Sonnenanbeter konnten sich im September Foto: dpa/Marijan Murat

Das Wetter im September hat manchen erfreut, anderen jedoch Sorgen bereit. Der wichtige Erntemonat war zu warm, zu sonnig, aber eben auch viel zu trocken.

Untertürkheim - Die Spaziergänger, Sonnenhungrige und Badeseebesucher freute es, den Land- und Forstwirten trieb das Wetter der vergangenen 30 Tage Sorgenfalten ins Gesicht. „Der September war zu sonnig, zu warm und viel zu trocken“, fasst Uwe Schickedanz vom Deutschen Wetterdienst die gesammelten Daten der Wetterstation auf dem Schnarrenberg zusammen.

Am 14. und am 15 September stieg das Thermometer auf mehr als 30 Grad Celsius. Zusätzlich zu diesen beiden Tagen, die die Meteorologen als „heiße Tage“ bezeichnen, erlebten die Stuttgarter noch elf sogenannte Sommertage. Dabei überschritten die Temperaturen die 25-Grad-Celsius-Marke. „Für diesen Zeitraum ist die Anzahl der Sommertage durchaus außergewöhnlich“, charakterisiert der erfahrende Wetterkundler den goldenen September 2020. Dies spiegelt sich auch in der Durchschnittstemperatur des Monats wider. „Für den September ist ein Wert von 14,7 Grad Celsius normal. Der diesjährige September kommt auf 17,2 Grad Celsius und liegt damit um beachtliche 2,5 Grad Celsius über dem Mittel“, sagt Schickedanz. Dabei hat der Kälteeinbruch in der vergangenen Woche den Durchschnittswert noch gesenkt. Am vergangenen Samstag blieb die Höchsttemperatur mit 9,2 Grad Celsius einstellig und am Montag registrierten die Wetterforscher mit 5,4 Grad Celsius eine rekordverdächtig niedrige Minimumtemperatur. „Der Temperatursturz von 25 Grad Celsius innerhalb einer Wochen war kräftig“, sagt Schickedanz.

Für die hohen Temperaturen Anfang und Mitte September war auch die Sonne verantwortlich. Sie strahlte oft mehr als zehn Stunden pro Tag von einem beinahe wolkenlosen Himmel. Die Stuttgarter wurden von der Sonne verwöhnt - 215 Stunden lang in den vergangenen 30 Tagen. „Das sind rund 125 Prozent der durchschnittlichen Sonnenscheindauer im September. Sie liegt bei 167 Stunden.“

Des Einen Freud, ist des Anderen Leid. Wolkenloser Himmel und eitel Sonnenschein bedeuten auch wenig Niederschläge. Bis 23. September fiel kein Tropfen Regen vom Himmel – zum Leidwesen der Land- und Forstwirte. Die extreme Trockenheit setzt den Bäumen im Wald, auf den Obstgrundstücken sowie den Reben u nd anderen Früchten auf den Feldern zu. Die teilweise ergiebigen Regenfälle am vergangenen Donnerstag mit 12,5 Litern pro Quadratmeter und am Samstag, 26. September, mit 8,0 Litern pro Quadratmetern konnten die Regenfässer in den Gärten nur mäßig füllen und die Niederschlagsstatik allenfalls etwas freundlicher gestalten. Auf dem Schnarrenberg kamen im September nur 21,6 Liter pro Quadratmeter zusammen. Dies entspricht etwa 41 Prozent des Durchschnittswertes.

„Damit liegt auch der September im Trend. Bereits der Sommer und auch viele Monate im Frühjahr waren viel zu trocken. Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass es weniger regnet, und uns überlegen, wie wir verhindern, dass sich diese Entwicklung nicht verstärkt“, sagt Schickedanz. Für die kommenden Tage kann er allerdings Hoffnung auf ein paar Tropfen Regen machen. Ein Tiefdruckgebiet werde bis zum Wochenende das Wettergeschehen in Westeuropa bestimmen. Für das erste Oktoberdrittel prognostiziert er wechselhaftes Wetter. „Es wird zwar keine starken Regenfälle, sondern immer wieder kurze Niederschläge geben, aber ein Goldener Oktober mit Dürrephasen ist auch nicht in Sicht.“

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