Inhaberin Julia Hezel in ihrem kleinen Laden in Degerloch. Foto: Caroline Holowiecki

Der kleine Concept-Store in Degerloch gilt als Aushängeschild für regionale Produkte und liebevoll Kuratiertes. Nun steht fest: „Romi & Juli“ wird schließen. Die Inhaberin sagt, warum.

Die Regale sind gefüllt, die Kleiderbügel an den Stangen gut bestückt, und auch Julia Hezel lächelt wie immer. Und doch ist etwas anders bei „Romi & Juli“ in Degerloch. Vor Kurzem ist bekannt geworden, dass das kleine Geschäft schließen wird. Nach nicht einmal drei Jahren. Im Juni 2023 hatte Julia Hezel ihren Family-Concept-Store mit Kinderspielzeug, Deko, Schmuck und allerhand Schönem an der Epplestraße eröffnet.

Schnell hat sich das Geschäft mit seinem bunten und auch möglichst regionalen Sortiment – Pralinen aus Heumaden, Kinderbücher aus Tübingen oder Hautpflege aus Ostfildern – zu einem Lieblingsladen im Filderbezirk gemausert. Die Nachricht vom baldigen Aus macht daher viele betroffen. „Sehr schade – ihr habt Degerloch bereichert“, kommentiert beispielsweise der Bezirksvorsteher Colyn Heinze bei Instagram.

Inhaberin Julia Hezel: Geschäftsaufgabe nicht einfach

Julia Hezel sagt, sie habe sich die Entscheidung nicht leichtgemacht. Gleichwohl betont sie: Die Trauerphase habe sie bereits hinter sich gelassen. Der Entschluss stehe, und für den führt sie drei Gründe an. Der eine ist vier Jahre alt: Julia Hezels Tochter. Für die fehle es zunehmend an Zeit. „Mein Mann arbeitet zu 100 Prozent, und die Kleine kommt jetzt in ein Alter, da fangen die Hobbys an, da muss man sie begleiten.“

Kaufzurückhaltung im Einzelhandel – ein Grund für das Ladensterben in Stuttgart. Foto: picture alliance/dpa

Hinzu kommen personelle Engpässe. Eine Aushilfe steigt aus. Und zu den organisatorischen Schwierigkeiten kommen auch – Grund Nummer drei – wirtschaftliche Überlegungen: „Ich sehe, dass es innerhalb von drei Jahren weniger geworden ist“, sagt Julia Hezel über ihren Umsatz. Die Kundschaft sei beim Kaufen zurückhaltender geworden, mit den Online-Preisen könne sie nicht mithalten. „Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Branche.“

Tatsächlich greift in Stuttgart seit geraumer Zeit ein Ladensterben um sich. Fehlende Umsätze bei gestiegenen Fixkosten machen vielen Selbstständigen zu schaffen. Entsprechend wenig optimistisch ist der Handel ins Jahr gestartet. Nahezu jedes zweite Unternehmen erwartet laut einer Umfrage des Handelsverbands Deutschland, dass die Umsätze leicht oder deutlich niedriger ausfallen werden als 2025. Mancher Laden hatte zuletzt auf die kritische Lage im Einzelhandel aufmerksam gemacht.

Myriam Kunz, die Betreiberin des Buchgeschäfts Buchstäbchen im Westen, hatte im Dezember aufgrund des schleppenden Weihnachtsgeschäfts um Unterstützung geworben. „Man kann sich entweder für A oder B entscheiden – für anspruchslos oder besonders kuratiert, für den Algorithmus oder Beratung, für abgepackt oder bezaubernd verpackt, für Anonymität oder Beziehung“, hatte sie in einem Instagram-Video gesagt. Und auch Sabine Braun, die Inhaberin des Concept-Stores Rosabraun, hatte in einem Posting zum Jahreswechsel ihre Kundschaft direkt angesprochen, „denn nur durch euch kann ich einen Traum weiterleben, der vor über 15 Jahren begonnen hat“.

Traum von der Selbstständigkeit geplatzt

Julia Hezel jedenfalls sieht den Traum Selbstständigkeit heute differenzierter. „Der Laden trägt sich selber, aber der Aufwand steht in keinem Verhältnis“, bekennt sie. Stattdessen zieht es die 36-Jährige in ihren alten Beruf Sonderschullehrerin zurück. Mehr Sicherheit, mehr Planbarkeit. „Ich habe auch Vorfreude aufs Durchatmen“, sagt sie.

Wann bei „Romi & Juli“ Schluss sein wird, steht laut Julia Hezel noch nicht fest. Offiziell wird sie ihren Laden bis Ende des Jahres betreiben, „aber wenn ich einen Nachmieter finde, kann es schneller gehen. Dann reden wir vielleicht schon von April, Mai“. Der Auswahlprozess laufe bereits, mehrere Interessenten aus unterschiedlichen Branchen stünden mit der Vermieterin in Kontakt. „Am liebsten wäre mir jemand, der das Konzept so übernimmt“, sagt Julia Hezel. „Für Degerloch wäre es schön, wenn der Laden weiterbestehen würde.“