Amseln sind in Stuttgart besonders häufig zu hören. Foto: dpa/Jens Büttner

Während der Coronapandemie ist es in Stuttgart leiser geworden. Die Vögel singen trotzdem weiter. Ein Stuttgarter Ornithologe erklärt, welche Vögel man im Stuttgarter Stadtgebiet hören kann.

Stuttgart - „Viele haben den Vogelgesang nicht mehr wirklich wahrgenommen“, erklärt Ulrich Tammler. Er ist Ornithologe und Mitglied des Nabu Stuttgarts. Durch den geringeren Stadtlärm, der aufgrund der Einschränkungen durch die Coronapandemie weniger geworden ist, kann man derzeit Vogelkonzerten besonders gut lauschen. „In Stuttgart gibt es über 100 Brutvogelarten“, sagt Tammler. Den meisten Menschen seien aber nur ein paar wenige ein Begriff. Vor allem den Haussperling, der den meisten wohl als Spatz bekannt ist, und die Amsel würden viele kennen. Und das aus gutem Grund: „Von den Amseln gibt es eine Vielzahl im Stuttgarter Stadtgebiet. Sie ist die vermutlich häufigste Art hier bei uns“, erklärt der Vogelexperte.

Der Gesang der Amsel klingt melodisch

An seinem schwarzen Gefieder erkennen wohl die meisten das Männchen des Singvogels. Doch einen Vogel nur an seinem Gesang zu bestimmen, das ist gar nicht so einfach. Der Fachmann gibt deshalb Tipps, wie man die Stimme einer Amsel erkennen kann. Tammler beschreibt den Gesang als „sehr melodisch und volltönend“.

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Weil es in Stuttgart so viele Amseln gibt, kann es durchaus vorkommen, dass sich eine im Garten oder auf dem eigenen Balkon einnistet und dort ihre Jungen großzieht. „Wenn Sie einmal in das Nest schauen, ist das kein Problem“, erklärt der Ornithologe. Allerdings sollten die Amseljungen nicht zu oft gestört werden. „Die Mutter traut sich sonst nicht mehr an ihr Nest zurück“, sagt Ulrich Tammler. Wenn eine Amsel ein Nest auf dem Balkon baut, sollte man laut dem Vogelfachmann während der Brutzeit und der Nestlingszeit vorsichtig sein und den Balkon meiden oder eine Sichtbarriere installieren.

Blau – und Kohlmeisen lassen sich nur schwer unterscheiden

Neben der Amsel ist auch das Tschilpen des Haussperlings bekannt. Besonders schwierig zu erklären sei die Unterscheidung zwischen der Blau – und der Kohlmeise. „Beide haben sehr einfache Gesänge“, erklärt der Vogelexperte. „Die Blaumeise singt asymmetrisch und am Anfang hoch, dann werden die Töne abfallend“, sagt Tammler. „Die Kohlmeise dagegen singt zweisilbig. Das hört sich im Gegensatz zur Blaumeise ‚symmetrisch‘ an“, so der Ornithologe weiter.

Ein Buchfink fordert Bier

Eine besondere Eselsbrücke liefert Tammler zum Erkennen des Gesangs eines Buchfinks: „Der ruft so, dass es sich ein wenig wie ‚Wo Wo Wo bleibt mein Bier‘ anhört“.

Ähnlich ist es auch beim Stieglitz. Auch dort kann eine Eselsbrücke helfen. „Der ruft nämlich seinen eigenen Namen: Sein Ruf hört sich wie ‚Stiglitt, Stiglitt‘ an“. Zu einem der schönsten Sänger gehört das Rotkehlchen. Das ist übrigens einer der Frühaufsteher unter den Vögeln. „Das ist schon wach, wenn es draußen noch dunkel ist“, weiß das Mitglied des Nabu Stuttgarts. Der Gesang eines Rotkehlchens sei meist sehr hoch und melancholisch. In fast jedem Gebüsch in Stuttgart findet man zudem eine Mönchsgrasmücke. „Sie sind die Plaudertaschen unter den Vögeln“.

Besonders gut kann man den Singvögeln in den Morgenstunden lauschen. „Viele ernähren sich von Insekten und die werden erst aktiv, wenn es hell und wärmer wird“, erklärt der Ornithologe. Sobald sich die Vögel dann am Vormittag auf Nahrungssuche begeben, wird es wieder ruhiger.

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