Foto: dpa

Nicht nur wegen Corona fällt dieses Jahr der Weltspartag in den meisten Geldinstituten aus. Das Sparschwein muss nicht am 30. Oktober geschlachtet werden. Die Volksbank am Württemberg veranstaltet eine Malaktion.

Untertürkheim - Für viele Kinder war der letzte Werkt ag im Oktober ein fester Termin: Mit dem Sparschwein in der einen und dem Sparbüchlein in der anderen Hand ging es in die Bankfiliale vor Ort. Stolz wegen dem über Monate hinweg Erspartem und gleichzeitig voll Vorfreude auf das kleine Präsent, das man bekam. Mit großen Augen beobachteten die kleinen Sparer, wie der Bankangestellte das Sparschwein „schlachtete“, die Groschen auf dem Zähltablett ordnete, stapelte, zählte, den Betrag verkündete und ihn ins Sparbuch eintrug. Später ersetzten zwar klirrende Zählmaschinen die Rechenkünste der Bankangestellten, die Spannung vor dem Endbetrag blieb jedoch. Und wie sieht es heute in Zeiten von Niedrigzinsen und Corona aus?

„Es gibt vor allem im ländlichen Bereich immer noch Kinder, die ihre Spardose leeren wollen“, sagt Kristina Becker, die Bereichsdirektorin des Privatkundenbereichs der Volksbank Stuttgart. In den Vorjahren herrschte Ende Oktober regelmäßig Andrang in den Filialen. Junge Kunden schauten an den Schaltern vorbei. Dies sollen sie auch weiterhin. „Wir wollen der Jugend den Spargedanken im Sinne des Zurücklegens für künftige Anschaffungen weiter ans Herz legen, aber dies auf einen Tag im Jahr zu konzentrieren, macht keinen Sinn mehr“, sagt Ingolf Epple, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Volksbank am Württemberg. Zumal die Sparer momentan eh kaum Zinsen für Ihr Guthaben auf dem Sparbuch bekommen. „Ein Spar-Dauerauftrag kombiniert mit einem Aktiendepot wäre sinnvoller“, empfiehlt Epple.

Auch wegen Corona hat sich die Volksbank am Württemberg zu einer Neuerung entschlossen. Unter dem Motto „Spenden statt schenken“ ruft das Geldinstitut zu einer nachhaltigen Mitmachaktion auf. Kunden unter 14 Jahren sollen zu Papier bringen, was ihnen in Zeiten von Corona wichtig ist. Die Aktion läuft bis 30. Oktober. Die Eltern der jungen Sparer wurden angeschrieben, Nachwuchskünstler haben erste Zeichnungen bereits abgegeben: Meeresschildkröten inmitten von Plastikmüll, eine weinende Erde oder die Brandschutzerziehung. „Unter allen Einsendungen werden drei Bilder gezogen. Zu den gemalten Themen werden wir dann im Geschäftsgebiet die jeweiligen Initiativen suchen und jeder der drei Initiativen im Beisein des jungen Künstlers 2500 Euro überreichen“, sagt Marketing-Leiter Rainer Strauß. Doch auch die Kinder sollen eine Belohnung erhalten.

„Statt einem kleinen Geschenk erhält bei uns jedes Kind sechs VR-Primax Bonus-Punkte für die Teilnahme. Das ist nachhaltiger als ein Geschenk aus Plastik oder einer Taschenlampe mit kurzlebigen Batterien“, so Epple. Die Idee kommt gut an, wie die eingereichten Bilder zeigen, die auch auf der Homepage veröffentlicht werden. „Und natürlich dürfen die Kinder auch in ihre Filiale gehen und ihre Ersparnisse im Laufe des Jahres gerne einzahlen“, so Epple.

Auch in der Volksbank Stuttgart sind die jungen Sparer willkommen. „Wir haben aber die Eltern angeschrieben und gebeten, den Besuch auf die restlichen Tage im Jahr zu verteilen“, sagt Kristina Becker. Man wolle Gedränge vermeiden. Sicherheit habe in Zeiten von Corona Vorrang. Im Brief werde ein Gutschein für ein Präsent mitgeliefert, den die Kinder bis Ende des Jahres einlösen können. Wegen der Ansteckungsgefahr hat auch die BW Bank den Weltspartag abgesagt. „Wir verzichten coronabedingt auf Weltspartagsaktionen in unseren Filialen, denn der Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie unserer Kundinnen und Kunden hat für uns hohe Priorität“, sagt BW-Sprecher Alexander Braun.

Auch die Commerzbank-Verantwortlichen wollen den 30. Oktober entzerren. „In Zeiten von Corona müssen die Kinder nicht explizit am Weltspartag zu uns kommen, um ihr Geld einzuzahlen“, sagt Commerzbank-Sprecherin Sandra Kobus. Die Commerzbank stellt „ein Umdenken in Sachen Vermögensaufbau bei den kleinen Kunden fest.“ In Zeiten, in denen das Sparbuch kaum Zinsen abwirft, interessieren Eltern und Kinder sich für kontinuierliche Sparformen wie Fondssparen. Dennoch liegen in den Commerzbank-Filialen kleine Sparwochen-Präsente parat und die jungen Sparer dürfen erleben, wie ihr Geld durch die Zählautomaten rattert.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: