch verzeichnen: „Der 19. März hat es an die Spitze der Tageswerte geschafft“, sagt Pfaffenzeller mit Blick auf die Statistik. Das Thermometer stieg an diesem Tag auf 18,8 Grad Celsius. Kein 19. März war seit Aufzeichnung der Temperaturen wärmer.

Die Folgen der angenehmen Frühlingstemperaturen und der hohen Dosis an Sonnenstrahlen sind in der Natur nicht zu übersehen: Auf den Wiesen blühen viele Frühjahrsblumen und die Knospen vieler Obst- und anderer Bäume entfalten bereits ihre Blütenpracht. Sie werden umschwärmt von Wild- und Honigbienen, die nach Nahrung suchen. Aufbruchstimmung in der Natur.

Doch die frühe Blüte der Pflanzen birgt auch Risiken. Die angenehmen Mittagstemperaturen vor zehn Grad und mehr waren trügerisch. Denn vier Tage nach dem Temperaturspitzenwert haben die Wetterkundler auf dem Schnarrenberg auch den tiefsten Monatswert gemessen: Am 23. März rutschten die Temperaturen unter den Null-Grad-Wert. Der Tiefstwert lag bei minus 2,9 Grad Celsius – „Lufttemperatur, also gemessen in zwei Meter Höhe“, konkretisiert Pfaffenzeller und nennt zum Vergleich die morgendliche Temperaturen auf Bodenhöhe: Sie wiesen in den vergangenen Tagen knackige Bodenfröste zwischen minus 4,4 (am 23. März) und 6,1 Grad Celsius (am 30. März) aus.

Pflanzen, die zu früh in den Garten gepflanzt oder die vor lauter Freude über die hohen Tagestemperaturen wieder auf die Terrasse gestellt wurden, könnten diesen Minustemperaturen zum Opfer gefallen sein. Insgesamt brachte der März zwar zehn Frosttage, aber immerhin keinen Eistag. Im Laufe des Tages kletterten die Werte also immer über null Grad Celsius. Entgegen des Trends der Vormonate und trotz Sonne satt und Frost war der März 2020 keinesfalls zu trocken. Insgesamt fielen 54,7 Millimeter Nässe pro Quadratmeter. „Das entspricht 139,5 Prozent des normalen Mittels. Damit konnten die Grundwasservorräte hoffentlich ein wenig aufgefüllt werden“, so Pfaffenzeller. Zumal die Niederschläge – beispielsweise am vergangenen Sonntag – als Schneeflocken vom Himmel fielen, die dann als Wasser in den Boden eindringen konnten.

An der abwechslungsreichen Wetterlage wird sich auch bis zum Wochenende wenig ändern. „Hoch Keywan bestimmt in den kommenden Tagen unser Wetter. Es wird überwiegend sonnig bleiben, aber Keywan bläst vom Nordwesten auch kühle Luft in unsere Region“, sagt Pfaffenzeller. Also: Sonnenbrille, Schal und Handschuhe empfehlen sich weiterhin für den Frühlingsspaziergang zu zweit.