Man fasst es einfach nicht: die vereinsamte Königstraße am hellen Tag. Foto: Leif Piechowski/Lichtgut

Jammern hilft nix. Und mit Schwarzsehern telefonieren schon gar nicht. Von der Kunst, in ansteckenden Zeiten nicht wahnsinnig zu werden.

Stuttgart - Viele meinen ja, man könne durch ausgedehnte Telefonate mit den Liebsten diese coronöse Krise besser meistern. Doch nach dem letzten Gespräch mit einer nahen Verwandten sind gewisse Zweifel angebracht. Die Dame am anderen Ende der Leitung ist älteren Jahrgangs, streng gottgläubig und leider Hobby-Apokalyptikerin. Hobby-Apokalyptiker sind geübte Wortverdreher und Faktenvernichter. Ihr täglich geistig Brot sind dunkle Ahnungen, abstruse Verschwörungstheorien und Breaking News direkt aus der Hölle. Dieses nervende Virus kommt denen wie gerufen. Da helfen dann auch keine Statistiken mehr, keine halbwissenschaftlichen Kurzvorträge über abgeflachte Kurven bei den Neuinfektionen. Nein, am Ende bleibt einem nur noch der Satz im heißen Ohr kleben: „Junge, lass dir nichts vormachen. Es ist hoffnungslos. Corona, das ist die Strafe Gottes.“ Und aufgelegt. Prima. Telefonieren ist auch keine Lösung.

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