Wenn’s pressiert, muss man eben. Doch zuerst einmal ein öffentliches WC finden. Foto: Imago/Rolf Poss

Plötzlich meldet sich die Blase oder der Darm. Ausgerechnet jetzt, wo man doch unterwegs ist. Es hilft alles nichts, Ekelgefühl hin oder her. Man muss eine öffentliche Toilette aufsuchen, wenn man denn überhaupt eine findet. Über stille Örtchen, die jeder mal graucht und niemand so richtig mag.

Es gibt sie tatsächlich in Deutschland: No-Go-Areas. Orte, wo niemand hin will, weil der Aufenthalt der Gesundheit oder zumindest dem Wohlbefinden abträglich sein könnte. Gemeint sind – öffentliche Toiletten. Stille Örtchen, an denen die WCs nicht selten verstopft sind, die Wände vollgeschmiert, die Klobrillen verschmutzt, die Waschbecken und Armaturen verkalkt, die Urinale unansehnlich, die Fliesen nass und verschmiert. Und wo es oft zum Himmel stinkt.

Erst einmal ein stilles öffentliches Örtchen finden

Egal, wenn’s pressiert, muss man eben. Doch zuerst gilt es, ein öffentliches WC zu finden. „Außer Betrieb“ steht auf der einen öffentlichen Toilette in einem Karlsruher Stadtteil. Eine weitere im Zentrum schluckt die Münzen, gibt dann aber weder die Tür frei noch das Geld zurück. Weiter geht’s zu einem öffentlichen Klo in einem Kaufhaus. Wenn man die Zeit dafür hat. Denn hier ist erst ab 9.30 geöffnet.

Außer Betrieb: Was gar nicht so selten bei öffentlichen Toiletten der Fall ist.  Foto: Imago/APress

Wie viele öffentliche Toiletten es in Deutschland gibt, ist unklar. Es gibt sogenannte Toiletten-Finder-Apps, die weit über 100 000 Standorte bundesweit verzeichnen. Städte und Kommunen betreiben sie entweder selbst oder lassen sie von externen Firmen betreuen. Auch private Träger gibt es oder Läden und Lokale, die ihre Toiletten gegen ein Entgelt auch Passanten zur Verfügung stellen.

Öffentliche WCs kosten Städte viel Geld

Für Städte und Gemeinden sind die WCs für alle nicht gerade billig:

  • Berlin gibt pro Jahr rund 17 Millionen Euro für die von der Stadt betreuten rund 380 öffentlichen Toilettenanlagen aus. Die restlichen knapp hundert werden von anderen Anbietern betrieben, wie ein Sprecher der zuständigen Senatsverwaltung mitteilt.
  • Stuttgart kostet es pro Jahr knapp 3,4 Millionen Euro, die über 70 Klos zu betreuen. Ab 2025 sollen alle für Benutzer kostenlos sein. Bisher ist das nur für einen Teil der Toiletten der Fall.
  • Freiburg lässt sich seine 13 WC-Anlagen nach den Worten eines Stadtsprechers rund 600 000 Euro im Jahr kosten.
  • Viele Städte klagen über Vandalismus und Verschmutzungen, weit über das übliche Maß hinaus, wie etwa aus Stuttgart, Freiburg oder auch Karlsruhe zu hören ist.

Gibt es genug öffentliche WCs?

Laut einer Stuttgarter Stadtsprecherin reichen die Klos in der baden-württembergischen Landeshauptstadt aus. „Wir sehen keinen Bedarf an mehr Toiletten.“ Berlin wiederum spricht von durchaus auch unterversorgten Gebieten, etwa im Bereich von Badeseen, Parks und Grünanlagen.

Öffentliche Toiletten sind abseits der großen Städte Mangelware. Foto: Imago/Bihlmayerfotografie

Gerade in ländlicheren Gegenden sei die Versorgung oft unzureichend, berichtet Matthias Zeisberger vom Verein „Inkontinenz Selbsthilfe“. Meist stünden dort nur zu bestimmten Zeiten geöffnete Toiletten in Geschäften oder öffentlichen Einrichtungen zur Verfügung. „Es besteht definitiv Handlungsbedarf, insbesondere auf dem Land.“

„Es gibt in Deutschland definitiv nicht ausreichend öffentliche Toiletten“, stellt auch eine Sprecherin von „klo:lektiv“ fest, einem Zusammenschluss von Menschen, die nach eigenen Worten das Thema stärker in die öffentlichen Debatten einbringen möchten. Das Angebot sei nicht flächendeckend und werde bei knappen Haushalten oft vernachlässigt oder gar vergessen. Es fehle das Bewusstsein, „dass Toiletten ein absolut essenzieller Bestandteil städtischer Infrastruktur sind“.

„Nette Toilette“: Das etwas öffentliche WC

Um Kosten einzusparen und zusätzliche Angebote bereitzustellen, nutzen bundesweit viele Städte und Gemeinden das Konzept der „Netten Toilette“. Es wurde 2002 von einer Agentur in Zusammenarbeit mit der Stadt Aalen entwickelt. Rund 300 Kommunen in Deutschland und auch der Schweiz nutzen inzwischen diese Möglichkeit, wie eine Sprecherin des Service-Projektes erklärt.

Gendergerechte Toilette vor dem Bahnhof Hamburg-Altona. Foto: dpa/Marcus Brandt

Die Gastronomie stellt dabei Toiletten kostenfrei auch für Nicht-Gäste zur Verfügung. Im Gegenzug beteiligt sich die Stadt an den Kosten. Aalen etwa bezahlt nach Angaben einer Stadtsprecherin monatlich rund 1500 Euro an die 19 teilnehmenden Betriebe. „Im Schnitt können mit den Unterhalts- und Instandhaltungskosten einer öffentlichen Toilette zwölf ‚Nette Toiletten‘ finanziert werden“, erklärt die Sprecherin der „Nette-Toilette“- Initiative. Meist ist es dort auch sauberer.

Sauberkeit öffentlicher Klos lässt oft zu wünschen übrig

Der Zustand öffentlicher Toiletten ist häufig ein Problem. Nicht nur wegen des Ekelfaktors, sondern weil gerade Menschen mit bestimmten gesundheitlichen Beeinträchtigungen dort einem nicht unerheblichen Gesundheitsrisiko ausgesetzt sind, unterstreicht Matthias Zeisberger.

Die Wände in diesem öffentlichen Pissoir sind mit Schmierereien und Graffitis verunstaltet. Foto: Imago/Prensa Bochum

Für Otto-Normal-Verbraucher seien gesundheitliche Gefahren eher zu vernachlässigen, erläutert der Rostocker Hygieniker Andreas Podbielski. „Die Chance, sich da was zu holen, ist im Zweifelsfall geringer als im Restaurant.“ Auch eine Geschlechtskrankheit könne man sich kaum dort einfangen.

Bei Erregern auf der Klotürklinke empfiehlt Podbielski ebenfalls einen entspannteren Blick. „Sie fassen vielleicht die Türklinke in einer öffentlichen Toilette nicht an, aber irgendeine andere Türklinke wenig später schon. Da wissen Sie ja auch nicht, was da an Keimen drauf ist.“

Info: Wissenswertes rund ums stille Örtchen

Wer hat das Klo erfunden?
Die ältesten Kanalisationen sind um 3500 v. Chr. von den Sumerern im Zweistromland erbaut worden. Von 3000 bis 500 v. Chr. bauten Babylonier und Assyrer Klos aus zwei kleinen Mauern mit einem schmalen Zwischenraum, in den die Fäkalien fielen. Mit dem Badewasser wurden sie in die Kanäle gespült. Im alten Griechenland und in Rom gab es öffentliche Abortanlagen mit ständiger Wasserspülung. Das erste Klo mit Spülung soll der Brite John Harington Ende des 16. Jahrhunderts erfunden haben. 1775 ließ sich Alexander Cumming ein Patent auf die Toilette mit Spülung ausstellen. Seine Toilette hatte als erste einen Siphon, der als Geruchsverschluss dient.

Wie viele Menschen haben keinen Zugang zu sauberen WCs?
Laut UN leben 4,2 Milliarden Menschen weltweit ohne sichere Sanitärversorgung, rund 900 Millionen machen ihr Geschäft im Freien. Werden menschliche Ausscheidungen nicht hygienisch entsorgt, können Krankheiten übertragen werden. Jährlich sterben dadurch Schätzungen zufolge rund 400 000 Menschen. Weltweit nutzen rund zwei Milliarden Menschen Wasserquellen, die durch Fäkalien verunreinigt sind.

Wie viel Prozent der WC-Nutzer waschen sich nicht die Hände?
Eine repräsentative Befragung der Hochschule Stiftung Rehabilitation Heidelberg ergab, dass sich 7 Prozent der Menschen nicht die Hände waschen, wenn sie von der Toilette kommen. 27 Prozent waschen sich die Hände nur mit Wasser, 58 Prozent nehmen Seife dazu. Acht Prozent der Befragten waschen sich die Hände wie von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfohlen: 20 Sekunden lang mit Wasser und Seife, auch zwischen den Fingern.