Nicht nur an vielen Nächten und Morgenstunden führten im April eisige Temperaturen zu einer Frostschicht auf Dächern und Ästen in Stuttgart. Foto: //Marijan Murat

Der April 2021 machte seinem Ruf als launischer Monat alle Ehre: Es war der frostigste April seit 1958, aber es gab auch ein lange Periode mit Sonne pur.

Untertürkheim - April, April, der macht, was er will. Der vierte Monat im Jahr ist als ein besonders launischer Monat verschrien. Und tatsächlich festigten die 30 Apriltage diesen Ruf. Auf den fast sommerlichen 1. April mit ungewöhnlichen T-Shirt-Temperaturen von 23,6 Grad Celsius folgte ein noch ungewöhnlichere, über fast zwei Wochen dauernde Frostperiode, um dann gegen Ende des Monats nochmals ein paar sonnig-angenehme Tage draufzupacken. Dieses Auf und Ab der Temperaturen belastete viele wetterfühlige StuttgarterInnen, führt aber auch zu einer Durchschnittstemperatur von 7,8 Grad Celsius. „Gegenüber dem 30-jährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990 macht dies nur ein minus von 1,1 Grad Celsius aus, nehmen wir aber den neuen 30-jährigen Durchschnitt von 1991 bis 2020 dann macht der Unterschied doch beachtliche 2,8 Grad Celsius aus“, sagt Andreas Pfaffenzeller vom Deutschen Wetterdienst auf dem Schnarrenberg. Von 5. April zum 16. April beherrschte – mit einer kurzen Unterbrechung – eiskalte, polare Luftströmung Baden-Württemberg. In wolkenlosen, sternenklaren Nächten fiel das Thermometer, überzog Dächer der Stuttgarter Dächer mit einer weißen Eisschicht und ließ zum Leidwesen mancher Landwirte und Hobbygärtner die Pflanzen – beispielsweise die Obstbaumblüten – gefrieren.

Frostschäden

Die Meteorologen registrierten auf dem Schnarrenberg acht Frosttage. „Ungewöhnlich viele. Im Durchschnitt erlebten wir in den Jahren zwischen 1991 und 2020 nur auf zwei Frosttage pro April“, sagt Pfaffenzeller. Der Wetterexperte muss weit in die Analen zurückblättern, bis er einen frostigeren Monat entdeckt. „1958 hatten wir zehn Frosttage. Es ist das Jahr, an dem wir die Frosttage erstmals statistisch erfasst haben“, sagt Pfaffenzeller.

Extreme Trockenheit

Die tiefen Temperaturen führten auch dazu, dass die Niederschläge im April noch als Schneeflocken zu Boden fielen. „Am 6. und 7. April war der Schnarrenberg nochmals mit einer Schneedecke von etwa einem Zentimeter bedeckt“, sagt Pfaffenzeller. Diese trug zur Gesamtniederschlagsmenge von 31 Liter pro Quadratmeter im April bei. „Das macht rund 57 Prozent der normalen Niederschlagsmenge im April aus“, erklärt der Meteorologe. Ohne die recht ergiebigen Regenfälle am 11. und am letzten Tag im April wäre die Bilanz noch erschreckender ausgefallen. „Es war wieder einmal ein viel zu trockener Monat.“ Der April setzt die vor allem für die Landwirte besorgniserregende Tendenz fort: Die Böden trocknen aus, der Grundwasserspiegel sinkt, etliche Pflanzen leiden unter dem Wassermangel und müssen teilweise bewässert werden. Zumindest kurzfristig ist ein Hoffnungsschimmer für die Natur in Sicht. „An den ersten Maitagen wird das Wasserreservoir ein wenig aufgefüllt. Es wird regnerisch und kühl bleiben“, prognostiziert Pfaffenzeller.

Sonne im Überfluss

Die Stuttgarter müssen dann von den Sonnenstunden profitieren, die sie im April tanken konnten. An 205,8 Stunden, das entspricht 133,5 Prozent der durchschnittlichen Aprilausbeute, schickte die Sonne ihre Strahlen in die Landeshauptstadt. An etlichen Tagen zeigte sich kaum eine Wolke am Himmel. Sonnenanbeter kamen am 23. April auf ihre Kosten. 13,6 Stunden lang trübte keine Wolke die Sonneneinstrahlung.

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